Whitney Houston: Höhen, Tiefen, drei Oktaven

Whitney Houston: Höhen, Tiefen, drei Oktaven

Von Ingo Neumayer

Sie war eine der größten und erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Doch neben Glanz und Glamour gab es auch viel Tragik im Leben von Whitney Houston.

Whitney Houston

Whitney Houston stammt aus einer musikalischen Familie: Ihre Mutter Cissy Houston singt in den Begleitbands von Elvis und Jimi Hendrix, ihre Cousine Dionne Warwick veröffentlicht seit den frühen 60ern einen Hit nach dem anderen. Und auch ihre Patentante Darlene Love mischte in Phol Spectors Girlgroup-Szene der 60er ordentlich mit. Kein Wunder also, dass sich auch Whitney jedes Mikrofon schnappt, das sie zu greifen bekommt.

Whitney Houston stammt aus einer musikalischen Familie: Ihre Mutter Cissy Houston singt in den Begleitbands von Elvis und Jimi Hendrix, ihre Cousine Dionne Warwick veröffentlicht seit den frühen 60ern einen Hit nach dem anderen. Und auch ihre Patentante Darlene Love mischte in Phol Spectors Girlgroup-Szene der 60er ordentlich mit. Kein Wunder also, dass sich auch Whitney jedes Mikrofon schnappt, das sie zu greifen bekommt.

Mit 14 macht sie ihre ersten Aufnahmen, noch als Teenie singt sie Background für Chaka Khan auf deren Hit "I'm Every Woman". Nebenbei modelt Houston auch noch erfolgreich, unter anderem ist sie in der "Vogue" zu sehen. 1983 entscheidet sie sich dann aber endgültig fürs Showgeschäft: Sie ist gerade mal 19 Jahre alt, als sie ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnet. Verantwortlich dafür ist Clive Davis (li.) , der schon Janis Joplin entdeckt hatte und maßgeblich an den Karrieren von Pink Floyd, Bruce Springsteen, Santana, Billy Joel und Aerosmith beteiligt war.

1985 erscheint ihr selbstbetiteltes Debüt und sorgt dafür, dass Houston ordentlich herumkommt. Für Konzerte, TV-Aufzeichungen und Promo-Auftritte fliegt sie um die Welt. Unter anderem tritt sie in München in der Nobel-Disco "P1" auf. Ob der Präsentkorb im Hintergrund Teil der Deko ist oder ein Geschenk von Disco-Besitzer und Feinkost-Unternehmer Michael Käfer? Das bleibt leider ungeklärt.

Ja, es sind die 80er, als Whitney Houston ihre Karriere startet. Das sieht man an ihrem Look und hört man auch an ihren frühen Hits wie "I Wanna Dance With Somebody" oder "How Will I Know". Die sind nämlich ziemlich dance-lastig und sorgen für volle Tanzflächen.

Doch auch getragene Balladen wie "Saving All My Love For You" und ""Greatest Love Of All" hat Whitney Houston im Repertoire. Dass ihr Stimmumfang locker und sicher über drei Oktaven reicht, hilft ihr natürlich dabei. Wegen ihrer einzigartigen Mischung aus Pop, Soul und Gospel geben ihr die Medien bald den Spitznamen "The Voice" ("Die Stimme").

Große Gesten zum Schmachten, coole Pop-Songs zum Tanzen - kein Wunder also, dass Whitney Houston mit ihren originell betitelten ersten beiden Alben namens "Whitney Houston" und "Whitney" zum Superstar wird. Es regnet Goldene und Platin-Schallplatten, Bravo-Ottos und Grammys.

Wie steigert man Erfolg? Indem man den Titelsong für eines der größten TV-Ereignisse des Jahres singt. 1988 schmettert Houston mit "One Moment In Time" die Hymne der Olympischen Spiele in Seoul und landet den nächsten Hit. Kein Rückblick, keine Zusammenfassung, in denen sie nicht zu sehen ist. Geschrieben wurde der Song übrigens von John Bettis und Albert Hammond ("It Never Rains In Southern California").

Anfang der 90er macht Houstons Karriere einen kleinen Knick. Ihr drittes Album "I'm Your Baby Tonight" verkauft sich weltweit "nur" 12 Millionen Mal. Die beiden Vorgängeralben schafften jeweils um die 30 Millionen. Doch mit einem Auftritt beim "Super Bowl", dem jährlichen Football-Endspiel, reißt sie das Ruder herum. Sie singt eine bewegende Version der amerikanischen Nationalhymne und trifft damit mitten ins Herz ihrer Landsleute.

1992 heiratet Houston den R'n'B-Sänger Bobby Brown. Ihr Sauberfrau-Image bekommt dadurch einen Kratzer. Denn Brown gilt als "Bad Boy", wurde mehrmals verhaftet, hat ein Alkohol- und Drogenproblem. Doch die beiden lassen sich nicht beirren. 1993 wird die gemeinsame Tochter Bobbi Kristina geboren.

1992 macht Houston nicht nur einen Ausflug vor den Altar, sondern auch vor die Filmkameras. In "Bodyguard" spielt sie an der Seite von Kevin Costner die Popsängerin Rachel Marron. Ihre Schauspielleistung wird von Kritikern zwar verrissen, aber das ist dem Publikum egal. Es strömt in Massen in die Kinos. Insgesamt spielt "Bodyguard" weltweit 411 Millionen Dollar ein.

Nicht nur der Film, auch der Soundtrack ist ein Mega-Erfolg. Für diesen steuert Houston sechs Songs bei - unter anderem "I Will Always Love You". Der Song wurde 1973 von Dolly Parton geschrieben und war damals ein Hit in den Country-Charts. Selbst Elvis Presley wollte ihn covern. Dessen Manager Tom Parker verlangte allerdings, dass ihm Parton die Hälfte der Verlagsrechte überließe. Das sei so Usus bei Elvis, argumentierte der "Colonel". Doch Parton sagte Nein.

Eine wirtschaftlich äußerst kluge Entscheidung für Dolly Parton. Denn Whitney Houston stellt keine unverschämten Ansprüche, macht aber "I Will Always Love You" zum Super-Monster-Megahit. Bis heute ist die Nummer die meistverkaufte Single einer Sängerin aller Zeiten. Und auch das Album bricht Rekorde. Der "Bodyguard"-Soundtrack verkauft sich weltweit unglaubliche 45 Millionen Mal - öfter als "Sgt. Peppers", "Saturday Night Fever" oder "Hotel California".

Whitney Houston ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Größer, spektakulärer und schöner wird es nicht mehr. In den 90ern versucht sie sich zunächst weiter als Schauspielerin. Doch mit "Waiting To Exhale" und "Rendezvous mit einem Engel" kann sie lange nicht an den "Bodyguard"-Erfolg anknüpfen. 1998 erscheint ihr viertes Album "My Love Is Your Love", auf dem sie sehr modern und zeitgemäß klingt: Sie unterlegt ihre Stimme mit HipHop-Beats, Reggae-Rhythmen und Dance-Elementen.

Diese Verbundenheit mit der "Straße" gefällt einem jüngeren Publikum, während Houston gleichzeitig jeden Empfang und jede Gala mit ihrer Präsenz zum Leuchten bringt. Strahlende Diva und moderne Pop-Queen - Whitney Houston ist beides.

Doch das Leben im Olymp geht nicht auf Dauer gut. Die Ehe mit Bobby Brown ist ein Auf und Ab, dazu kommen Drogen- und Alkoholprobleme. Im neuen Jahrtausend sinkt Houstons Stern zusehends. Sie macht Entziehungskuren, wird rückfällig, trennt sich von Bobby Brown und versöhnt sich wieder mit ihm. Ihre Verkaufszahlen sinken, die Auftritte werden zum Glücksspiel für das Publikum: Mal ist sie derangiert und schlecht bei Stimme, mal strahlt und singt sie wie zu ihren besten Zeiten.

Letztendlich gerät sie in einen Sog, aus dem sie sich nicht mehr befreien kann. Am 11. Februar 2012 dann der Schock: Whitney Houston wird tot in der Badewanne eines Hotelzimmers in Beverly Hills gefunden. Die Ärzte diagnostizieren Kokainmissbrauch und Herzprobleme. "The Voice" wurde nur 48 Jahre alt.

Auch knapp neun Jahre nach ihrem Tod hat die Welt Whitney Houston, ihre Stimme und ihre Songs nicht vergessen. Im Gegenteil: Neben dem "Bodyguard"-Musical, das seit 2012 erfolgreich um die Welt tourt, war für 2020 eine Show geplant, die Houston wieder auf die weltweiten Bühnen bringt - als Hologramm. Wegen Corona wurde diese Tour zunächst verschoben, soll aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden. Ein Erfolg scheint da vorprogrammiert. Denn Houstons Stimme und ihre Songs ziehen immer noch Millionen Menschen in ihren Bann. Sie ist und bleibt eben "The Voice".

Stand: 12.01.2021, 00:01 Uhr