Marius Müller-Westernhagen wird 70

Marius Müller-Westernhagen wird 70

Von René Denzer

Vom Skandal-Rocker zum Volkshelden – Marius Müller-Westernhagen feiert am 6. Dezember 2018 seinen 70. Geburtstag.

Westernhagen in "Heim und Herd"

Am 6. Dezember 1948 wird Marius Müller-Westernhagen als Sohn von Hans Müller-Westernhagen geboren, prominentes Mitglied im Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses um dessen Intendanten Gustaf Gründgens. Der Vater stirbt früh, 1961. Ein Jahr später hat Marius mit erst 14 Jahren seine erste Filmrolle in "Die Höhere Schule". 1966 spielt er in "Heim und Herd" (Foto) mit.

Am 6. Dezember 1948 wird Marius Müller-Westernhagen als Sohn von Hans Müller-Westernhagen geboren, prominentes Mitglied im Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses um dessen Intendanten Gustaf Gründgens. Der Vater stirbt früh, 1961. Ein Jahr später hat Marius mit erst 14 Jahren seine erste Filmrolle in "Die Höhere Schule". 1966 spielt er in "Heim und Herd" (Foto) mit.

Westernhagen kommt schnell mit der Musik in Berührung. Er übt Gitarre, nimmt Gesangsunterricht. In seiner Heimatstadt Düsseldorf wird er mit seiner damaligen Band eine kleine Berühmtheit. Die breite Öffentlichkeit registriert Westernhagen 1972. Der Anti-Bayern-Song "Gebt Bayern zurück an die Bayern" sorgt für Skandal und Bombendrohungen. Die Single wird vom Markt genommen. Der Karriere von Westernhagen schadet das nicht.

Von Düsseldorf zieht es Marius Müller-Westernhagen zu den Musikverlagen nach Hamburg. Das erstes Album "Das erste Mal" erscheint 1975. Dem Film bleibt Westernhagen treu. Die Rolle des Anti-Helden Theo im TV-Film "Aufforderung zum Tanz" gibt ihm 1976 einen weiteren Karriereschub. Der Kino-Film "Theo gegen den Rest der Welt" macht Marius 1980 über Nacht berühmt.

Den Grundstein für den musikalischen Erfolg legt er schon 1978 mit dem Album "Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz". Der Hit "Dicke" empört damals die Presse, Radiosender spielen den Song nicht. Das Album "Sekt oder Selters" wird 1980 wegen provokanter Texte ebenfalls von Radiosendern ignoriert. Die LP "Stinker" ein Jahr später macht ihn zum Star.

Musikalisch wird in den Folgejahren experimentiert. Auch an seiner Person gibt es Veränderungen. Der burschikose Pöbler „Marius" wandelt sich zum adrett gekleideten und arrogant wirkenden "Westernhagen". Genauso lautet auch der Titel seines Albums. Der Song "Freiheit" wird ein Riesen-Hit. Als Marius Müller-Westernhagen ihn in der Dortmunder Westfalenhalle im Dezember 1989 anstimmt, singen 20.000 Besucher mit. Mit den Nachfolgealben "Halleluja", "Westernhagen - Live", "Jaja", "Affentheater" und "Radio Maria" ist er voll auf der Erfolgspur.

Der Musiker prangert Missstände in der Gesellschaft an, macht sich stark gegen Rassismus. "Ich bin der Meinung, dass sich jeder, der etwas veröffentlicht, darüber im Klaren sein sollte, dass er Politik betreibt. Man sollte gesellschaftlich eine Stellung beziehen", hat er einmal gesagt. Für sein Engagement wird er 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Marius Müller-Westernhagen veröffentlicht in der Folgezeit weitere Platten. Immer wieder steht auch Tochter Mimi mit ihm auf der Bühne. Auf seinem jüngsten Unplugged-Album ist sie ebenfalls vertreten.

Große Schlagzeilen macht er in diesem Jahr. Im Zuge der Antisemitismus-Debatte um die Echoverleihung 2018 kündigt er an, seine bisher erworbenen sieben Echos aus Protest zurückzugeben. Auf Facebook hat er das wie folgt begründet: "Künstler haben eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Sich hinter künstlerischere Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich. Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt."

Stand: 29.11.2018, 14:29 Uhr