Supertramp: Superstars der 70er

Supertramp: Superstars der 70er

Von Ingo Neumayer

Pop, Soul, Art-Rock und ein geniales Gespür für Hits: Supertramp war in den 70ern eine Klasse für sich und nicht umsonst eine der erfolgreichsten Bands ihrer Zeit. Vor 50 Jahren veröffentliche Supertramp das gleichnamige Debütalbum.

Supertramp live 1979

Glück muss man haben – und einen Millionär als Fan: So beginnt die Geschichte von Supertramp Ende der Sechziger Jahre, als der holländische Millionär Sam Miesegaes dem britischen Keyboarder Rick Davies einen Batzen Geld in die Hand drückt, um eine Band zusammenzustellen. Der schaltet eine Anzeige im Magazin "Melody Maker", auf die sich Sänger/Bassist Roger Hodgson, Gitarrist Richard Palmer und Drummer Keith Baker melden: Supertramp ist geboren.

Glück muss man haben – und einen Millionär als Fan: So beginnt die Geschichte von Supertramp Ende der Sechziger Jahre, als der holländische Millionär Sam Miesegaes dem britischen Keyboarder Rick Davies einen Batzen Geld in die Hand drückt, um eine Band zusammenzustellen. Der schaltet eine Anzeige im Magazin "Melody Maker", auf die sich Sänger/Bassist Roger Hodgson, Gitarrist Richard Palmer und Drummer Keith Baker melden: Supertramp ist geboren.

Bis dato hatte sich Davies in München mehr schlecht als recht als Musiker für Film und Fernsehen durchgeschlagen. Und auch bei Supertramp läuft es anfangs nicht gut. Das Debüt "Supertramp", das am 14. Juli 1970 erscheint und noch deutlich im Progressive Rock verankert ist, ist ein Flop, das Nachfolgealbum "Indelibly Stamped" verkauft sich sogar noch schlechter. Musiker kommen und gehen, bis Hodgson und Davies 1972 alleine dastehen. Und als sogar Mäzen Miesegaes seine Unterstützung einstellt, scheint das Ende der Band besiegelt.

Doch Davies und Hodgson sind stur und glauben weiter an ihre musikalischen Ideen. Die entfernen sich vom komplizierten Prog Rock und werden mit Keyboards, Orgel und Blasinstrumenten deutlich massenkompatibler. Mit Bassist Dougie Thompson, Drummer Bob Siebenberg und Saxophonist John Helliwell unternimmt Supertramp einen weiteren Anlauf. Den letzten, sagt die Plattenfirma. Sollte das nächste Album kein Erfolg werden, droht der Rauswurf.

1974 erscheint "Crime Of The Century" – und wird dank Songs wie "School", "Dreamer" oder "Bloody Well Right" ein weltweiter Erfolg.

Supertramp gelingt es, einen ganz eigenen Bandsound zu kreieren: Einerseits liegen den Songs anspruchsvolle Arrangements und durchaus progressive Sound-Ideen zugrunde. Andererseits hat vor allem Hodgson ein goldenes Händchen für Harmonien und einprägsame Melodien, die er mit seiner unverkennbar hohen Stimme singt.

Zudem macht Supertramp gut und gerne Gebrauch von damals eher rock-unüblichen Instrumenten wie Saxophon, Klarinette, Orgel und Synthesizer. So entsteht Musik irgendwo zwischen Pop, Rock, Soul und Art-Rock, die Millionen Fans begeistert.

"Give A Little Bit", "The Logical Song", "Breakfast In America", "It's Raining Again" – ein Superhit jagt den nächsten. Ende der 1970er Jahre ist Supertramp eine der erfolgreichsten Bands überhaupt.

Die Platten verkaufen sich millionenfach, und auch die Konzerte geraten triumphal. Bestens dokumentiert wird das 1980 durch das Livealbum "Paris", das die Band auf ihrem musikalischen Zenit zeigt.

Doch in den Achtzigern verfinstern sich die Mienen bei Supertramp. Roger Hodgson zieht in die Berge nach Nordkalifornien, arbeitet an Solo-Songs und will mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Nach dem Album mit dem bezeichnenden Titel "Famous Last Words" (engl: "berühmte letzte Worte") und immer größeren Differenzen mit Davies über die musikalische Ausrichtung verlässt er 1983 die Band.

Supertramp macht ohne Hodgson weiter - und orientiert sich musikalisch neu. Auf dem Album "Brother Where You Bound" (1985) wendet sich die Band wieder mehr ihren Progressive-Rock-Wurzeln zu und engagiert für das 16-minütige Titelstück Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour. Auf dem 1987er-Album "Free As A Bird" versucht sich die Band dann gar an Dance-Nummern und Club-Sounds. Allerdings ohne Erfolg.

Auch Hodgsons Solokarriere kommt nicht so recht in Gang. Er lehnt ein Angebot ab, bei Yes als Sänger einzusteigen, gibt den König Arthur im Rockmusical "Excalibur", wird Juror einer TV-Castingshow in Kanada. Doch am meisten Zuspruch erhält er, wenn er live die Supertramp-Hits von früher anstimmt. So zum Beispiel bei der Konzertreihe "Night Of The Proms", bei der er regelmäßig zu Gast ist.

2010 feiert Davies 40-jähriges Plattenjubiläum von Supertramp mit einer großen Welttournee. Mit dabei sind alle Hits - aber nicht Roger Hodgson. Der ist zeitgleich auf Solotournee, bietet aber an, in den Lücken des Spielplans mit seinen alten Gefährten aufzutreten. Doch die sagen Nein. Die fehlende Bandharmonie mache das unmöglich, so Rick Davies. Und das bei einer Band, die sich doch immer durch ihre (musikalischen) Harmonien ausgezeichnet hat ...

Stand: 13.07.2020, 11:02 Uhr