Der Kopf der Kinks: Ray Davies wird 75

Der Kopf der Kinks: Ray Davies wird 75

Von Ingo Neumayer

The Kinks waren Mitte der 60er so groß wie die Beatles und die Stones und beeinflussten später Bands wie Queen oder Oasis. Am 21. Juni 2019 feiert Bandleader Ray Davies seinen 75. Geburtstag.

Als Mitte der 60er die moderne Popmusik erfunden wurde, waren die Kinks ganz vorne mit dabei. Zusammen mit den Beatles, den Rolling Stones und The Who bildeten sie die Speerspitze der "British Invasion", die weltweit Erfolge feierte. Die Zeit der fremdbestimmten Solokünstler lief damals langsam ab. Fortan wurde die Popmusik von Gruppen dominiert, die ihre eigenen Songs schrieben.

Als Mitte der 60er die moderne Popmusik erfunden wurde, waren die Kinks ganz vorne mit dabei. Zusammen mit den Beatles, den Rolling Stones und The Who bildeten sie die Speerspitze der "British Invasion", die weltweit Erfolge feierte. Die Zeit der fremdbestimmten Solokünstler lief damals langsam ab. Fortan wurde die Popmusik von Gruppen dominiert, die ihre eigenen Songs schrieben.

Gegründet wurden die Kinks von den Davies-Brüdern Ray (rechts) und Dave (2.v.l.), die beide Gitarre spielten und sangen. Drummer Mick Avery (2.v.r.) und Bassist Peter Quaife (links) komplettierten das Quartett, das sich im Londoner Norden schnell einen Namen machte. Doch als 1964 die ersten beiden Singles erfolglos blieben, drohte ihnen die Plattenfirma mit dem Rausschmiss. Die Kinks erhielten noch eine Chance...

Und die nutzten sie: Die nächste Single "You Really Got Me" wurde ein Riesenhit. Der Titel stammte wie die meisten Kinks-Songs aus der Feder von Ray Davies. Viele sehen in dem "You Really Got Me"-Gitarrenriff die Geburtsstunde dessen, was später Hardrock genannt und von Bands wie AC/DC oder Van Halen aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.

Die Kinks starteten durch, standen sich selbst allerdings auch etwas im Weg. Von Anfang an gab es Spannungen und Streit innerhalb der Band. Dass Ray mehr Rampenlicht abbekam, passte seinem Bruder Dave gar nicht.

In den USA erhielten die Kinks 1965 ein vierjähriges Auftrittverbot aus einem völlig absurden Grund. Laut Ray Davies hielt man die Band wegen ihrer knallroten Jacken für Kommunisten.

Trotz aller Differenzen rauften sich die Kinks letztlich immer wieder zusammen und begeisterten mit Hits wie "Dandy", "Waterloo Sunset", "Sunny Afternoon" oder "Dead End Street". Die Kinks hatten aufgrund ihrer Herkunft eine starke Verbindung zur Arbeiterklasse, sangen über Allerweltsthemen, gaben sich sehr bodenständig und pflegten einen inseltypischen, gerne auch zynischen Humor.

Schnäppchenjagd auf der Königs-Allee: Auf ihrer vierwöchigen Deutschlandtournee wird die Band 1965 bei den Sonderangeboten eines Düsseldorfer Schallplattenhändlers fündig.

Ende der 60er veränderte sich der Stil der Kinks zusehends. Statt auf prägnante, poppig-eingängige Nummern setzte Ray Davies immer mehr auf theatralische Momente. Die Kinks veröffentlichten Konzept-Alben wie "The Village Green Preservation Society", "Arthur (Or The Decline And Fall Of The British Empire)" oder "Lola Versus Powerman", die mit viel Bedeutung aufgeladen waren, die meisten Fans aber ratlos hinterließen. Mit "Lola" gelang der Band 1970 noch einmal ein Superhit, doch das war es dann für lange Zeit.

1996 war dann endgültig Schluss mit den Kinks. Die Band sagte Goodbye zu ihren Fans, die Mitglieder widmeten sich fortan den typischen Dingen, mit denen man sich als ehemaliger Popstar so beschäftigte: Hier ein Soloalbum, dort ein Gastauftritt, und natürlich musste auch noch die ein oder andere Autobiografie verfasst werden. Ray Davies hat gleich zwei davon geschrieben: "X-Ray" und "Americana".

Ray Davies war dreimal verheiratet und ist Vater von vier Töchtern. Hier strahlt er mit seiner jüngsten Tochter Eva vor dem Buckingham Palace um die Wette, wo ihm 2004 der Ritterorden "Commander of the British Empire" verliehen wurde.

Pünktlich zum 50. Bandjubiläum feierte 2014 in London das Musical "Sunny Afternoon" Premiere, das sich den Songs und der Karriere der Kinks widmete. Das Musical wurde ein großer Erfolg und längst nicht nur von Nostalgikern besucht: Auch die junge Generation der Musikfans interessierte sich wieder für die Kinks.

Tatsächlich sind die Kinks im Laufe der Jahre zu einer der einflussreichsten Bands überhaupt geworden. Schon The Who-Gitarrist Pete Townshend oder Brian May von Queen sprachen in höchsten Tönen von ihnen. In den späten 70ern beriefen sich Punk- und Wave-Bands wie The Clash, Elvis Costello oder The Jam auf Ray Davies & Co. Und auch die Britpop-Welle in den 90ern mit Oasis und Blur hatte der Vorarbeit der Kinks und ihres Masterminds Ray Davies viel zu verdanken.

Stand: 17.06.2019, 13:23 Uhr