Joni Mitchell wird 75

Joni Mitchell wird 75

Von Ingo Neumayer

Folk, Pop, Rock, Jazz: Joni Mitchell war musikalisch vielseitig und talentiert wie kaum jemand. Am 07.11. feiert die Songwriterin ihren 75. Geburtstag.

Sängerin Joni Mitchell mit Gitarre ca. 1968

Geboren als Roberta Joan Anderson im kanadischen Fort Macleod, verbringt Joni Mitchell eine unstete Kindheit und Jugend. Ihr Vater ist bei der Armee, das bedeutet: Viele Umzüge, wenig Wurzeln, kaum Freunde. Auch in der Schule tut sich Mitchell schwer und zeigt lediglich für Kunst und Musik Interesse. Mit neun Jahren erkrankt sie an Polio und muss längere Zeit in einer Klinik verbringen.

Geboren als Roberta Joan Anderson im kanadischen Fort Macleod, verbringt Joni Mitchell eine unstete Kindheit und Jugend. Ihr Vater ist bei der Armee, das bedeutet: Viele Umzüge, wenig Wurzeln, kaum Freunde. Auch in der Schule tut sich Mitchell schwer und zeigt lediglich für Kunst und Musik Interesse. Mit neun Jahren erkrankt sie an Polio und muss längere Zeit in einer Klinik verbringen.

Als sie entlassen wird, steht für Mitchell fest: Ich werde Künstlerin. Sie malt, tanzt, musiziert. Wegen der Polio-Erkrankung kann sie ihre linke Hand schwer bewegen und gewöhnt sich deshalb eine besondere Grifftechnik an der Gitarre an. Mitte der Sechziger Jahre verlässt Mitchell ihre Heimatstadt Saskatoon. Einerseits, um an ihrer Musikkarriere zu arbeiten. Anderseits, um ihre Schwangerschaft vor ihrer Familie geheim zu halten. Ihre 1965 geborene Tochter gibt sie zur Adoption frei.

Toronto, Detroit, New York: Mitchell zieht umher und nutzt jede Gelegenheit, um ihre Songs auf die Bühne zu bringen. Ihre ernste, ätherische Art kommt gut an, und so verschafft sie sich im damaligem Folk-Epizentrum, dem New Yorker Greenwich Village, viel Respekt und viele Fans. Zu ihren prominenten Bewunderern gehören Leonard Cohen, David Crosby von den Byrds...

...und auch ihr kanadischer Landsmann Neil Young. Ende der Sechziger siedelt Mitchell nach Kalifornien um und wird Teil der legendären "Laurel Canyon"-Szene. Hier hängen Frank Zappa, Jim Morrison und John Mayall ab, feiern Parties und jammen miteinander, hier wird die Keimzelle gesät für Bands wie die Eagles oder Crosby, Stills, Nash & Young. Und mittendrin Joni Mitchell.

1969 lehnt ihr Management das Angebot ab, in Woodstock zu spielen. Stattdessen tritt Mitchell in einer Fernsehshow auf. Graham Nash, ihr damaliger Freund, berichtet ihr hinterher von dem Festival, worauf sie den Song "Woodstock" schreibt. Der erscheint 1970 und wird einer ihrer bekanntesten Songs.

Große Single-Hits gelingen Joni Mitchell nicht, es sind die Alben, mit denen sie Anfang der 70er Jahre zur Ikone und zum Folk-Superstar wird: "Clouds", "Ladies Of The Canyon" und vor allem "Blue" werden zu Meilensteinen. Mitchells sensible und emotionale Art, auch über düstere Themen wie Verzweiflung und Einsamkeit zu singen, trifft Millionen Menschen ins Herz. Auch ihre Eltern freunden sich schließlich mit dem Lebensweg ihrer Tochter an.

Ab Mitte der 1970er kommt Mitchell musikalisch immer mehr vom Folk und Pop ab und wendet sich jazzigeren und experimentelleren Klängen zu. Sie arbeitet mit Weather Report, Chaka Khan, Charles Mingus oder Pat Metheny und verfolgt künstlerisch nur eine Linie: Mitchell macht das, was sie will, und nicht das, was von ihr erwartet wird. Zwischendurch lässt sie das Touren und Musizieren auch mal ganz bleiben und widmet sich nur der Malerei.

Als 1976 The Band ihr legendäres Abschiedskonzert gibt, ist Joni Mitchell natürlich auch dabei und teilt sich die Bühne unter anderem mit Bob Dylan, Ringo Star, Van Morrison oder Eric Clapton.

Auch in den 80er und 90er Jahren verliert Mitchell nicht den Anschluss an die aktuelle Szene. Sie nimmt Songs mit Billy Idol, Tom Petty und Peter Gabriel auf und ist Gast bei Roger Waters "The Wall"-Konzert in Berlin.

Joni Mitchell hat eine ganze Menge Auszeichungen in ihrer Vitrine stehen: diverse Grammys, den Polar Music Prize und die Ehrendoktorwürde der Universität Saskatchewan. Außerdem ist sie seit 1997 Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame. Der "Rolling Stone" wählte sie 2015 auf Platz Neun der "besten Songwriter aller Zeiten".

2002 verkündet Mitchell nach dem Album "Travelogue" ihren Rückzug aus dem Musikgeschäft, um sich unter anderem mehr der Malerei zu widmen. Von ein paar Aufnahmen und Auftritten abgesehen, hält sie diesen Vorsatz auch durch. Dennoch hoffen ihre Fans natürlich weiter auf ein Comeback.

2015 erleidet Mitchell eine Gehirnblutung. Sie erholt sich zwar teilweise und wird auch immer mal wieder auf Empfängen oder Konzerten gesichtet. Auftritte gibt es aber nicht mehr, und auch zu ihrem 75. Geburtstag am Mittwoch (07.11.2018) sind keine öffentlichen Feiern geplant.

Stand: 31.10.2018, 09:58 Uhr