Herbert Grönemeyer: Die Bühne ist sein Revier

Herbert Grönemeyer: Die Bühne ist sein Revier

Von Ingo Neumayer

Sänger, Schauspieler, Superstar: Herbert Grönemeyer hat viele Facetten und Talente. Erfolgreich ist er in allen seinen Professionen - und das seit Jahrzehnten.

Herbert Grönemeyer bei der Vorstellung seines Albums "Was muss muss" (2008)

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer kommt am 12. April 1956 und zwar in – Überraschung! – Göttingen zur Welt. Nach Bochum zieht die Familie erst ein Jahr später. Dort wächst er mit seinen großen Brüdern Dietrich und Wilhelm auf. Mit acht fängt er an, Klavier zu spielen.

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer kommt am 12. April 1956 und zwar in – Überraschung! – Göttingen zur Welt. Nach Bochum zieht die Familie erst ein Jahr später. Dort wächst er mit seinen großen Brüdern Dietrich und Wilhelm auf. Mit acht fängt er an, Klavier zu spielen.

Die Musik hat es ihm angetan. Sein erstes Geld verdient er als Pianist am Bochumer Schauspielhaus. Schnell fasst er dort Fuß, noch während der Schulzeit bekommt er seine erste Rolle auf der Bühne. Im Musical "John, Paul, George, Ringo... und Bert" spielt er – logisch – den Bert. Die Schauspielangebote häufen sich. 1979 steht er das erste Mal vor der Kamera – im ARD-Fernsehfilm "Zuhaus unter Fremden".

Eigentlich träumt Grönemeyer zwar von einer musikalischen Karriere. Doch das mit der Musik klappt anfangs nicht so richtig. 1979 erscheint sein erstes Album "Grönemeyer", doch kaum jemand interessiert sich dafür. Die meisten Songs stammen nicht einmal von Grönemeyer selbst. Später scheint er sich ein bisschen für das Werk zu schämen. Zumindest erwähnt er es nicht in seiner offiziellen Discografie.

Doch so schnell gibt Grönemeyer nicht auf. 1980 erscheint das Album "Zwo", 1982 veröffentlicht er "Total egal" und 1983 "Gemischte Gefühle". Langsam macht er sich einen Namen, die Songs "Currywurst" und "Musik nur wenn sie laut ist" werden Achtungserfolge. Doch seiner Plattenfirma "Intercord" reicht das nicht. Sie beendet die Zusammenarbeit.

Ob auch der Sänger Grönemeyer vom "Boot"-Boom profitiert? Gut möglich, denn 1983 unterschreibt er einen neuen Plattenvertrag bei "EMI". Sein neues Album will er nach seiner Heimatstadt Bochum benennen. Eine Idee, die zunächst auf wenig Gegenliebe bei der Plattenfirma stößt. Doch Grönemeyer setzt sich durch. Was kann ich über diese Stadt erzählen? Wie bin ich hier groß geworden? Wie hat sie mich geprägt? Diese Fragen will er auf der Platte beantworten.

Und dann geschieht, was keiner für möglich gehalten hatte: Die Platte "4630 Bochum" wird zum Mega-Erfolg und verkauft sich 2,5 Millionen Mal. Lieder wie "Männer", "Flugzeuge im Bauch" oder der Titelsong werden erst Hits, dann Evergreens, schließlich Klassiker.

Auf einmal können sich alle auf Grönemeyer einigen: Er ist nicht abgehoben und verkörpert ein gewisses Malocher-Flair, kann aber auch bei Intellektuellen punkten. Grönemeyer ist der neue Superstar und verkauft 1984 in Deutschland mehr Platten als Michael Jackson.

Wie setzt man seine Popularität sinnvoll ein? Mit einem Benefiz-Projekt! Um hungernden Kindern in Afrika zu helfen, tut sich 1985 die Créme de la Créme der deutschen Pop- und Unterhaltungsszene zusammen. Es entsteht die "Band für Afrika", die den Song "Nackt im Wind" aufnimmt. Der Text stammt von Wolfgang Niedecken, die Musik komponiert Herbert Grönemeyer.

Doch auch seine andere künstlerische Ader wird nicht vernächlässigt. 1986 spielt er in der Serie "Väter und Söhne" an der Seite von Bruno Ganz, Julie Christie und Hollywood-Legende Burt Lancaster (li.).

Im selben Jahr erscheint sein Album "Sprünge" und sorgt dafür, dass Grönemeyer in der Erfolgsspur bleibt. Die Songs sind engagierter und kritischer, er kommentiert die Kohl-Regierung genauso wie das Apartheid-Regime in Südafrika. Und mit "Kinder an die Macht" hat er auch noch eine große Hymne für die Kleinen parat.

Nicht nur die Platten laufen, auch live genießt Grönemeyer großes Ansehen. Zwar veröffentlicht Ärzte-Drummer Bela B. zusammen mit dem Satiriker Wiglaf Droste einen Song namens "Grönemeyer kann nicht tanzen", aber das muss er ja auch gar nicht. Seine Stimme, sein Klavierspiel und seine Aura reichen, um das Publikum in den Bann zu ziehen. Beim "Anti-WAAhnsins-Festival" im bayerischen Burglengenfeld spielt er vor 100.000 Zuschauern.

Den Status als deutscher Superstar kann Grönemeyer über die nächsten Jahre aufrecht erhalten. Seine Platten haben Gold- und Platin-Garantien, die Konzerte wandern von den Arenen in die Stadien.

Natürlich ist immer besonders viel los, wenn er in seine Heimatstadt Bochum kommt – vor allem, wenn es das dortige Ruhrstadion ist. Schließlich ist sein Song "Bochum" schon längst zur Vereinshymne erhoben worden. Vor jedem Spiel singen tausende Fans inbrünstig die Zeilen: "Machst mit 'nem Doppelpass jeden Gegner nass / Du und dein VfL".

1998 wird ein einschneidendes Jahr für Grönemeyer. Er zieht mit seiner Familie nach London, ein bisschen weg von dem Trubel um seine Person. Doch im November treffen ihn zwei Schicksalschläge. Erst stirbt sein Bruder Wilhelm, vier Tage später seine Frau Anna. Grönemeyer stürzt sich in die Arbeit und geht schnell wieder auf Tour. 2002 erscheint das Album "Mensch", auf dem er Trauer und Verlust verarbeitet. Das Album trifft den Nerv einer ganzen Nation und holt 21 Mal Gold. Keine deutsche Platte wurde je mehr verkauft.

In den 80ern waren es noch Niedecken und Millowitsch, im neuen Jahrtausend initiiert Grönemeyer seine guten Taten mit internationaler Unterstützung. 2008 tritt er mit Bono in Rostock auf, um im Rahmen des G8-Gipfels gegen die Schattenseiten der Globalisierung zu protestieren.

Egal ob "12", "Schiffsverkehr","Dauernd jetzt" oder "Tumult": Jedes neue Grönemeyer-Album landet auf der Nummer eins der deutschen Charts. Dieser Lauf hält bereits seit "4630 Bochum". Und auch live läuft es unverändert: Die Stadien sind voll, die Stimmung ist grandios. Selbst im Ausland lässt er aufhorchen: 2012 veröffentlicht er das englischsprachige Album "I Walk" und geht auf Tour in England, den USA und Kanada.

2017 ist es dann mal wieder Zeit für eine kleine Rolle vor der Kamera. Im Agententhriller "A Most Wanted Man" spielt Grönemeyer an der Seite von Philip Seymour Hoffman (re.) und Nina Hoss (Mi.). Auch für die Filmmusik ist er zuständig. Regie führt übrigens sein Freund Anton Corbijn, der als Fotograf und Grafiker schon seit Jahren für Grönemeyers Image zuständig ist.

Im März 2020, mitten in der Corona-Pandemie, veröffentlicht Grönemeyer seinen bislang letzten Song namens "Helden dieser Zeiten". Er ist denjenigen gewidmet, die am meisten von der Pandemie betroffen sind und helfen, den Laden halbwegs am Laufen zu halten. Außerdem fordert er eine Millionärsabgabe, um die Kulturszene zu unterstützen, und geht mit gutem Beispiel voran. Engagiert, bestimmt und voller kreativer Ideen – so kennt und liebt man Herbert Grönemeyer.

Stand: 11.01.2021, 09:35 Uhr