Sommer 1969: CCR – so erfolgreich wie Beatles und Stones

Sommer 1969: CCR – so erfolgreich wie Beatles und Stones

Von Ingo Neumayer

Sie waren Mit-Headliner auf dem Woodstock-Festival. Doch weder im Film noch auf dem Woodstock-Album ist von ihnen die Rede: Creedence Clearwater Revival. John Fogerty gab die Rechte zur Veröffentlichung des Mitschnitts lange nicht frei, ihm erschien der Auftritt zu schlecht. Jetzt, 50 Jahre später, erscheint zum ersten Mal der vollständige Woodstock-Auftritt von Creedence Clearwater Revival als Album. Ein Grund mehr, sich dem (kurzen) Schaffen von CCR noch einmal zu widmen.

Creedence Clearwater Revival

Jefferson Airplane, Buffalo Springfield, Flying Burrito Brothers: Wer Ende der Sechziger eine Band gründete, suchte sich gerne einen möglichst unhandlichen Namen. Dieses Konzept verfolgten auch Stu Cook, John Fogerty, Doug Clifford und Tom Fogerty (v.l.n.r.), als sie sich an Weihnachten 1968 Creedence Clearwater Revival nannten. "Credence" war der Name eines Freundes von Tom Fogerty, während die bei der Band beliebte Biermarke "Olympia" mit dem Verweis auf sein "clear water" Werbung machte. Und mit "Revival" sollte die wiederentdeckte Hingabe der Mitglieder nach mehreren missglückten Anläufen als Band demonstriert werden.

Jefferson Airplane, Buffalo Springfield, Flying Burrito Brothers: Wer Ende der Sechziger eine Band gründete, suchte sich gerne einen möglichst unhandlichen Namen. Dieses Konzept verfolgten auch Stu Cook, John Fogerty, Doug Clifford und Tom Fogerty (v.l.n.r.), als sie sich an Weihnachten 1968 Creedence Clearwater Revival nannten. "Credence" war der Name eines Freundes von Tom Fogerty, während die bei der Band beliebte Biermarke "Olympia" mit dem Verweis auf sein "clear water" Werbung machte. Und mit "Revival" sollte die wiederentdeckte Hingabe der Mitglieder nach mehreren missglückten Anläufen als Band demonstriert werden.

Gegründet wurde die Band übrigens in der Nähe von San Francisco. Das überrascht, wenn man sich den Sound und die Themen der Band genauer anhört. Denn wer so lässige Songs über Außenseiter, Baumwollfelder und den Sumpf im Mississippi spielt, den würde man eher in den Südstaaten als im sonnigen Kalifornien vermuten.

Schon mit "Suzie Q." vom selbstbetitelten Debütalbum gelang der Band 1968 ein erster Achtungserfolg. Der war allerdings nicht auf dem eigenen Mist gewachsen. Die Bluesrocknummer stammte im Original von Dale Hawkins und wurde von CCR umarrangiert.

Doch die Band konnte auch selbst große Songs schreiben. Und was für welche: "Proud Mary" aus der Feder von Sänger und Gitarrist John Fogerty wurde 1969 ein Top-Ten-Hit in den USA, England, Australien und Deutschland.

Und das sollte nur der Auftakt für eine lange Reihe von Hits werden: "Bad Moon Rising", "Green River", "Down On The Corner", "Fortunate Son", "Who'll Stop The Rain", "Up Around The Bend", "Lookin' Out My Back Door", "Have You Ever Seen The Rain?", "Hey Tonight" – CCR hatten ab Ende der Sechziger einen richtigen Lauf.

Bemerkenswert war auch der Arbeitsethos von CCR. 1969 erschienen gleich drei Studioalben der Band: "Bayou Country", "Green River" und "Willy And The Poor Boys".

Ihre Mischung aus Country, Rock, Blues und Boogie, kombiniert mit John Fogertys untrüglichem Gespür für eingängige Melodien, machte CCR zu Superstars. Die Beatles? Aufgelöst. Die Stones? Im Drogennebel. The Who? Auf musikalischer Sinnsuche. Die Lücke, die damals entstand, wurde durch Fogerty und Co. ausgefüllt.

Wo geht es hin? Nach oben natürlich! Ausverkaufte Konzerte, Platin-Auszeichnungen, Fans in Millionenstärke: Anfang der 70er hatten CCR ihren Zenit erreicht.

Doch dann passierte das, was oft auf einen derart steilen Aufstieg folgt: Streit und Animositäten. Ende 1970 stieg Tom Fogerty aus der Band aus: Er hielt es mit der zunehmend diktatorischen Art seines Bruders nicht mehr aus. CCR machten als Trio weiter.

Doch auch das ging nicht lange gut. Das Album "Mardi Gras", das 1972 erschien, hatte für CCR-Verhältnisse relativ wenig Erfolg. Dazu kamen Auseinandersetzungen um die Verteilung der Einnahmen sowie um die Frage, in welche musikalische Richtung man in Zukunft gehen solle. Das Ende vom Lied: Am 16. Oktober 1972 gab die Band ihre Auflösung bekannt.

John Fogerty startete eine Solokarriere, die jedoch leidlich erfolgreich geriet. Mit einer Ausnahme: "Rockin' All Over The World" wurde zu einem Riesenhit. Allerdings nicht in seiner Version, sondern als Cover von Status Quo.

Stu Cook und Doug Clifford sind seit Mitte der Neunziger übrigens auch wieder aktiv: Als Creedence Clearwater Revisited spielen sie die Hits von damals für ein Publikum von heute. Eine Versöhnung mit John Fogerty ist allerdings auch nach all den Jahren nicht in Sicht. Selbst anlässlich der Aufnahme in die Rock'n'Roll-Hall of Fame 1993 weigerte sich Fogerty, die Bühne mit seinen ehemaligen Bandkollegen zu teilen. Und somit sind CCR eine der wenigen Bands, die tatsächlich standhaft einer Wiedervereinigung widerstanden haben. Was bleibt, sind die Songs. Die allerdings haben auch nach fast 50 Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Am 2. August 2019 erscheint endlich der ganze Auftritt von Creedence Clearwater Revisited "Live at Woodstock" als Album, mit ihren größten Hits der damaligen Zeit. John Fogerty entschloss sich, den Mitschnitt nun doch komplett freizugeben. Im Laufe der Zeit bekam Fogerty eine Menge Anfragen, so dass sich seine Ansicht über die Qualität des Woodstock-Sets änderte. Zum 40. Woodstock-Jubiläum wurden bereits drei Songs ("Green River," "Bad Moon Rising" und "I Put a Spell On You") veröffentlicht. Und nun das gesamte 11-Song-Set vom 17. August 1969: Ein historisches Konzert und ein Muss für jeden Fan dieser amerikanischen Rockband.

Stand: 17.07.2019, 10:04 Uhr