Doku-Hörspielserie: Die Arbeit des Parlamentarischen Rates

Grafik, im Hintergrund ein Foto des ersten Treffens des Parlamentarischen Rates am 1. September 1948, grafische Aufschrift: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz.

Doku-Hörspielserie: Die Arbeit des Parlamentarischen Rates

Herbst 1948. In der großen Lichthalle des Zoologischen Museums in Bonn versammeln sich 61 Männer und vier Frauen: Die Mitglieder des Parlamentarischen Rates. Ihre Aufgabe in den folgenden neun Monaten: das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auszuarbeiten.

Hörspielserie vom 22. bis zum 25. Mai jeweils um 19.04 Uhr im WDR 3 Hörspiel.
Die Hörspielreihe steht hier und in der
ARD-Audiothek zum Download zur Verfügung.

Guter Rat - Berufung auf Gott

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 5 von 8 13.05.2019 27:44 Min. Verfügbar bis 12.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Parlament und Volksentscheid

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 6 von 8 14.05.2019 28:06 Min. Verfügbar bis 12.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Männer und Frauen sind gleichberechtigt

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 7 von 8 15.05.2019 27:58 Min. Verfügbar bis 12.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Die Rechte unehelicher Kinder

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 8 von 8 16.05.2019 27:44 Min. Verfügbar bis 12.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Deutschland in Europa

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 3 von 8 02.05.2019 26:42 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Das Wahlrecht

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 4 von 8 02.05.2019 28:19 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Die Würde des Menschen ist unantastbar

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 1 von 8 02.05.2019 28:25 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 WDR 3

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Guter Rat - Eine Zensur findet nicht statt

WDR 3 Hörspiel: Guter Rat - Ringen um das Grundgesetz Teil 2 von 8 02.05.2019 27:25 Min. Verfügbar bis 01.05.2020 WDR 3

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Ihre Arbeit, ihre Diskussionen und Überlegungen sind überliefert in 14 Protokollbänden. Wortgetreue Transkriptionen der Beratungsgespräche und des Ringens um einzelne Worte im Bewusstsein ihrer historischen Bedeutung. Spannend wie ein Krimi. Ergreifend in der schnörkellosen Ernsthaftigkeit, im unerschütterlichen Willen, sich beim Neuanfang keine Fehler zu erlauben.

Der dokumentarisch-erzählerische Hörspiel-Mehrteiler basiert auf diesen minutiösen Mitschriften einer langen, gewissenhaften Arbeitsphase. Sie bezeugen das Verantwortungsbewusstsein, die Genauigkeit, Geduld und Umsicht der Demokraten: Beamte und Juristen, die in den Trümmern des 2. Weltkriegs versuchten, mit ihrer Verfassung den Horror für alle Zeiten auszuschließen, aus dem die Welt gerade auftauchte.

Harte Arbeit am Gesetz

Es ging nicht um Parolen, um Mehrheiten oder vorauseilende Zugeständnisse. Es ging darum, mit allem – auch grauenvollen – Wissen der Welt und speziell der letzten Jahrzehnte ein gesellschaftliches Regelwerk aufzusetzen, das zivilisatorische Entwicklungen und Errungenschaften festhält und Barbarei schon im Ansatz verhindert. Es ging um die Verfassung eines Staates, der nur dann Daseinsberechtigung hätte, wenn von seinem Boden und seinen Mitgliedern nie wieder Ausgrenzung, Rassismus, Volksverhetzung und Ungleichheit ausgingen.

Es ging um das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Es ging um die Demokratie. Wert, daran zu erinnern. Die Hörspielserie erzählt, wie hart die Arbeit an Einigkeit und Recht und Freiheit ist, dass Demokratie kein Geschenk und kein Zustand ist – und dass der Einsatz dafür dennoch so unerlässlich wie erfüllend ist.

Parlamentarischer Rat als Hörspiel-Reihe

Um die Original-Debatten und -Diskussionen spannen sich literarisch-künstlerische Texte heutiger SchriftstellerInnen. Sie verorten die jeweiligen Themen teils in der Gegenwart, profilieren die einzelnen Diskutanten. So erfahren wir auch von Biografien, die hinter den Beratern lagen. Sie ergänzen die individuelle Perspektive einer Autoren-Persönlichkeit auf einen historischen Moment, der unsere Gesellschaft bis heute definiert.

Mit Texten von Terézia Mora, Özlem Özgül Dündar, Georg M. Oswald, Frank Witzel

  • Berufung auf Gott
  • Parlament und Volksentscheid
  • Männer und Frauen sind gleichberechtigt
  • Die Rechte unehelicher Kinder
  • Die Würde des Menschen ist unantastbar
  • Eine Zensur findet nicht statt
  • Deutschland in Europa
  • Das Wahlrecht

Glossar "Guter Rat – Ringen um das Grundgesetz"

Ruhrstatut

Von den Westmächten geschlossenes Abkommen, demzufolge die Alliierten gemeinsam mit Deutschland das Aufsichtsrecht über die Industrieproduktion des Ruhrgebiets ausübten. Es war von 1949 bis 1951 in Kraft. Das Ruhrstatut diente der europäischen Integration und dem Wiederaufbau des zerstörten Landes. Die baldige Wiederaufrüstung Deutschlands sollte ebenfalls verhindert werden.

Besatzungsstatut

Von den Westalliierten 1949 beschlossenes Regelwerk über die Zuständigkeiten und Kontrollen der drei Besatzungsmächte Frankreich, Großbritannien und USA. Danach behielten sich die Alliierten das Vetorecht vor über die Gesetzgebung des Bundes sowie Hoheitsrechte über die Außenpolitik, die Wiedergutmachungen und Wiederbewaffnung Deutschlands. Das Statut blieb nach spürbaren Erleichterungen mit der Revision 1951 noch bis 1954 in Kraft.

Präambel

Feierliche schriftliche Erklärung am Anfang eines urkundlichen Texts, der Beweggründe, Grundannahmen und die das Folgende bestimmende Geisteshaltung erklärt.

Invocatio Dei

Lateinisch: "Anrufung Gottes". Ein weitreichender Gottesbezug in einem Verfassungswerk. Dabei wird die Staatsverfassung als „im Namen Gottes erlassen“ erklärt.

DP (Deutsche Partei)

1946 gegründete nationalkonservative Partei in der BRD, die stark föderalistische, zum Teil auch monarchistische und völkische Positionen vertrat; sie war vor allem in Niedersachsen stark. Die DP war 1949 bis 1960 an der Bundesregierung beteiligt und löste sich 1980 als Partei auf.

Zentrum (Deutsche Zentrumspartei)

1870 gegründete deutsche Partei, die als Vertreterin des politischen Katholizismus fungierte. Das Zentrum war im Kaiserreich und der Weimarer Republik zeitweise die stärkste Fraktion im Reichstag. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die bikonfessionelle CDU ihre Rolle, während das in Westfalen beheimatete Zentrum Kleinstpartei wurde.

Rolle der KPD-Abgeordneten

Die aus dem NRW-Landtag entsandten zwei Abgeordneten der Kommunistischen Partei Deutschlands, Max Reimann und Heinz Renner, lehnten aus grundsätzlichen Erwägungen die Gründung eines westdeutschen Staats ab. Ihre Partei, die KPD, wurde 1956 durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts verboten.

Herrenchiemsee

Im Klostertrakt des Augustiner-Chorherrenstifts auf der "Herreninsel", der größten der drei Inseln im bayerischen Chiemsee, tagte vom 10.-23. August der Verfassungskonvent, ein Expertengremium, das von den Ministerpräsidenten einberufen worden war und einen Grundgesetzentwurf als Vorlage für die Arbeit des Parlamentarischen Rates erarbeitete.

Plebiszit

Plebizit bedeutet Volksentscheid. Es ist eine Form der demokratischen Beteiligung der Staatsbürger. Dabei wird über politische Entscheidungen unmittelbar und direkt zwischen mehreren Alternativen abgestimmt. Dem gegenüber steht die repräsentative parlamentarische Demokratie, in der die Entscheidungsbefugnis auf die Abgeordneten in ihrer Gesamtheit übertragen wird.

Warum haben die Artikel in den Debatten manchmal andere Ziffern als später im GG?

Grundlage der Artikelnummerierung war die Zählung der Artikel im Entwurf von Herrenchiemsee. Ein Artikelentwurf behielt seine einmal festgelegte Nummer auch bei Streichungen, Hinzufügungen, Teilungen oder Zusammenfügungen von anderen Artikeln. Erst nach der 4. Lesung im Hauptausschuss am 5. Mai 1949 wurden alle Artikel neu durchgezählt.

Wer hat die Mitglieder des Parlamentarischen Rates ausgewählt?

Die 65 stimmberechtigten Abgeordneten des Parlamentarischen Rates wurden nach einem vorher festgelegten Schlüssel von und aus den Landesparlamenten der damals elf Bundesländer gewählt. Dazu kamen fünf Abgeordnete aus der Berliner Stadtverordnetenversammlung ohne Stimmrecht.

Protokoll-Debatten:
Theodor Heuss (FDP)Artus-Maria Matthiessen
Carlo Schmid (SPD)Bernhard Schütz
Friederike Nadig (SPD)Martina Gedeck
Elisabeth Selbert (SPD)Johanna Gastdorf
Konrad Adenauer (CDU)Hans-Gerd Kilbinger
Ludwig Bergsträsser (SPD)Wolf-Dietrich Sprenger
Fritz Eberhard (SPD)Ralf Drexler
Adolph Schönfelder / Otto Heinrich Greve / Hans Berger (SPD)Gerhard Garbers
Georg August Zinn / Willbald Mücke / Gustav Zimmermann (SPD)Oliver Reinhard
Heinrich von Brentano (SPD)Michael Wittenborn
Rudolf-Ernst Heiland (SPD)Valentin Stroh
Georg Diederichs / Hans Wunderlich / Walter Menzel (SPD)Ralf Harster
Adolf Süsterhenn (CDU)René Heinersdorff
Hermann von Mangoldt (CDU)Thomas Loibl
Helene Weber (CDU)Petra Welteroth
Lambert Lensing /Jakob Kaiser / Josef Schrage / Theophil Kaufmann (CDU)Felix Vörtler
Max Becker (CSU)Steffen Reuber
Carl Schröter (CDU)Josef Tratnik
Anton Pfeiffer (CSU) / Karl Sigmund Mayr / Walter Strauß (CDU)Stefan Viering
Gerhard Kroll (CSU)Daniel Berger
Hermann Schäfer / Thomas Dehler (FDP) / ReporterBernd Reheuser
Hans-Christoph Seebohm (DP)Axel Gottschick
Wilhelm Heile (DP)Hüseyin Michael Cirpici
Heinz Renner (KPD)Andreas Leopold Schadt
Hugo Paul (KPD)Mark Oliver Bögel
Helene Wessel (Zentrum)Judith Engel
Sprecher (Gesetzestexte+Kommentar)Kilian Land
Johannes Brockmann (Zentrum)Rainer Homann
Fiktive Figuren:
ECHOMarie Löcker
LOTJohanna Gastdorf
StimmenRegine Vergeen
Yvon Jansen
Janina Sachau
Frauke Poolman
Artus-Maria Matthiessen
Bernhard Schütz
Nadigs Geist Martina Gedeck
Wessels Geist Judith Engel
und andere

Bearbeitung: Philip Stegers und Benjamin Quabeck
Historische Beratung: Michael F. Feldkamp
Mitarbeit: Robert Haase und Jonas Nikolic
Besetzung: Stefan Cordes und Ulrich Korn
Regieassistenz: Sophie Garke, Katharina Schnell, Diana Djamadi, Stefan Cordes
Technische Realisation: Werner Jäger, Barbara Göbel, Benno Müller vom Hofe, Henning Jung, Jürgen Glosemeyer, Mechthild Austermann, Benedikt Bitzenhofer, Jeanette Wirtz-Fabian, Ulrike Wiebelitz, Jens Peter Hamacher, Barbara Göbel, Günter Kasper
Regie: Annette Kurth, Petra Feldhoff, Claudia Johanna Leist, Benjamin Quabeck, Thomas Leutzbach
Dramaturgie: Hannah Georgi und Martina Müller-Wallraf
Produktion: WDR/DLF/BR 2019 für die Hörspielprogramme der ARD

Stand: 18.04.2019, 18:30