Zwischen Mahnung und Mobilisierung

Zwischen Mahnung und Mobilisierung

Von Sabine Tenta

Noch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erinnern Tausende Denkmäler in NRW an die Toten. Je nachdem aus welcher Zeit sie stammen, haben sie unterschiedliche Inschriften und Intentionen.

Kriegsdenkmal in Düsseldorf, Reeser Platz, Nahaufnahme

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden häufig Denkmäler errichtet, die für den Zweiten Weltkrieg mobilisieren sollten. So zum Beispiel in Düsseldorf auf dem Reeser Platz unmittelbar neben dem Rheinufer. An seiner Stirnseite steht ein gewaltiges Monument aus dem Jahr 1939 mit der Inschrift: "Für des deutschen Volkes Ehre und Freiheit". Gefallene Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg stehen aus der Gruft auf und ziehen wild entschlossen erneut in den Krieg.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden häufig Denkmäler errichtet, die für den Zweiten Weltkrieg mobilisieren sollten. So zum Beispiel in Düsseldorf auf dem Reeser Platz unmittelbar neben dem Rheinufer. An seiner Stirnseite steht ein gewaltiges Monument aus dem Jahr 1939 mit der Inschrift: "Für des deutschen Volkes Ehre und Freiheit". Gefallene Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg stehen aus der Gruft auf und ziehen wild entschlossen erneut in den Krieg.

Dieses martialische Denkmal diente der Kriegsverherrlichung, der Platz davor wurde für Nazi-Aufmärsche genutzt. Heute findet sich am rechten Rand des Denkmals ein kleines Schild. Es droht angesichts der Wucht des Monuments unterzugehen, aber immerhin ordnet diese Tafel das Denkmal in einen historischen Kontext ein.

Auf der Tafel steht unter anderem: "Dieses Denkmal für das 39er Füsilierregiment wurde im Juli 1939 kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen eingeweiht. Es zeigt die Verherrlichung des Krieges durch die Nationalsozialisten." Derartige Informationen unmittelbar neben einem Kriegsdenkmal sind äußerst selten, erklärt Martin Dietzsch vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung.

Ebenfalls häufig zu beobachten ist, dass sich Denkmäler um Sinngebung bemühen, wie Martin Dietzsch erklärt: "Dem sinnlosen Tod im Weltkrieg musste nachträglich ein Sinn gegeben werden. Man hat diese Toten benutzt, um ein positives Kriegserlebnis zu vermitteln und dem Ganzen etwas Religiöses zu geben. Die Toten wurden zu Helden verklärt, denen die künftigen Generationen nacheifern und ihrerseits in den Tod ziehen sollten."

"In den Denkmälern gibt es einen Kanon von Symbolen. Dazu gehören der Stahlhelm, das Schwert und das eiserne Kreuz", erklärt Martin Dietzsch. "Das ist ein festes Repertoire, das immer wieder auftaucht."

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden häufig die bereits bestehenden Denkmäler für die Toten des Ersten Weltkriegs um zusätzliche Tafeln erweitert.

Bemerkenswert bei diesem Denkmal in Wachendorf (Kreis Euskirchen) ist, dass eine Verbindung zwischen dem Tod Christi und dem Sterben in den beiden Kriegen hergestellt wird. "Bei den Denkmälern, die in den 1950er und 1960er Jahren neu errichtet wurden, findet man stark diese religiöse Komponente."

"Im Kreuz ist Heil", heißt es auf diesem Kriegsdenkmal in Steinheim-Vinsebeck (Münsterland) und abgebildet ist neben dem Soldaten mit Stahlhelm nicht das eiserne Kreuz, sondern ein christliches.

Auf dem Mahnmal steht neben den Namen der Toten noch: "Unseren Helden". Diese offene Heldenverehrung verschwindet bei den nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Denkmälern. Stattdessen wird pauschal "der Opfer" gedacht. Martin Dietzsch erklärt: "Da werden die Opfer betrauert, aber wir waren alle Opfer. Es gibt keine Täter, es gibt keine Verantwortung, gemeint sind eigentlich auch nur die deutschen Opfer. Was die Deutschen in anderen Ländern angerichtet haben, wurde nicht thematisiert. Wir waren alle Opfer – das war der Grundtenor. Manchmal wird zusätzlich der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, aber noch nicht einmal das ist selbstverständlich."

Zu den wenigen dezidiert pazifistischen Denkmälern gehört dieses beeindruckende Beispiel aus Schwirzheim in der Eifel (Kreis Bitbürg-Prüm in Rheinland-Pfalz). Hier reichen sich ein deutscher und ein amerikanischer Soldat die Hand, hinter ihnen steht ein Friedensengel. Die Inschrift lautet heute: "Ehe aus Feinden Freunde werden konnten, starben in den beiden Weltkriegen" – gefolgt von Tafeln mit den Namen der Toten und Vermissten.

1989 wurde das Denkmal vor der Kirche versetzt, bei der Gelegenheit hat man auch den Text geändert. Der lautete ursprünglich bei der Einweihung des Denkmals im Jahr 1955: "Werden Feinde von gestern Freunde von morgen, dann sind diese Toten nicht umsonst gestorben." Die erste Inschrift war also deutlich um eine Sinngebung für den Tod der Soldaten bemüht, die neue lässt dies offen.

Auf dem Kaiserberg in Duisburg stehen gleich mehrere Denkmäler, die seit Jahren umstritten sind. Lesen Sie hier mehr zu den Kontroversen und dem kreativen Bürgerprotest:

Stand: 28.07.2014, 06:00 Uhr