Akte D – die Rentenlüge

Akte D – die Rentenlüge

Uwe Steinbach aus Hamburg will nicht mitansehen, wie Menschen in einer der reichsten Städte Europas Not leiden müssen. Deshalb engagiert sich der 70-Jährige bei der Kleiderkammer der Caritas. Hier können notleidende Menschen Jacken, Mützen und Schuhe fast umsonst bekommen. Uwe Steinbach hilft bei der Ausgabe und fährt die Spenden durch die Stadt. Dabei ist Uwe Steinbach selbst ein Sozialfall. Er bekommt um die 600 Euro Rente.

Der Staat stockt seine geringen Bezüge auf, damit er wenigstens nicht unter die Armutsgrenze rutschen muss. Ein Fall von Tausenden. 3 Prozent der Alten leben in Deutschland in Armut. Ihre Zahl wird sich vermutlich verdoppeln in den nächsten Jahrzehnten. Und diejenigen, die etwas mehr bekommen, müssen mit Kürzungen rechnen.

Frühe Lösungsansätze

Nach und nach enthüllt der Film, dass in der Tat viele Probleme hätten vermieden werden können. Von Anfang an hatte der Kölner Wilfrid Schreiber mögliche Schwierigkeiten vorhergesehen und Lösungen vorgeschlagen. Doch anstatt auf den Vater der großen Rentenreform zu hören, wurde immer wieder kurzfristig gedacht. Wahlversprechen sorgten allzu oft für falsche Entscheidungen, die im Laufe der Jahrzehnte die Rente immer weiter gefährdeten.

Wilfrid Schreiber warnte bereits 1957 vor der demographischen Entwicklung in Deutschland, nach der es immer mehr Alte geben würde und arbeitete Gegenmaßnahmen aus. Konrad Adenauer bügelte seine Berechnungen ab mit den Worten: „Kinder kriegen die Menschen immer!“ Es war die erste Fehleinschätzung – das erste Glied einer langen Kette von falschen Entscheidungen.

Ignorierte Warnungen

Der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester, SPD, dem die Aufzeichnungen zum ersten Mal vorlagen, gibt ehrlich zu:  „Er (Schreiber) hätte wahrscheinlich Recht gehabt, wenn wir nicht politische Entscheidungsträger hätten, die im zwei, drei oder höchstens vier Jahreszyklus solche Tatsachen durchsetzen, sondern auch unbequeme, notwendige, zwingende Veränderungen langfristig durchsetzen würden.“

Die Dokumentation geht der Frage konsequent nach und liefert auch für zukünftige Rentendiskussionen interessante Hintergründe. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Antworten Wilfrid Schreiber schon 1957 für Probleme von heute liefern konnte. Wirtschaftswissenschaftler Professor Althammer sagt dazu im Film: „Man kann sicherlich sagen, dass vieles von dem, was Wilfrid Schreiber in seinem sogenannten Schreiber-Plan niedergeschrieben hat, sozusagen eine Blaupause für das sein könnte, wonach man auch heute noch eine Rentenreform ausrichten kann.“

Ein Film von Tom Ockers
Redaktion: Thomas Kamp (WDR), Beate Schlanstein (WDR), Gerolf Karwath (SWR), Marc Brasse (SWR)

Stand: 12.01.2018, 15:19

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