KRIEGSKINDER – Augmented Reality Doku zum Zweiten Weltkrieg

KRIEGSKINDER – Augmented Reality Doku zum Zweiten Weltkrieg

Anne aus Köln, Vera aus London und Emma aus Leningrad, heute St. Petersburg, gehören zu den letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Als Kriegskinder erlebten sie Tod und Zerstörung. Dank neuester Augmented-Reality-Technologie können sie ihre eindringlichen Erinnerungen jetzt in privaten Wohnzimmern und Schulklassen schildern. Dadurch bleiben ihre berührenden Geschichten auch für künftige Generationen erhalten. Auf dem re:publica-Stand des WDR hatten User die Gelegenheit, sich die Zeitzeugenberichte via Tablet anzusehen.

Tod, Angst, Verzweiflung

Ob Deutschland, Russland oder England – ob Kriegsverursacher oder Angegriffene: Der Zweite Weltkrieg ist die Hölle vor allem für die Kinder, die Zerstörung, Tod, Flucht, Verzweiflung und der Angst der Eltern hilflos ausgesetzt sind. 70 Prozent von Köln werden im Krieg zerstört. Leningrad ist im Frühjahr '42 von 160.000 Leichen übersät, der Gestank ist bestialisch. In London brennen große Teile der Stadt, der Himmel leuchtet glutrot. Wie können Kinder sowas überstehen?

Wissenschaftler und Psychotherapeuten entdecken erst in den letzten Jahren, wie sehr die heute etwa 80-jährigen im Zweiten Weltkrieg traumatisiert wurden und wie sehr auch die nachfolgenden Generationen von diesen Erfahrungen geprägt sind, gezeichnet von Angst, geringem Selbstwertgefühl und Entwurzelung.

Die Hölle für Kinder

"Unterwegs im Westen" will mit AR erlebbar, spürbar und erfahrbar machen, was die Kinder von einst mit der Vernichtung ihrer Heimat und der Zerstörung ihrer Familien an drei unterschiedlichen Kriegsschauplätzen zu verkraften haben. Denn die Kriegskinder haben in besonderer Weise gelitten. Die deutschen Kinder hat man beispielsweise nie so richtig als Opfer angesehen. Waren sie nicht die Kinder der Täter, der Kriegsverursacher?

Das Leid der russischen Kinder interessierte in Deutschland nicht. Waren sie nicht die Kinder der russischen Soldaten, die marodierend durch die besiegte deutsche Heimat gezogen sind? Die Kinder in London haben nicht nur unter dem deutschen Bombenhagel gelitten. Sie wurden aufs Land gebracht, aus der Tod bringenden Stadt geschafft, aber dort waren sie oft einsam und isoliert. Evakuierte nannte man sie. Das prägt ein ganzes Leben.

Geschichten als Holografie

Drei Zeitzeugen aus Köln, Leningrad und London schildern, was jahrzehntelang verdrängt wurde. Computergenerierte Animationen in 3D lassen ihre Erzählungen lebendig werden - zum Anfassen nah und schockierend real.

Auf der re:publica 2018 präsentiert der WDR dieses innovative Projekt, das in dieser Form bisher einzigartig ist. Es entstand in Zusammenarbeit mit der Hochschule Düsseldorf und LAVAlabs Moving Images. Die kostenlose App wird im Januar 2019 für IOS-Geräte veröffentlicht.

Stand: 30.04.2018, 09:52

Unterwegs im Westen

Unsere Videos