FIFA-Kongress - Infantino ohne Bodenhaftung

Gianni Infantino (l.) und Wladimir Putin

Kommentar zur Vergabe der WM 2026 an die USA, Mexiko und Kanada

FIFA-Kongress - Infantino ohne Bodenhaftung

Von Robert Kempe (Moskau)

Der FIFA-Kongress und der Weg zur Vergabe der WM 2026 an die USA, Mexiko und Kanada unterstreicht, wie sehr Präsident Gianni Infantino die Bodenhaftung verloren hat.

Der FIFA-Kongress in Moskau, er war drehbuchreif, alles durchorchestriert. Alles geplant und durchgetaktet. Mit einem Ausgang, der vorhersehbar war.

Die USA, Kanada und Mexiko werden die WM 2026 ausrichten. Marokko erhielt am Mittwoch (13.06.2018) gerade einmal ein Drittel aller Stimmen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte alles dafür getan, dass es keine Überraschungen gibt: Änderung des Bewerbungsverfahrens oder die Einsetzung einer Evaluierungskommission mit engen Vertrauten.

Infantinos Ziele stehen über allem

Auch die Strafdrohungen von US-Präsident Donald Trump - sollten Länder erwägen, die amerikanische Bewerbung nicht zu unterstützen - per Tweet taten ihr Übriges. Eigentlich war das ein klarer Regelverstoß gegen FIFA-Statuten. Doch geht es um Infantinos Ziele, ist vieles biegsam. Infantino verspricht sich Rekordgewinne bei der WM 2026, die erste mit 48 Teams. Auch das köderte vor allem die kleineren Verbände in Afrika und Asien.

Denn im Vordergrund steht für Infantino der Machterhalt. Auch das wurde beim Kongress wieder einmal deutlich. Er betonte, bei seiner Übernahme sei die FIFA klinisch tot gewesen, nun sei sie am Leben und voller Leidenschaft. Wie diese Leidenschaft aussieht, zeigte sich bei der Stippvisite des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sein Einmarsch wurde von stehenden Ovationen des FIFA-Wahlvolks begleitet.

Liebeserklärung an Putin

Putin lobte Infantino für seinen kritiklosen Umgang mit Russland. Infantino folgte mit einer Liebeserklärung an ihn. Im Namen der gesamten Fußballwelt bedankte er sich aus dem tiefsten Herzen für Putins Engagement bei der WM, für das Gefühl, mit ihm in einem Team zu sein.

Menschenrechte? Politische Gefangene? Korruption? Nicht bezahlte Arbeiter? Bei Infantinos neu belebter leidenschaftlichen FIFA ist alles verhandelbar. Distanziert hat sich von Infantinos Anbiederung bisher kein Fußballverband.

Das Geld soll sprudeln

Warum auch? Denn in erster Linie geht es ums Geld. Und das soll laut Infantino sprudeln in den nächsten Jahren. Historisch seien die Zahlen, das Bankkonto werde wachsen, so der Schweizer. Wie das zustande kommen soll, ist selbst für Experten schwer nachvollziehbar.

Doch Geld beruhigt, vor allem im Fußball. Deswegen kann Infantino kritiklos und ungestört mit Parolen um sich schmeißen: Transparenz, höchste Integrität - die Vorbereitung für das Finale des Drehbuchs in Moskau. Infantino will weitermachen, stellt sich der Wiederwahl im Juni 2019. Ein FIFA-Präsident, der die Bodenhaftung verloren hat.

Stand: 13.06.2018, 20:03