Deutschland/Frankreich 2008

Séraphine

Deutschland/Frankreich 2008

Die unscheinbare Séraphine Louis arbeitet als Putzfrau im nordfranzösischen Senlis. Im Ort wird die kauzige 48-Jährige belächelt. Was niemand weiß: Nachts malt die tiefreligiöse Außenseiterin, einer Eingebung ihres Schutzengel folgend, wie besessen im Kerzenlicht Bilder. Die Farben für ihre eindrucksvollen Stillleben sucht sie aus ihrer Umgebung zusammen: Schlamm aus einem Flussbett, Lehm von einem Feld, Tierblut vom Metzger, Kirchenwachs vom Altar. Bei einem Frankreichurlaub entdeckt der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde 1912 ihr künstlerisches Talent.

Eine Szene aus dem Film "Séraphine"

Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) sieht, dass Séraphines (Yolande Moreau) Werk weiter Fortschritte gemacht hat.

Der als Entdecker von Pablo Picasso und Henri Rousseau bekannt gewordene Kunsthändler fördert die Autodidaktin, muss jedoch bei Kriegsausbruch Frankreich fluchtartig verlassen. 13 Jahre später trifft er Séraphine wieder und wird ihr Mentor und Agent. Bald erlangt die Malerin internationale Bekanntheit und verdient erstmals mit ihrer Kunst Geld. Doch nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise kann Uhde nur noch wenig für Séraphine tun, die nicht mit Geld haushalten kann. Es kommt zum Bruch, und die labile Künstlerin verfällt immer stärker in ihre Wahnvorstellungen. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie in einer Nervenheilanstalt.

Die 1864 im französischen Arsy (Oise) geborene Séraphine Louis gilt heute als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der naiven Malerei. Die 1942 verstorbene und in einem Massengrab beigesetzte Künstlerin war in der französischen Öffentlichkeit längst in Vergessenheit geraten, als Regisseur Martin Provost für seine sensible Künstlerbiografie zu recherchieren begann. In Frankreich wurde sein eindrucksvoller Film, der sich auf die Jahre 1912 bis 1932 konzentriert, ein überragender Kritiker- und Publikumserfolg und rückte die Kunst der "Séraphine de Senlis" neu in die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit.

Der mit der eindringlichen Yolande Moreau in der Hauptrolle und Ulrich Tukur als feinsinnigem Kunstfreund ausgezeichnet besetzte "Séraphine" wurde mit sieben Césars prämiert, u.a. für den besten Film, die beste Regie (Martin Provost), die beste Kamera (Laurent Brunet). Die in Brüssel geborene Yolande Moreau ("Louise Hires a Contract Killer") erhielt die begehrte Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin und war ebenfalls für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Stab:
Regie: Martin Provost
Buch: Martin Provost, Marc Abdelnour
Kamera: Laurent Brunet
Musik: Michael Galasso

Darsteller:
Séraphine (Yolande Moreau)
Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur)
Anne Marie (Anne Bennent)

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