Mahlzeit, NRW! - Von Armen Rittern bis zum Sonntagsbraten

Gaby Brüggemann zeigt einen Teller mit Blutwurst, Steckrübe und Kartoffeln

Mahlzeit, NRW! - Von Armen Rittern bis zum Sonntagsbraten

Die traditionelle Küche Nordrhein-Westfalens war schon immer einfach - und sollte vor allem satt machen. Die Zutaten kamen aus dem Stall und vom Acker: Kartoffeln, Eier, Speck und Schinken. Es waren Gerichte für Menschen, die viel und hart arbeiten mussten.

Sternekoch Björn Freitag vor einem dampfenden Kochtopf

Restaurantbesitzer, Buchautor und Spitzenkoch: Björn Freitag zeigt, wie man Küchenklassiker modern zubereiten kann.

In den 50er und 60er Jahren kam die Abwechslung: Arbeitskräfte aus Italien, Spanien, Jugoslawien und Japan brachten ihre Küche mit in die nordrhein-westfälischen Industriezentren. Pizza, Pasta und Paella statt Potthast und Puckert. Plötzlich konnte man sich in Düsseldorfs Restaurants auf kulinarische Weltreise begeben.

Erbsen aus der Dose und Toast Hawaii

In den 50er und 60er Jahren kam die Abwechslung: fette Jahre mit fettem Essen. Zudem brachten Arbeitskräfte aus Italien, Spanien, Jugoslawien und Japan ihre Küche mit in die Städte. Die Rheinländer und Westfalen lernten völlig neue Geschmacksrichtungen kennen: Pizza und Paella statt Potthast und Puckert. Allein in Düsseldorfs Restaurants konnte man sich auf kulinarische Weltreise begeben.

Foto aus den sechziger Jahren mit einer Familie beim Abendessen

Die 60er Jahre: Auch die berufstätige Frau hat das Essen auf den Tisch zu bringen.

Daneben entwickelte sich in den 60er Jahren die schnelle Küche: Fertiggerichte eroberten den Haushalt. Essen aus der Dose und Tiefkühlgerichte sollten das Kochen erleichtern. Denn mit der Emanzipation der Frau verließen die Mütter den Herd und wurden berufstätig. Dennoch hatten sie das Essen auf den Tisch zu bringen - und überraschten die Familie mit exotischen Kreationen wie dem Toast Hawaii.

Fast Food in Köln – "Öko" in der Eifel

Eine Currywurst mit Holzgabel

Die 70er Jahre: Fastfood ist auf dem Vormarsch und die Currywurst erlangte ihren Kultstatus als Klassiker aus dem Ruhrgebiet.

In den 1970er Jahren nahm das Essen Fahrt auf: Es wurde nicht nur schnell gekocht, sondern auch schnell gegessen. Mit der neuen Imbiss- und Fastfood-Kultur war das Essen ständig verfügbar. Im Ruhrgebiet erlangte "Curry Heini" dank seiner legendären Currysauce Kultstatus, und in Köln eröffnete der erste McDonald`s.

Die Gegenbewegung zum Fastfood ließ nicht lange auf sich warten. In der Eifel fanden sich Aussteiger in Wohngemeinschaften auf alten Höfen, um die Natur wieder so zu erleben wie zu Großelterns Zeiten. Essen hatte auf einmal auch mit Moral zu tun. Die Öko- und Tofuwelle war geboren.

Essen wie bei Muttern

Blutwurststücke und Zwiebeln auf Püree in der Pfanne angerichtet

Himmel un Ääd: Bei dem Klassiker aus Kartoffelpüree und Apfelmus darf die Blutwurst nicht fehlen.

Die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen führt die Nordrhein-Westfalen auch heute zurück in die Region. Eigenes Gemüse im Schrebergarten anbauen - das ist bei jungen Leuten wieder im Trend. Knapp 70 Jahre nach Kriegsende landet Fleisch wieder seltener auf den Tellern und sogar die Steckrübe feiert ihr Revival. Einfache klassische Gerichte wie bei Muttern sind gefragt. Nach Jahren der mediterranen oder asiatischen Küche besinnen sich die Nordrhein-Westfalen auch wieder auf Pickert, Potthast, Stielmus und Sauerbraten.

"Mahlzeit, NRW!" ist eine kulinarische Zeitreise durchs Land. Hausfrauen und Profiköche wie WDR-"Vorkoster" Björn Freitag entdecken ihre Lieblingsgerichte aus 70 Jahren NRW wieder und lassen mit historischen Filmaufnahmen persönliche Erinnerungen lebendig werden: Warum war die Steckrübe lange verhasst, was gehört in die Sauerbraten-Soße und wie schmeckte die erste Pizza?

Ein Film von Ulrike Brincker und Lothar Schröder
Redaktion: Christiane Mausbach

Stand: 22.10.2018, 12:38

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