Heimatabend Wuppertal - Enges Tal, große Ideen

Eine Schwebebahn fährt in Wuppertal am Opernhaus vorbei

Heimatabend Wuppertal - Enges Tal, große Ideen

2019 feiert Wuppertal seinen 90. Geburtstag. Schauspieler Christoph Maria Herbst erzählt die bunte und wechselvolle Geschichte seiner Heimatstadt – mit ihren berühmten Wahrzeichen, ihren Menschen und ihrem Erfindungsreichtum.

Wuppertaler müssen straffe Waden haben. In ein enges Tal mit Fluss gebaut, lässt sich die Stadt nur über kurvige Straßen und steile Treppen bezwingen - und per Schwebebahn. Keine andere Stadt hat so ein maßgeschneidertes Verkehrsmittel entwickelt.

Ein glanzvoller Beginn

Dieser Einfallsreichtum ist typisch für Wuppertal: "Die Wuppertaler wissen, wie man sich selbst hilft. In unserer Stadt entsteht vieles durch Bürgerengagement", sagt Martin Heuwold, gebürtiger Wuppertaler und Graffiti-Künstler. Als die Stadt am 1. August 1929 gegründet wurde, musste ein gemeinsamer Name für den Zusammenschluss der vielen Orte gefunden werden.

Die Stadthalle Wuppertal bei Nacht

Prachtvoll: Der Blick auf den wilhelminischen Bau der Historischen Stadthalle.

Es war keine Liebesheirat: Vor allem Elberfeld und Barmen, die feine Handelsmetropole und die laute Malocherstadt, wollten eigentlich nicht zueinander kommen. "Elbbarmen" wurde als Stadtname dann auch ebenso verworfen wie "Großwupp". Und so dauerte es ein halbes Jahr, bis die Stadt dann am 1. Januar 1930 die Stadt den Namen Wuppertal bekam.

Es war ein glanzvoller Beginn, denn Wuppertal gehörte von Anfang an zu den größten und schönsten Städten im Deutschen Reich. Doch schon bald galt sie auch als rheinische Hochburg der NSDAP – trotz des Widerstandes von Gewerkschaften und Kirchen.

Alle packen mit an

An die Zerstörungen und die Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre erinnern sich die Wuppertaler bis heute. Aber auch an den Mut und die Tatkraft, das Zerstörte wieder aufzubauen. "Alle haben mit angepackt und gearbeitet, auch wir Kinder", erinnert sich die Schauspielerin Lore Duwe.

Die Stadt Wuppertal aus der Luft fotografiert

Der Blick von oben: Die Stadt mit dem Hauptbahnhof und der Historischen Stadthalle.

Ende der 60er Jahre entstand in Sonnborn das damals modernste Autobahnkreuz Deutschlands. "Das hätten wir später nie wieder so gemacht, aber damals wollten alle die autogerechte Stadt", erinnert sich Ursula Kraus, die 1984 bis 1996 Oberbürgermeisterin in Wuppertal war. Und auch ganz normale Bürger packten an, um die Stadt wieder auf Vordermann zu bringen – das ist bis heute. So bauten Bürger eine ehemalige Bahntrasse zu einem spektakulären Radweg um.

Immer wieder erfindet sich die Stadt neu

In den 70er Jahren wurde Wuppertal – damals schwer durch die Arbeitslosigkeit gebeutelt -  zum Zentrum des modernen Tanzes. Pina Bausch revolutionierte mit ihrem Tanztheater von hier aus die Ballettwelt. Heute ist Wuppertal kurz davor, sich – wieder einmal – neu zu erfinden. Die Kassen der Stadt sind leer, doch die Wuppertaler feiern Bürgerfeste, gründen eine Denkfabrik und veranstalten Kino- und Theaterevents. Und wieder einmal ist Wuppertal weiter, als viele denken. Es wird höchste Zeit, diese unterschätzte Stadt neu zu entdecken!

Filmemacherin Marika Liebsch und Cutter Janis Tarut

Filmemacherin Marika Liebsch und Cutter Janis Tarut arbeiten am Schnitt des Heimatabends Wuppertal.

Die Filmemacherin Marika Liebsch hat alte und junge Wuppertaler getroffen und ist mit ihnen durch ihre Stadt gestreift. Neben zahlreichen bewegenden persönlichen Geschichten ist sie dabei auch auf zum Teil noch nie gezeigte Archivaufnahmen der Stadt gestoßen, die in der Dokumentation zu sehen sind.

Mit den Wuppertalern Kurt A. Rosenberger, Lore Duwe, Martin Heuwold, Ursula Kraus, Tanya Stewner und Michael Okroy.

Ein Film von Marika Liebsch
Mitarbeit: Wolfram Lumpe
Redaktion: Monika Pohl

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