Buchtipp: "Der rote Swimmingpool"

Buchtipps vom 19.07.2018

Buchtipp: "Der rote Swimmingpool"

Von Christine Westermann

Titel: Der rote Swimmingpool
Autor: Natalie Buchholz
Verlag: Hanser Berlin
ISBN-10: 3-446-25909-0
ISBN-13: 978-3-446-25909-6

Die Autorin

Die Autorin ist knapp über vierzig, war/ist Lektorin. Natalie Buchholz hat also Ahnung, wie man eine gute Geschichte baut und dann schreibt. Der rote Swimmingpool ist ihr erstes Buch. Und hoffentlich nicht das letzte.

Die Handlung

Die Handlung: ein Swimmingpool, gebaut aus Liebe für eine schöne Frau. Die kommt aus Frankreich, und damit seine Frau das Mittelmeer in München nicht allzu sehr vermisst, baut ihr der Ehemann einen knallroten Pool in den großen Garten. Die beiden sind das perfekte Paar, die perfekten Eltern, für Adam, den halbwüchsigen Sohn. Adam ist stolz auf seine Eltern, sie sind anders als andere. Anders als die Eltern seiner Freunde zum Beispiel, die sich nur noch streiten oder sich gleich scheiden lassen. Als Adams Vater nach einer Dienstreise zurückkommt, scheint er verändert. Wochen später verlässt er die Frau, den Sohn, das Haus mit dem Swimmingpool. Es gibt eine andere Frau, andere Kinder. Vom Sohn um Erklärungen gebeten, schweigt der Vater beharrlich, lässt ihn nicht an sich heran. Auch die Mutter sagt nicht, was los ist. Und Adam, der alles um sich herum einstürzen sieht, tut etwas, das er besser gelassen hätte. Etwas, das ihm wegen der Schwere der Tat eine Strafe des Jugendgerichts einbringt: 120 Stunden, die er in der Altenpflege ableisten muss.

Die Bewertung

Liest man die grobe Inhaltsbeschreibung, könnte man leicht den Eindruck von Erdenschwere bekommen. Eine Ehe löst sich auf, keiner will darüber reden, die stille Verzweiflung des Sohnes entlädt sich schließlich in einer unkontrollierten Aktion, die ihm ein Gerichtsverfahren samt Strafe einbringt. So weit richtig, nur erdenschwer ist das alles kein bisschen. Diesen Roman zeichnet eine hinreißende Leichtigkeit aus. Eine Sommergeschichte über eine Liebe, die zerbricht, und über eine, die ganz vorsichtig zu wachsen beginnt. Das ist nie sentimental oder tränendrüsig, wird stets getragen von einer sachten Spannung. Was Adams Familie widerfährt, wird im Wechsel erzählt: im Rückblick und in der Gegenwart. Dadurch dauert es eine Weile, bis all die Teile des Familienpuzzles an den richtigen Stellen sind, man das Gesamtbild erkennen kann. Dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, das wird einem schnell klar. Aber wie sich die Ehegeschichte dann am Ende darstellt und auflöst, ist überraschend. Und doch auch wieder nicht. Kraftvoll und irgendwie anziehend fand ich schon mal gleich den Umschlag, als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hatte. Was der Umschlag verspricht, das hält der Roman allemal.

Stand: 20.07.2018, 00:10

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