Was hilft wirklich gegen Pollen?

Birkenblätter und -blüten, im Hintergrund eine Person, die sich die Nase putzt

Mythos und Wirklichkeit

Was hilft wirklich gegen Pollen?

Jetzt geht's wieder los: Augentränen, Niesen, Schnupfen. In Deutschland leiden etwa 17 Millionen Menschen unter Heuschnupfen. Doch was hilft da wirklich - und was ist nur Mythos? Behauptungen auf dem Prüfstand.

1. Nach der Desensibilisierung ist die Allergie weg.

Das stimmt - zumindest für die meisten. Nach einer Desensibilisierung (auch Hyposensibilisierung) ist die Pollenallergie bei acht von zehn Patienten besser oder weg, sagen Studien. Bei der Therapie werden über mehrere Jahre regelmäßig geringe Mengen des Allergens verabreicht. Das Immunsystem gewöhnt sich so langsam daran - und bekämpft später nicht mehr mit einer verstärkten Abwehrreaktion.

2. Medikamente gegen Heuschnupfen machen müde.

Stimmt nur noch bedingt. Antihistaminika sind Wirkstoffe, die Effekte der körpereigenen Substanz Histamin aufheben - denn Histamin lässt die Nase laufen, jucken und niesen. Dass Antihistaminika müde gemacht haben, war früher eine Nebenwirkung. Der Wirkstoff wurde immer weiter verbessert, Medikamente der jüngeren Generation machen nicht mehr oder fast nicht mehr müde.

3. Mit Honig kann man sich selbst desensibilisieren.

Honig läuft aus einer Honigschleuder heraus.

Beim Honig kommt es auch auf die Zeit der Schleuderung an

Stimmt unter Umständen. Viele Mediziner sehen das kritisch. Unterstützer argumentieren so: Honig enthält geringe Mengen an Blütenpollen. Wer ihn verzehrt, trainiert das Immunsystem ähnlich wie bei einer schulmedizinischen Desensibilierung. Allerdings funktioniert das nur, wenn der Honig von Bienen aus der Region produziert wurde - und die Pollen drin sind, gegen die man allergisch ist. Außerdem kommt es darauf an, wann der Honig geschleudert wurde. Wer auf Frühblüher reagiert, sollte es mit Honig versuchen, der im April/Mai geschleudert wurde, wer im Sommer unter Heuschnupfen leidet, mit dem aus der Herbstschleuderung.

4. In der Stadt sind die Pollen aggressiver.

Stimmt. Einer der Gründe dafür: Der Feinstaub in der Stadt verstärkt Beschwerden. Denn Feinstaub macht Pollen aggressiver. Das haben Wissenschaftler der TU München herausgefunden. Birkenpollen in Kombination mit winzigen Feinstaub-Partikeln etwa setzen viel mehr Allergene frei als unbelastete Birkenpollen.

5. Auf dem Land sollte man abends lüften, in der Stadt morgens.

Stimmt. Denn auf dem Land ist die Pollenkonzentration in den Morgenstunden am höchsten, in der Stadt am Abend. Der Grund: Pollen werden vermehrt in den Morgenstunden bis zur Mittagszeit abgegeben und steigen dann im ländlichen Raum in höhere Luftschichten auf, erklären die Experten vom Deutschen Allergie und Asthmabund (DAAB). In den Abendstunden senken sich die Pollen dann über Stadtgebieten ab - und führen dann da zu stärkeren Reaktionen.

6. Der Klimawandel macht es schlimmer.

Stimmt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass aufgrund des wärmer werdenden Klimas mehr Pollen fliegen und auch Pollen von Pflanzen, die früher nicht in Deutschland heimisch waren. Dazu gehören zum Beispiel Pollen des Glaskrauts oder der Ambrosia-Pflanze. Ambrosia-Pollen verursachen starke Beschwerden, weil Ambrosia viele Pollen freisetzt - und diese Pollen sehr klein sind und tief in die Lunge eindringen können.

7. Im Winter gibt es keine Pollen-Allergie.

Stimmt nicht. Denn der Klimawandel sorgt auch dafür, dass die Pollenflugzeit länger dauert und früher wieder anfängt. So ist laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) möglich, dass im November die letzen Gräser- und Brennesselpollen fliegen und im Dezember schon die ersten Haselnusspollen.

8. Nach dem Regen ist die Pollenbelastung geringer.

Stimmt. Denn der Regen reinigt die Luft von Schwebpartikeln - und damit auch von Pollen. Aber aufgepasst: Kurz nach Regenbeginn erhöht sich die Pollenkonzentration der Pollen zuerst, weil der Regen in dieser ersten Phase die Pollen aus den oberen in die unteren Luftschichten bringt. Erst nach circa einer halben Stunde sind auch die unteren Schichten "reingewaschen".

9. Wie der Vater so der Sohn.

Stimmt häufig. Wenn Vater oder Mutter an einer Allergie leiden, ist auch jedes dritte Kind gefährdet. Bei zwei allergischen Elternteilen steigt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 60 Prozent. Wissenschaftler vermuten aber zum Beispiel auch einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Krankheitserregern und der massiven Zunahme von Allergien in industrialisierten Ländern in den vergangenen Jahrzehnten.

10. Wer die Pollenallergie nicht behandelt, bekommt Asthma.

Stimmt unter Umständen. Wenn die Beschwerden nicht mehr nur auf Augen und Nasen begrenzt sind, sprechen Experten von einem "Etagenwechsel". Eine Ursache ist, dass viele Heuschnupfen-Patienten ihre Beschwerden nicht ernst nehmen und die Beteiligung der Lunge übersehen. Etwa 70 Prozent der Pollenallergiker werden nicht richtig behandelt, sagen Experten des Allergie-Centrums Ruhr (ACR) an der Ruhr-Uni Bochum.

11. Zigarettenqualm macht die Allergie schlimmer.

Stimmt. Denn wie jeder Schadstoff in der Luft reizt auch der Qualm von Zigaretten die Atemwege. Das verstärkt die Allergie. Das gilt übrigens auch für Kosmetika wie Haarsprays und Deos.

12. Brille tragen ist besser als Kontaktlinsen.

Stimmt. Denn die Pollenallergie reizt auch die Bindehaut, die Augen werden rot und jucken. Das kann in Kombination mit Kontaktlinsen unangenehm werden. Außerdem haben Brillengläser den Vorteil, dass sie Pollen von den Augen fernhalten.

13. Man kann sich beraten lassen.

Stimmt. Am Wochenende (18. und 19.04.2015) gibt es einen Allergikerkongress mit Patientenberatung in Düsseldorf. Außerdem helfen zum Beispiel der Deutsche Allergie- und Asthmabund und das Allergie-Centrum Ruhr (ACR) der Ruhr-Universität Bochum.

Stand: 14.04.2015, 14:30

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