Vegane Ernährung für Kinder - verantwortungslos?

Vegane Ernährung für Kinder - verantwortungslos?

Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren, sollten bestraft werden, fordert eine italienische Politikerin. Deutsche Ernährungsexperten raten wegen hoher Gesundheitsrisiken davon ab. Es könne aber funktionieren, wenn man bestimmte Regeln beachtet.

Säuglinge, Kleinkinder und Kinder - für sie ist vegane Ernährung besonders heikel. Sie brauchen besonders nährstoffhaltige Nahrungsmittel während des Wachstums. Und sie können nur sehr bedingt Nährstoffe auf Vorrat speichern. Bekommen sie keine tierischen Nahrungsmittel, droht vor allem eine Unterversorgung mit Energie, Protein, Eisen, Kalzium, Jod, Zink, Vitamin B2, Vitamin B12, Vitamin D und langkettigen n-3 Fettsäuren.

Auch für Schwangere und stillende Mütter ist vegane Ernährung bedenklich. Über ihre Ernährung werden schließlich Fötus und Baby versorgt. Auch für Jugendliche und ältere Menschen ist eine gesunde vegane Ernährung schwierig.

Gesunde vegane Ernährung braucht Wissen und Verantwortung

Vegetarische Ernährung, also ohne Fleisch ohne und Fisch, aber mit Eiern und Milchprodukten (ovo-lactisch), ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Kinder ok. Eine rein pflanzliche Ernährung, bei der komplett auf tierische Produkte bis hin zum Honig verzichtet wird, hält die DGE für alle Kinder für ungeeignet. Das Gesundheitsrisiko ist zu groß. Man muss sich schon sehr gut informieren und auskennen, die Ernährung entsprechend streng gestalten und regelmäßig vom Arzt kontrollieren lassen, ob die Nährstoffversorgung stimmt. Einfach so, geht es nicht.

Und darauf sollte Schwangere, Stillende und Eltern unbedingt achten:

1. Energie und Proteine

Ernährt sich die Mutter vegan, kann die Muttermilch zu wenig Energie, Lactose, Fett und Protein enthalten. Mögliche Folgen: unter anderem verzögertes Wachstum und höhere Anfälligkeit für Infekte beim Baby. Eine gute Alternative ist hier die industriell hergestellte Muttermilchersatznahrung, die alles enthält, was das Baby braucht. Vegetarische Ersatzerzeugnisse wie Mandelmilch, Sojagetränke und Ähnliches "sind nicht auf die speziellen Nährstoffbedürfnisse des Säuglings abgestimmt und daher völlig ungeeignet", so die DGE.

Einkaufen im Verganer-Markt

Beim Einkauf muss auf Vieles geachtet werden

Bei Kindern kommt es darauf an, verschiedene Proteinquellen so miteinander zu kombinieren, dass ausreichend Aminosäuren und Stickstoff aufgenommen werden. Problematisch ist die geringere Wertigkeit von pflanzlichen Proteinen gegenüber den tierischen. Die Wertigkeit drückt aus, mit welcher Effizienz ein aufgenommenes Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umgesetzt werden kann. Ob der erhöhte Bedarf an unentbehrlichen Aminosäuren besonders in Wachstumsphasen mit rein pflanzlicher Nahrung gedeckt werden kann, ist umstritten.

2. Eisen

Fehlt Eisen, können Anämie (das Blut transportiert nicht genug Sauerstoff) oder sogar eine Beeinträchtigung des Verhaltens sowie der psychomotorischen Entwicklung die Folge sein. Um einen Eisenmangel beim Kind zu verhindern, empfiehlt die ESPGHAN:

- ausschließliches Stillen bis zum sechsten Monat beziehungsweise Verwendung eisenangereicherter Formulanahrungen

- Zufuhr eisenreicher Beikost

Da Eisen aus pflanzlicher Kost nicht so gut vom Körper aufgenommen werden kann wie aus tierischer, sollte man die Lebensmittel so kombinieren, dass die Aufnahme optimiert wird. Das geht mit Vitamin-C-haltigen Nahrungsmitteln, zum Beispiel Orangensaft. Und Vorsicht: Es gibt auch Eisenräuber, zum Beispiel Spinat und phosphathaltige Limonaden.

3. Kalzium

Stillleben mit Kohlsorten, Apfel, Peperoni, Sauerkraut.

Kohl ist reich an Vitaminen, Calcium und Co.

Meistens ist bei veganer Ernährung die Kalziumzufuhr zu gering. Untersuchungen, welche Auswirkungen die deutlich niedrigeren Mineralstoffgehalte der Knochen auf die Knochengesundheit hat, gibt es bisher nur unzureichend. Veganern empfiehlt die American Dietic Association mit Kalzium angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel.

4. Jod

Schwangeren und Stillenden wird ohnehin empfohlen, zusätzlich Jod zu sich zu nehmen, denn bei Jodmangel besteht die Gefahr des Kretinismus, einer Entwicklungsstörung, die sich unter anderem in einer verzögerten geistigen Entwicklung ausdrückt.

Nach dem Stillen kann mit Jod angereicherter Breikost und später angereicherten Lebensmitteln ein Jodmangel verhindert werden.

5. Zink

Zink kann je nach Bedarf (Kontrolle durch einen Arzt) extra eingenommen werden.

6. Vitamin B12

Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Während jedoch Erwachsene mit der Leber über eine relativ großen Speicher verfügen und Mangelerscheinungen erst nach Jahren auftreten, verfügen Babys nur über eine geringe Speicherpapazität.

Bei Stillenden spielen diese Speicher allerdings keine große Rolle, sodass während Schwangerschaft und Stillzeit eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr unbedingt nötig ist. Mögliche Folgen eines B12-Mangels beim Kind: Störungen der Blutbildung, verzögerte körperliche Entwicklung und schwere, teilweise irreversible neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Krampfanfälle, Lethargie, Verlust von Hirnsubstanz, verzögerte und rückschreitende Entwicklung. Die American Dietetic Association empfiehlt mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmittel.

7. Vitamin D

Vitamin-D-Mangel kann die Knochenerkrankung Rachitis und Hypocalcämie, einen zu geringen Kalziumspiegel im Blut mit Krämpfen als Folge verursachen. Die DGE empfiehlt unabhängig von der Art der Ernährung die Gabe von Vitamin-D-Präparaten.

8. langkettige n-3 Fettsäuren

Vor allem die Zufuhr von den langkettigen n-3 Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) ist bei veganer Ernährung deutlich geringer als bei Mischköstlern. Ob das Folgen für die neurologische Entwicklung von Säuglingen hat, ist noch nicht geklärt. Allerdings gibt es Hinweise auf eine vorteilhafte Entwicklung bei ausreichender Zufuhr.

- Schwangere und Stillende sollten daher durchschnittlich täglich mindestens 200 mg DHA zuführen

- Muttermilchersatznahrung sollte mit langkettigen n-3 Fettsäuren angereichert sein

9. Regelmäßige Kontrolle durch den Arzt

So sehr man sich auch mit veganer Ernährung auskennt und glaubt, alles richtig zu machen: Die Sicherheit des Kindes geht vor. Ein regelmäßiges Blutbild beim Arzt schafft Sicherheit und bietet die Möglichkeit, bei Fehlernährung rechtszeitig gegenzusteuern.

Stand: 13.08.2016, 14:26