ICE überfüllt, Polizei greift ein

Überfüllte Züge wegen Bahnstreiks

ICE überfüllt, Polizei greift ein

Im ganzen Land bleiben seit Tagen die Bahnsteige wegen des GDL-Streiks meistens leer. Wenn dann doch ein Zug fährt, dann ist schnell die Hölle los. In Stuttgart wollten am Freitagnachmittag (08.05.2015) so viele Menschen in den ICE über Köln nach Dortmund, dass der Zug mit Polizeiunterstützung geräumt wurde.

Kaum dass Christian Laskawi sich mühsam ein paar Zentimeter Platz in dem Abteil erkämpft hatte, war seine Reise nach Düsseldorf schon wieder vorbei. Denn der ICE in Richtung Dortmund, der eigentlich schon längst vom Hauptbahnhof Stuttgart abgefahren sein sollte, blieb am Bahnsteig stehen. Stattdessen gab es: Durchsagen - zunächst freundliche, dann immer drängendere. Der Lokführer weigerte sich, mit den völlig überfüllten Waggons im Schlepptau loszufahren, auch aus Sicherheitsgründen.

Drei Mal baten die Schaffner die Passagiere ohne Platzreservierung mit Nachdruck, doch Platz zu machen und auf einen späteren Zug auszuweichen. Angesichts des dünnen Ersatzfahrplans weigerten sich die meisten, ihre wenigen Zentimeter Beförderungsfläche freiwillig aufzugeben.

Stress und Adrenalin in der Luft

Schließlich wurde es den Bahnmitarbeitern zu bunt, erzählte Laskawi der Aktuellen Stunde. Die Zugbegleiter forderten Unterstützung der Bundespolizei an. Rund sechs Beamte begleiteten die Schaffner auf ihrer Runde durch den Zug. Wer keine Platzreservierung vorweisen konnte, der wurde höflich aber bestimmt hinauskomplimentiert. Laskawi schaute sich das alles vom Bahnsteig aus an. Er war bereits freiwillig ausgestiegen, erzählt er. Nicht unbedingt im Vertrauen darauf, dass er bestimmt mit dem nächsten Zug fahren kann. Eher, weil die Luft in den Waggons zu diesem Zeitpunkt schon so aufgehitzt war, dass er die Melange aus Stress und Adrenalin nicht länger ertragen wollte.

"Gemüter schon erhitzt"

"Die Gemüter waren schon extrem erhitzt", erinnert sich ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber der Aktuellen Stunde. Seine Kollegen hätten aber nicht handgreiflich werden müssen. "Wir sollten einfach dafür sorgen, dass es keine Übergriffe gab. Weder gegenüber den Schaffnern noch unter den Fahrgästen selbst." Insgesamt sei die Bundespolizei am Freitag zwei Mal wegen überfüllter Züge zur Hilfe gerufen worden. Auch bei der Bahn kann man an dem Vorfall nichts ungewöhnliches erkennen. Bei zu vollen Zügen könne sich der Bremsweg gefährlich verlängern, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage. Entweder würde geräumt oder der Zug könne gar nicht losfahren.

Christian Laskawi hat es dann doch geschafft - einige Stunden später als geplant saß er in einem Zug nach Düsseldorf.

Stand: 08.05.2015, 18:19