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Sprechen statt tippen

Stand: 28.08.2015, 15:15 Uhr

Tablets und Smartphones bequem per Sprachassistent bedienen: Apple, Microsoft und Google arbeiten an Lösungen, die uns verstehen sollen. Aber was taugen Sprachassistenten in der Praxis? Netzkenner Jörg Schieb hat die Infos im Überblick.

Smartphone einschalten, Mikrofon aktivieren, reden: So einfach funktionieren Sprachassistenten in Smartphones und Tablets – theoretisch. Siri heißt die Assistentin in Apple-Geräten. Windows-Benutzern steht Cortana zur Seite – seit Windows 10 auch am PC. Und unter Android hört Google Now aufs Wort und soll einem jeden Wunsch erfüllen.

Zwischen Werbung und Realität

Zumindest in der Werbung sieht das klasse aus: Da klappt alles reibungslos. Mit der Realität hat das aber nicht sonderlich viel zu tun. Sprachassistenten können heute zwar schon so manches, sind aber wahrlich keine Allround-Genies. Wir haben mit allen drei Systemen den Praxistest gemacht. Für kleinere Aufgaben taugen die Sprachassistenten von Apple, Microsoft und Google durchaus schon. Wenn man deutlich spricht, die Umgebungsgeräusche nicht zu laut sind und man auch die richtigen Kommandos verwendet.

Man kann beim Joggen eine SMS diktieren – das klappt in der Regel, wenn auch nicht fehlerfrei. Auch simple Alltagsfragen funktionieren noch ganz gut. Zum Beispiel, wenn ich frage: "Wie wird morgen das Wetter?" Oder wenn man wissen will, was es im Kino gibt.

So gehen die Assistenten meistens vor

Nur in wenigen Fällen antworten sie konkret. In der Regel starten sie eine Suchanfrage im Web und zeigen das Ergebnis. So hat man sich die Eingabe über Tastatur erspart. Besonders populäre Fragen werden besser verstanden – und auch beantwortet.

Experten haben den Assistenten in einem ausführlichen Test verschiedene Fragen gestellt. Von einem eher simplen "Wie spät ist es?" bis zu "Zeige mir ein Rezept für Eierkuchen". Typische Fragen aus dem Alltag. Doch viele Fragen wurden gar nicht verstanden. Nur wenige richtig beantwortet. Eher selten machen die Assistenten das, was man von ihnen erwarten könnte.

Noch am besten schneidet Siri von Apple ab, gefolgt von Google Now und Cortana. Mehr als eine nette Spielerei sind die Sprachassistenten bislang also noch nicht. Auch wenn sie schon manches können. Aber man verbringt doch viel Zeit damit herauszufinden, was sie können – und was eben nicht. Wenn man genau weiß, was sie können, dann können sie auch schon mal hilfreich sein.

Googlen per Sprachbefehl

Was viele nicht wissen: Auch die Suchmaschine Google lässt sich per Sprache steuern, zumindest ein bisschen. Dazu braucht man allerdings den Chrome-Browser von Google. Man klickt dazu einfach auf das kleine Mikrosymbol neben dem Eingabefeld in der Google-Suchmaske – und spricht die Anfrage ins Mikro. Einfache Anfragen werden von Google sogar beantwortet – auch mit Sprachausgabe. Der Sprachassistent in Google ist zwar bei weitem nicht so leistungsfähig wie Siri oder Cortana, aber für einfache Suchanfragen ganz okay. Vor allem spart man sich das Tippen.

Ohne Internetverbindung geht nichts

Wichtig zu wissen: Die Sprachassistenten brauchen ausnahmslos eine Internetverbindung. Jedes gesprochene Wort wird zur Analyse an spezielle Server geschickt. Die Smartphones und Tablets wären damit überfordert, uns zu verstehen. Wenn man aber gerade keine Internetverbindung hat, passiert nichts.

Immerhin: Über einen gewissen Humor verfügen alle Assistenten. Stellt man ihnen mehr oder weniger persönliche Fragen, antworten sie darauf mit Witz und Charme. Bis solche Assistenten eine wirklich große Hilfe sind und alles verstehen, wird aber noch eine Menge Zeit vergehen.