Braunkohletagebau soll lahmgelegt werden

Mehr als 1.200 Menschen Umweltaktivisten aus der ganzen Welt nehmen am diesjährigen Klimacamp in Nähe des Braunkohlentagebaus Garzweiler teil.

1.200 Umweltaktivisten im Klimacamp

Braunkohletagebau soll lahmgelegt werden

Von Thomas Wenkert

  • Umweltaktivisten wollen Braunkohlebagger besetzen, Hambach-Bahn soll blockiert werden
  • RWE reagiert mit Unverständnis, Gefahren für Mitarbeiter und Aktivisten
  • Polizei bereitet sich auf Großeinsatz vor

Das Rheinische Braunkohlerevier gehört zu den größten CO2-Produzenten in Europa. Die Aktivisten fordern den sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung, warnen vor den Folgen des Klimawandels und engagieren sich für alternative Formen des Zusammenlebens. Das verbindet die mehr als 1.200 Teilnehmer von verschiedenen Umweltschutzverbänden und Klimaschutzbewegungen – zumeist junge Menschen – des diesjährigen Klimacamps in Erkelenz-Lützerath. Ein Ort, der den Baggern des Braunkohletagebaus Garzweiler II weichen muss. Und gegen diese Bagger sind am Wochenende mehrere Protestaktionen geplant.

Bunte Zeltstadt, die ganze Welt ist vertreten

Umweltaktivisten im Hambacher Forst: Sie wollen am Wochenende den Tagebau Hambach besetzen und die Hambach-Bahn blockieren.

Umweltaktivisten im Hambacher Forst: Sie wollen am Wochenende den Tagebau Hambach besetzen und die Hambach-Bahn blockieren.

Hunderte Zelte stehen seit Freitag (07.08.2015) auf der Wiese, in Sichtweite zum Braunkohletagebau Garzweiler II. Das Camp erinnert ein wenig an Woodstock. Hier laufen die meisten Bewohner mit nackten Füßen herum, unterschiedlichste Sprachen sind zu hören. Kein Wunder – Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern nehmen an diesem Klimacamp teil. Unter anderem aus Madagaskar, aber auch aus Indien. Das Ziel der Teilnehmer ist klar: Sie wollen ein sichtbares Zeichen vor dem Klimagipfel im November in Paris setzen. Sie wollen für ein alternatives Leben werben. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung steht dabei an erster Stelle. So haben die Teilnehmer ein Windrad gebaut, das die Stromversorgung in dem Camp teilweise übernehmen soll. Auch eine mobile Photovoltaikstation wurde installiert.

Kritik an globaler Klimapolitik

Stand im Klimacamp

Stand im Klimacamp

Das Klimacamp sei eine Art Denkschule, in der jeder seine Ideen einbringen kann, erklärt Janna Aljets von der Initiative Degworth. In verschiedenen Foren wird über den Zustand der Welt diskutiert, werden Möglichkeiten gesucht, wie die Welt Ressourcen wie Wasser besser für künftige Generationen sichern kann. In diesem Zusammenhang üben die Camp-Teilnehmer Kritik an der Klimapolitik, vor allem an der deutschen. "Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen, wir haben kein Vertrauen mehr. Deutschland müsse bei der Energiewende vorangehen", erklärt Tadzio Müller vom Aktionsbündnis "Ende Gelände". Deshalb hat das Bündnis auch – erstmals in der fünfjährigen Geschichte des Klimacamps – zu zivilem Ungehorsam aufgerufen. Das Leute abgebaggert werden, aus ihren Dörfern vertrieben werden, bezeichnet der 39-Jährige als Wahnsinn.

Verstoß gegen Gesetze wird in Kauf genommen

Die Angst fährt mit, erklärt Lokführer Heinz Peter Landsch. Er wird auf der Hambach-Bahn eingesetzt.

Die Angst fährt mit, erklärt Lokführer Heinz Peter Landsch.

Deshalb will das Bündnis mit hunderten Menschen von Freitag bis Sonntag die Braunkohlebagger vor allem in den Tagebau Garzweiler besetzen. Bunt – mit Musik und Tanz. Weitere Umweltaktivisten planen Aktionen in den Tagebauen Inden und Hambach. Unter anderem sollen die Schienen der Hambach-Bahn blockiert werden. Dass sie damit gegen Gesetze verstoßen, eine Strafanzeige in Kauf nehmen, das wissen die Umweltaktivisten. Die Staatsanwaltschaft hat das Vorhaben tatsächlich als Hausfriedensbruch und damit als Straftat eingestuft. "Wir nehmen kollektives, persönliches Risiko in Kauf, ein rechtliches Risiko, um diesem größeren Übel – nämlich der Braunkohleverstromung – Einheit zu gebieten", erklärt Tadzio Müller, der schon gegen die Atompolitik protestiert hat.

RWE warnt vor Gefahren

RWE Mitarbeiter

RWE Mitarbeiter

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände“ ruft zu friedlichen Aktionen auf. Man wolle weder gegen Polizisten noch gegen RWE-Beschäftigte militant vorgehen. Dennoch stoßen die geplanten Aktionen beim RWE-Konzern auf Unverständnis. Diese haben nichts mehr mit dem demokratischen Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun, betont RWE-Pressesprecher Guido Steffen. Außerdem – so das Unternehmen weiter – gefährde die Besetzung von Baggern und auch die Blockade der Hambach-Bahn sowohl die Mitarbeiter als auch die Aktivisten selbst. Heinz Peter Landsch ist Lokführer auf der Hambach-Bahn. Er hat schon einige Aktionen der Umweltaktivisten aus dem Hambacher Forst erlebt. "Plötzlich brennen Stromkästen, liegen Gegenstände auf den Gleisen. Die Angst fährt mit“, beschreibt Landsch.

Sicherheitsvorkehrungen werden erhöht

Der Konzern hat deshalb die Sicherheit rund um seine Tagebaue erhöht. In allen Tagebauen sollen die Bagger großräumig eingezäunt werden. Und auch die Polizeibehörden rund um die Braukohlentagebaue sind alarmiert. Mit rund 1.200 Einsatzkräften solle versucht werden, Straftaten zu verhindern, hieß es am Freitagabend (14.08.2015). Mehrere Hundertschaften stehen bereit, sollte es zu Ausschreitungen kommen. Am Freitag, so die Polizei, war es noch ruhig.

Stand: 14.08.2015, 19:41

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