Interview zum Modell der Landesbanken

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"Da ist der Motor kaputt"

Interview zum Modell der Landesbanken

Die WestLB steckt tief in der Krise. Warum leistet sich der Staat überhaupt eigene Kreditinstitute, wenn er mit ihnen Milliardenverluste einfährt? Professor Rainer Elschen, Finanzexperte der Uni Duisburg-Essen, über die Zukunft der Landesbanken.

WDR.de: Herr Professor Elschen, wozu brauchen wir überhaupt Landesbanken?

Rainer Elschen: Landesbanken unterstützen die Bundesländer bei deren Bankgeschäften, sie fördern die regionale Wirtschaft und sie sind die Banken der Sparkassen

WDR.de: Können private Banken das nicht genauso leisten?

Elschen: Sicher. Aber die Geschichte hat uns nun mal das gegenwärtige Bankensystem mit den drei Säulen Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen beschert. Wir hatten schon immer Banken mit einem öffentlichen Auftrag, also Sparkassen oder eben Landesbanken.

WDR.de: Warum?

Elschen: Das Bankwesen ist wie kein anderer Wirtschaftszweig staatlich kontrolliert. Aus gutem Grund: Geld ist das Blut der Wirtschaft, und die Banken pumpen es durch den Körper. Gerät dieser Kreislauf ins Stocken, sieht es schlimm für die ganze Wirtschaft aus. Deshalb will der Staat mitreden und überwachen.

WDR.de: Bei den Landesbanken, die infolge der US-Hypothekenkrise viel Geld verloren haben, hat er wohl geschlafen.

Elschen: Es sieht so aus, dass sich einige Geschäfte der Landesbanken verselbstständigt haben. Die WestLB ist vermutlich unabhängig von den Sparkassen auf dem US-Hypothekenmarkt aktiv geworden. Das ging daneben, und nun sollen die Sparkasse die Suppe auslöffeln. Deshalb halten sich die Sparkassen jetzt auch zurück, was die Rettungsaktion für die WestLB, nämlich eine Kapitalerhöhung, betrifft.

WDR.de: Es ist die Rede, dass die WestLB bis zu zwei Milliarden Euro frisches Kapital benötigt. Was passiert, wenn sie es nicht bekommt?

Elschen: Der Verlust geht so oder so zu Lasten der Hauptanteilseigner, also der Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie des Landes NRW. Stellen Sie sich vor, Ihr Auto hat einen Motorschaden. Dann können Sie es für einen Spottpreis verkaufen oder einen neuen Motor einbauen. Im Fall der WestLB erscheint es fraglich, ob ein Institut mit einer solchen Verlusthypothek überhaupt verkäuflich ist. Also lautet Plan B, die Investition in die angeschlagene Bank als Investition in die Zukunft zu verstehen und zu hoffen, dass die Bank wieder auf die Beine kommt. Eines ist klar: Bei der WestLB ist mehr als ein Scheibenwischer kaputt.

WDR.de: Im Dezember schien die Fusion mit der Hessischen Landesbank Helaba so gut wie perfekt. Wird jetzt neu verhandelt?

Elschen: Ich gehe davon aus, dass die Helaba, die von der US-Hypothekenkrise nicht betroffen ist, keine Ahnung hatte, wie tief die WestLB im Sumpf steckt. Deshalb wird sie wahrscheinlich auf Nachbesserung bestehen, jetzt, da sie von dem Motorschaden weiß. Im Grunde hat sie die gleichen Optionen wie jeder Privatmann: Sie kann Wandlung oder Minderung verlangen, also vom Vertrag zurücktreten oder verlangen, dass die Konditionen zu ihren Gunsten verändert werden.

WDR.de: Zahlt am Schluss der Steuerzahler die Zeche?

Elschen: So lange brauchen wir nicht zu warten. Was den Anteil des Landes NRW an der WestLB anbelangt, zahlt der Steuerzahler direkt. Was den Anteil der Sparkassen anbelangt, zumindest indirekt. Wenn die Sparkassen Kapital aus ihren Gewinnen zuschießen müssen, fehlt den Kommunen Geld im Haushalt - Geld, das den Bürgern zugute kommt. Trotzdem wehre ich mich gegen den pauschalen Vorwurf, die öffentliche Hand ziehe nur Verluste aus ihren Aktivitäten im Bankwesen. Denken Sie nur an die Bundesbank. Die überweist jedes Jahr einen hübschen Gewinn an den Finanzminister. In der Vergangenheit haben auch die Kommunen in NRW vom Wirken der Sparkassen und auch der WestLB profitiert. Das sollte man nun nicht einfach vergessen.

Das Interview führte Christoph Stehr.

Stand: 21.01.2008, 10:37