Hessen sagen Fusion mit WestLB ab

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Fehlgeschlagene Partnersuche

Hessen sagen Fusion mit WestLB ab

Die angeschlagene Westdeutsche Landesbank wird nicht mit der Helaba zusammengehen. Der hessische und thüringische Sparkassen- und Giroverband sprach sich am Donnerstag (28.02.2008) in Frankfurt gegen die Fusionspläne aus.

Der Plan zum Zusammenschluss der Landesbanken Helaba und WestLB zum viertgrößten deutschen Geldhaus ist vom Tisch. Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen hat sich gegen die Aufnahme konkreter Fusionsgespräche mit den Eigentümern der Düsseldorfer WestLB ausgesprochen. Der Vorstand beschloss, die Fusionsüberlegungen nicht weiter zu verfolgen. Das teilte der Verband nach einer Vorstandssitzung in Frankfurt am Main mit.

Die Sparkassen sind mit 85 Prozent Mehrheitseigentümer der Landesbank Hessen-Thüringen. Aus ihrem Lager hatte es wiederholt Signale gegen die Fusion gegeben. "Unabhängig davon sind wir bereit, einen konstruktiven Beitrag zu der auch aus unserer Sicht notwendigen Weiterentwicklung des Landesbankensektors gemeinsam mit allen Beteiligten zu leisten", erklärte der Verbandsvorsitzende Claus Kaminsky.

Vergebliche Partnersuche

Seit Monaten suchen die WestLB-Eigentümer einen Partner für die drittgrößte deutsche Landesbank. Die Landesbank von Nordrhein-Westfalen war durch Fehlspekulationen und die Folgen der internationalen Finanzmarktkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Mitte Dezember traten die WestLB-Eigentümer an die Helaba heran. Deren Eigentümer - außer den Sparkassen die Länder Hessen (zehn Prozent) und Thüringen (fünf Prozent) - hatten sich offen für Gespräche gezeigt, aber auch klargestellt, dass keine Altlasten der WestLB übernommen würden.

Die Grünen werteten die Entscheidung als "schallende Ohrfeige" für Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). "Selten ist ein deutscher Ministerpräsident mit seinen Plänen so frontal und für alle offen sichtbar gescheitert, wie Rüttgers mit seiner Idee einer Fusion von WestLB AG und Helaba", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion, Johannes Remmel. Die SPD-Finanzexpertin Gisela Walsken warf Rüttgers vor, "die WestLB in eine Sackgasse geführt" zu haben.

WestLB weiter offen für Fusionen

NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) reagierte zurückhaltend auf die Ablehnung aus Hessen. "Für die Bank ist es wichtig, dass sie eine Zukunftsperspektive hat", sagte Linssen und verwies auf den Anfang Februar beschlossenen Sanierungsplan der WestLB-Eigentümer. Mit der Risikoabschirmung, den Maßnahmen zur Restrukturierung und den Bausteinen zum Geschäftsmodell werde es gelingen, die Bank neu auszurichten: "Dies ist unabhängig von einer möglichen Fusion mit einem anderen Institut nach wie vor eines der vorrangigen Ziele."

Trotzdem bleibt die WestLB weiter offen für Fusionen im Landesbankensektor. "Die Konsolidierung der Landesbanken bleibt ein wichtiges Thema", sagte ein Sprecher der WestLB. Alle Eigentümer und der WestLB-Vorstand seien sich einig, dass eine Konsolidierung im Landesbankensektor nötig sei und dass die WestLB dazu einen aktiven Beitrag leisten solle. "Darauf bereiten wir jetzt die Bank mit Hochdruck vor, indem wir sie restrukturieren und das Geschäftsmodell weiterentwickeln."

An der WestLB ist das Land Nordrhein-Westfalen direkt und indirekt mit etwa 38 Prozent beteiligt, die Sparkassenverbände Westfalen und Rheinland gemeinsam mit gut 50 Prozent. Den Rest der WestLB-Anteile halten kommunale Landschaftsverbände.

Stand: 28.02.2008, 19:51