Wer wusste was beim U-Bahnbau?

Grundwasser wird durch eine oberirdische Röhre abgepumpt

Brunnenprotokolle werfen neue Fragen auf

Wer wusste was beim U-Bahnbau?

Von Stephan Lüke

An der Unglücks-Baustelle der Kölner U-Bahn am Waidmarkt wurde mehr Grundwasser abgepumpt als erlaubt. Seit die Kölner Umweltdezernentin Marlies Bredehorst das öffentlich gemacht hat, beherrscht eine Frage die Diskussion: Wer wusste was?

In der Nähe des eingestürzten Stadtarchivs seien statt genehmigter vier Brunnen 15 errichtet worden, erklärte die Kölner Umweltdezernentin Marlies Bredehorst (Grüne) am Sonntag (15.03.2009). Und statt der erlaubten Menge von 450 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde seien bis zu 750 gefördert worden. Das ergebe sich aus den ausgewerteten Brunnenprotokollen.

Da aber beginnen die Unklarheiten. Bredehorst teilte weiter mit, dass die wasserrechtliche Erlaubnis auch die Auflage an die Bauunternehmen umfasst habe, die Betriebstagebücher der Brunnen ein Mal pro Quartal der Oberen Wasserbehörde vorzulegen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die zugelassene Abpumpmenge bereits im Dezember und damit im letzten Quartal 2008 dauerhaft überschritten worden sei. Warum also hat die Untere Wasserbehörde nicht reagiert? Lagen ihr die Protokolle vor, trotzdem fiel aber niemandem die Überschreitung auf? Oder lagen gar keine Protokolle vor, und niemand hat sie angefordert? Antworten könnte die Dezernentin geben, doch sie war für WDR.de am Montag (16.03.2009) nicht zu sprechen.

Kritische Fragen an die KVB als Bauaufsicht

Ähnliche Fragen müssen sich auch die KVB stellen lassen. Auch ihnen mussten die Brunnenprotokolle regelmäßig zur Verfügung gestellt werden. Schließlich lag die Bauaufsicht an der Unglückstelle beim Verkehrs-Unternehmen, wie ein Blick auf die Homepage des Baubetreibers belegt. Auch die KVB äußerten sich am Montag nicht zu den offenen Fragen.

Am Montagabend meldete sich Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma zu Wort. Bis Mittwoch (18.03.2009) verlangte er von KVB und Umweltdezernat, die Öffentlichkeit zu informieren. Er erwarte "eine lückenlose und nachvollziehbare Darstellung der den Bauunternehmen aufgegebenen Auflagen" sowie der Kontrollverpflichtungen der Unternehmen, des Bauherrn und der öffentlichen Hand, teilte die Stadt mit.

Stärkeres Abpumpen ist genehmigungspflichtig

Ein Gutachter, der nicht genannt werden möchte, weil er selbst beim U-Bahnbau als Fachmann beratend tätig ist, spricht gegenüber WDR.de von einer "Menge seltsamer Dinge." Er legt den Finger in die Wunde. Aus den Bohrprotokollen, die die Dezernentin nach dem Unglück angefordert habe, seien die Verstöße klar abzulesen gewesen. "Warum also nicht vorher?", fragt er. "Oder", so grübelt er, "gab es etwa unterschiedliche Protokollversionen?" Möglicherweise aber hätten die Protokolle in der Unteren Wasserbehörde und bei der Bauaufsicht einfach nicht die nötige Beachtung gefunden. Der Experte weist auch darauf hin, dass man eine Erhöhung der Abpumpmengen bei der Unteren Wasserbehörde hätte beantragen müssen. Das aber ist nach Aussage der Kölner Umweltdezernentin nicht geschehen.

"Das haben wir immer brav gemacht"

In Zurückhaltung übte sich am Montag auch das in die Kritik geratene Bauunternehmen Bilfinger Berger. "Noch ist die Faktenlage nicht eindeutig. Deshalb werden wir heute dazu nicht mehr sagen", erklärte Pressesprecher Martin Büllesbach am Montag WDR.de. Auf die grundsätzliche Frage, ob die Brunnenprotokolle erstellt und weitergereicht worden seien, antwortete er jedoch: "Das haben wir immer brav gemacht."

Stand: 16.03.2009, 19:51