Schwergeburt einer Stiftung

Kulturdezernent Georg Quander

Landeszusage kurz vor dem Jahrestag

Schwergeburt einer Stiftung

Eine Stiftung soll die Rettung der Kölner Archivalien nach dem Einsturz finanzieren. Nach langem Tauziehen kann sie nun endlich gegründet werden. Die Landesregierung gab Köln die erhoffte Zusage, allerdings nur für eine Million Euro.

"Mit großer Erleichterung" nahm der Kölner Kulturdezernent Georg Quander am Dienstag (02.03.2010) die Nachricht aus Düsseldorf auf: Das Land NRW beteiligt sich mit einer Million Euro an der "Stiftung Stadtgedächtnis". Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte: "Durch den Einsturz des Historischen Archivs sind wichtige Teile der kulturellen und historischen Identität des Landes bedroht. Mit unserer Unterstützung wollen wir dazu beitragen, das Archivgut dauerhaft zu erhalten." Damit zog der Ministerpräsident einen Tag vor dem Jahrestag der Einsturzkatastrophe am Mittwoch (03.03.2010) die Reißleine und beendete ein nervenaufreibendes Tauziehen um die Stiftungsgründung. Viele Akteure waren bereits im Boot und hatten verbindliche Finanzzusagen gegeben. Lediglich das Land zögerte noch einzusteigen und drohte am Ende als Blockierer dazustehen.

Das Warten auf die Zusage vom Land

Bereits im September 2009 hatte der Rat der Stadt Köln beschlossen, eine Stiftung mit fünf Millionen Euro zu unterstützen. "Wir hatten gehofft, dass das Land und der Bund in gleicher Höhe mitwirken", sagte Kulturdezernent Quander. Doch die Zusage aus Düsseldorf ließ auf sich warten. Und der Bund vertrat den Standpunkt, dass Kultur unter die Hoheit der Länder fällt - ohne eine Beteiligung des Landes wollte darum auch der Bund nicht mitmachen. So wurden in Köln unterschiedliche Stiftungs-Modelle diskutiert: Sollte man schnell eine Stiftung ohne Land und Bund gründen und das Risiko eingehen, später auf die Unterstützung dieser wichtigen Geldgeber ganz verzichten zu müssen? Oder doch lieber warten? Diese Option war mit dem nicht minder großen Risiko verbunden, dass die Stiftungsgründung nicht zum Jahrestag realisiert werden kann. Denn das ist allen Beteiligten klar: Die Aufmerksamkeit, die man nun zum Jahrestag hat, wird es so schnell nicht wieder geben.

Hausaufgaben für Köln aus Düsseldorf

Als der Druck auf die Landesregierung größer wurde, hieß es aus Düsseldorf, die Stadt Köln solle zunächst einmal nachweisen, dass sie die bereits gezahlte Versicherungssumme nicht zur Sanierung des Stadthaushaltes verwendet habe. Entsprang diese Frage der Fürsorgepflicht des Landes oder war es ein Hinhaltemanöver? Wie auch immer man es werten mag, Fakt ist, dass die Stadt Köln dieser Aufforderung nachkommen konnte: Sie hat die Restaurierung nach eigenen Angaben mit 63,1 Millionen Euro unterstützt, davon wurden 61,5 durch die Versicherungssumme gedeckt, die restlichen 1,6 Millionen Euro kamen aus dem Stadthaushalt. Bis 2013 hat der Rat der Stadt Köln insgesamt 153 Millionen Euro für das Stadtarchiv und die Restaurierungsarbeiten eingeplant, hinzu kommen 95 Millionen für den Neubau, heißt es aus dem Kulturdezernat.

Hoffnung auf weitere Finanzhilfen

Nun steuert das Land also eine Million Euro zur Stiftung bei statt der erhofften fünf. "Ich verstehe es so, dass es eine Zusage ist, sich an der Gründung zu beteiligen", gibt sich Georg Quander optimistisch. Weitere Gelder könnten ja in den kommenden Jahren fließen. "Die Restaurierung ist auf 35 bis 50 Jahre angelegt, wir rechnen mit einem Bedarf von 350 Millionen Euro." Der Bund habe bereits mitgeteilt, dass er 2010 in der mittelfristigen Finanzplanung lediglich eine Million Euro zur Verfügung stellen kann. Auch hier hofft der Kölner Kulturdezernent auf weitere Unterstützung in den nächsten Jahren. Am Mittwoch (03.03.2010) wird er gemeinsam mit der Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia vor dem Kulturausschuss des Bundestages Bericht erstatten über die Situation in Köln.

Die Gründungsmitglieder der Stiftung Stadtgedächtnis

Georg Quander geht davon aus, dass die Stiftung nun "sehr bald" gegründet werde, die Satzung sei bereits fertig und vom Innenministerium genehmigt. Als Gründungsmitglieder stehen fest: die Stadt Köln, das Land NRW, das Erzbistum Köln, die Evangelische Kirche im Rheinland und der Landschaftsverband Rheinland. "Die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland ist noch nicht ganz sicher, aber sehr wahrscheinlich", so Quander. Die Kirchen werden "bei der Einwerbung von Spenden" helfen und der Landschaftsverband durch sein Personal und sein Restaurierungs-Fachwissen das Stadtarchiv unterstützen. Und dann setzt man in Köln natürlich auf Spenden. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es: "Die Stadt Köln bittet um Überweisung von Spenden an die Stiftung Stadtgedächtnis bei der Sparkasse Köln-Bonn, Kontonummer 22 22 21 11, BLZ 370 501 98. Wer eine größere Summe spenden möchte, kann sich unter 0221/221-29072 mit der Kulturverwaltung in Verbindung setzen."

Stand: 02.03.2010, 18:58