Reisebericht aus dem Terrorcamp

Screenshot mit mehreren Vermummten aus dem neuen Video der Islamischen Dschihad Union

Erste Geständnisse im Prozess

Reisebericht aus dem Terrorcamp

Von David Ohrndorf

Mit einem umfangreichen Geständnis des Hauptangeklagten Fritz G. ist der Prozess gegen die "Sauerland-Gruppe" fortgesetzt worden. Der 29-Jährige schilderte detailliert, wie er in Pakistan auf den Dschihad vorbereitet wurde.

"Dschihad ohne Ausbildung, das ist nicht möglich", erklärt Fritz G. am Montag (10.08.2009) vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Terror als Ausbildungsfach - der 29-Jährige erläutert Schritt für Schritt, wie er und seine drei Mitangeklagten zusammengefunden haben, nach Pakistan geschleust und dort drei Monate lang ausgebildet wurden. Seine Schilderung klingt streckenweise wie ein Reisebericht, nur fallen eben häufiger Worte wie "Geheimdienst" oder "Bombe".

Mit ruhiger Stimme erklärt er, wie er beim "Elektronikunterricht" in Pakistan zum ersten Mal vermutet hat, dass er für die IJU (Islamische Dschihad Union) einen Anschlag in Europa verüben soll. Fritz G. ist bemüht, dass alle im großen Sitzungssaal des Hochsicherheitstraktes seinen Ausführungen folgen können und erläutert zwischendurch ein paar Grundregeln unter "Dschihad-Insidern": Namen von Personen werden ständig gewechselt, Fragen sollten besser nicht gestellt werden, weil die Gesprächspartner dadurch misstrauisch werden könnten.

Deutsche Herkunft ideal für Anschlag in Europa

Die "rechte Hand" des Chefs der IJU habe während seines Aufenthalts im Ausbildungslager immer wieder mit ihm gesprochen und ihn davon überzeugt, einen Anschlag in Deutschland zu planen. "Anschläge in Pakistan sind schwierig", erklärt Fritz G., nur etwa ein Zehntel der geplanten Taten würden tatsächlich gelingen, "und dann wird manchmal auch nur ein Auto hochgejagt, mehr nicht." Eigentlich hätte er zwar lieber in Pakistan eine Bombe gezündet, aber durch seine deutsche Herkunft sei er die ideale Besetzung für einen Anschlag in Europa gewesen: "In der IJU gab es sonst keine Europäer und Al-Quaida hat auch keine, sonst hätten die schon längst was gemacht." In Europa sei mit weniger Aufwand ein "viel größerer Schaden zu erreichen" - deshalb habe er zugestimmt.

Richter lobt die Angeklagten

Die vier Angeklagten hatten im Juni überraschend Geständnisse angekündigt und wurden seitdem in ihren Haftanstalten ausführlich von BKA-Beamten vernommen. Am Montag (10.08.2009) lobte der als eher streng geltende Richter Ottmar Breidling die Angeklagten ausdrücklich. In den Vernehmungen der vergangenen Wochen hätten sie die Karten "ungezinkt auf den Tisch gelegt." 1.584 Seiten umfassen die Ordner mit den Aussagen der vier Männer. Der Richter erklärte, dass die Geständnisse "zeitgerecht" abgegeben worden seien. Die Voraussetzung für ein reduziertes Strafmaß sei damit erfüllt.

Anklage: 550 Kilogramm Sprengstoff hergestellt

Den vier Angeklagten wird die Vorbereitung von Bombenattentaten auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorgeworfen. Die Gruppe war im September 2007 aufgeflogen. Bei ihnen waren 730 Liter Wasserstoffperoxid sichergestellt worden, der nach Überzeugung der Ermittler der Grundstoff für verheerende Autobomben sein sollte. Richter Ottmar Breidling erklärte, durch die umfangreichen Aussagen werde der Prozess "sicher schneller zu Ende sein." Wann ein Urteil gesprochen werden könne, stehe aber noch nicht fest. Der Prozess wird am Dienstag (11.08.2009) mit weiteren Vernehmungen fortgesetzt. Bislang stehen Sitzungstermine bis Ende Dezember 2009 fest.

Stand: 10.08.2009, 15:04