Egon Hoegen wird 85

Egon Hoegen wird 85

Als Schauspieler stand er mit Gert Fröbe und Willy Millowitsch auf der Bühne, aber einem Millionenpublikum ist Egon Hoegen als Sprecher bekannt. Stets korrekt und sachlich-seriös machte er Sendungen wie den "7. Sinn" zu Institutionen. Morgen wird er 85 Jahre alt.

Egon Hoegen im Jahr 2005 vor dem Logo der Sendung "Der 7. Sinn"

Seine Stimme ist untrennbar mit einer Sendung verbunden: "Der 7. Sinn", die Fünf-Minuten-Terrine der Verkehrserziehung im Fernsehen. Ein Dauerbrenner, der ganze Generationen vor den Gefahren im Straßenverkehr warnte.

Seine Stimme ist untrennbar mit einer Sendung verbunden: "Der 7. Sinn", die Fünf-Minuten-Terrine der Verkehrserziehung im Fernsehen. Ein Dauerbrenner, der ganze Generationen vor den Gefahren im Straßenverkehr warnte.

Von der ersten Sendung an war Egon Hoegen die mahnende Stimme aus dem Off: "Recht haben und richtig fahren ist zweierlei", heißt es in der Auftaktsendung im Februar 1966. Da hießen die Fahrer noch "Automobilisten" und es wurden ausschließlich Zeichnungen gezeigt. Ab April 1966 wurde dann Realfilm produziert.

Egal welche Fehler auch im Film gezeigt wurden, die seriöse Instanz aus dem Off wusste immer, wie es richtig ist. Egon Hoegen erteilte nicht nur Ratschläge, er befolgte sie auch: "Ich habe als Autofahrer lediglich Parkknöllchen bekommen, aber nie Punkte in Flensburg."

Hoegen lobt die Zusammenarbeit mit dem Team des 7. Sinns, die stets sehr kollegial gewesen sei. In dieser undatierten Aufnahme lassen sich in einem Oldtimer vor den Kölner Dom kutschieren (hintere Reihe von links): Heinz Engels, der die Exposés schrieb, Aufnahmeleiter Friedhelm Mayer, Egon Hoegen und Produktionsleiter Werner Lehndorff. Der Name des Fahrers ist nicht überliefert.

Angefangen hatte Egon Hoegen mit einer Ausbildung zum Schauspieler. Bei keinem Geringeren als Gustav Gründgens hat er die Bühnenreifeprüfung abgelegt. In Münster stand Hoegen dann mit Gert Fröbe auf der Bühne, der ihm nach einer Premierenfeier eine große Karriere prophezeite.

Doch Hoegen, der in Bonn und Köln auch noch Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft studierte, zog es mehr in Richtung Journalismus. Sein Studium finanzierte er mit Sprecher-Jobs beim WDR. Dort wurde er dann auch von Willy Millowitsch entdeckt. Mit dem großen Volksschauspieler und dessen Schwester Lucy stand Hoegen 1954 in dem Stück "Charleys Tante" auf der Bühne.

Doch es blieb bei diesem einmaligen Engagement. Denn bereits seit 1952 war Hoegen der Ansager des "Internationalen Frühschoppens". Das Boulevardtheater sollte diese seriöse Rolle nicht gefährden. Zunächst im Radio gestartet und ab 1953 auch im Fernsehen, servierte der Frühschoppen pünktlich um 12 Uhr zum Sonntagsbraten den ersten Polit-Talk der deutschen Rundfunkgeschichte. Hier schüttelt Hoegen stehend Moderator Werner Höfer die Hand.

Auch die schwierigsten Namen, wie zum Beispiel von Roshan Dhunjibhoy aus Pakistan oder Phuc Vinh Phan aus Vietnam, sprach Hoegen stets fehlerfrei aus.

Zur 1.000 Sendung gratulierte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) höchstpersönlich und kam mit seiner Frau Rut in den WDR, wo er von Intendant Klaus von Bismarck und Moderator Werner Höfer empfangen wurde. Auch Egon Hoegen lernte den Kanzler kennen.

Wenn eine seriöse Instanz wie Egon Hoegen einen satirischen Text spricht, sind Fallhöhe und Komik besonders groß. Diesen Trick nutzte Harald Schmidt, mit dem Hoegen bereits in seiner Sendung "Schmidteinander" zusammengearbeitet hat. Bei Schmidts Rückkehr in die ARD 2004 sprach Hoegen das Intro zur Sendung und war auch immer wieder vor der Kamera zu sehen.

Fehler machen menschlich: Wie gut, dass auch Egon Hoegen einmal die Fassung verlor. Als er in der Vorweihnachtszeit in den 1970er Jahren vor der schwierigen Zwergkaninchen-Haltung warnen sollte, konnte ihn nur die Räuspertaste retten. Sein Lachanfall ist legendär und gehört zu den Klassikern deutscher Radiopannen.

Am Samstag (28.09.2013) wird Egon Hoegen 85 Jahre alt - und ist immer noch als Sprecher aktiv. Er wird mit seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern zu Hause in Rösrath feiern.

Stand: 27.09.2013, 06:00 Uhr

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2 Kommentare

  • 2 Fahrschule Walter Monz 28.06.2017, 20:37 Uhr

    Stimmt, was Herr Kurzidim sagt. Im Unterricht kamen diese Videos sehr gut an und es ist wirklich schade, dass die nicht mehr zur Verfügung stehen! Diese Videos haben wirklich die Schüler zur Aufmerksamkeit veranlasst - damals! Leider wurde das beendet! Herr Hoegen kam auch mit seiner Stimme sehr gut rüber...Wir gratulieren ihm zu seinem schönen Alter! PS: kann man diese Verkehrserziehungsfilme noch von irgendwo bekommen? Die sind immer noch aktuell und bleiben das auch!

  • 1 Franz J. Kurzidim 07.03.2016, 20:03 Uhr

    Serien laufen sich tot, aber der 7. Sinn, der von 1966 bis 2005 über 39 Jahre gelaufen ist, hätte nie enden dürfen. Nach wie vor sind mangelnde Kenntnisse der Verkehrsregeln ein Grund für vermeidbare Unfälle. Diese Aus- und Weiterbildung hätte auf jeden Fall fortgesetzt werden müssen. Wenn der ADAC in einem Test über 60 % falsche Antworten bekommen hat, dann werden große Defizite in erschreckender Weise überdeutlich. Die Verkehrstoten sind damals von 13.000 in 1966 auf 3.500 in 2005 zurückgegangen. Herr Egon Hoegen der Sprecher des 7. Sinns sagte damals, sicherlich nicht wegen des 7. Sinns, aber auch. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 85 Geburtstag. Ich finde, der 7. Sinn müßte einfach wiederbelebt werden. Das wünscht sich Franz J. Kurzidim