Liebeserklärungen ans Bindestrichland

Ein Mädchen hat sich die NRW-Flagge auf die Wangen gemalt

Politiker und Prominenz beim Festakt

Liebeserklärungen ans Bindestrichland

Viele persönliche Liebeserklärungen an die Menschen in NRW gab es am Mittwochabend (25.10.2006), als sich Politik und Prominenz zum offiziellen Geburtstagsfestakt trafen. Kleine Sticheleien gegen Westfalen, Rheinländer und Lipper fehlten auch nicht.

Rot-weiß-grün blühten die Blumen im Saal der Düsseldorfer Tonhalle, und auch die 150 Chorkinder trugen die Farben ihres Landes. Eine Großleinwand zeigte zum Auftakt Szenen und Orte aus 60 Jahren Geschichte. Den Kölner Dom, die Porta Westfalica bei Minden, streikende Metaller, jubelnde BVB-Fans. "Sie in NRW sind ein starkes Stück Deutschland", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den 1.500 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirchen.

"Was sich liebt, das neckt sich"

Markenzeichen von NRW seien Weltoffenheit und Toleranz, befand Merkel, hob Industrie, Kunst, Kultur hervor und vergaß auch den Fußball nicht. Es möge zwar ein Volkssport sein, heimische Biersorten zu loben und andere zu verpönen, aber auch für dieses Land gelte: "Was sich liebt, das neckt sich."

In der so genannten "Operation Hochzeit" hatte die britische Militärregierung vor 60 Jahren die preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen im Bundesland Nordrhein-Westfalen vereint. "Die anfängliche Vernunftehe ist längst zu einer innigen Liebe zwischen Rheinländern, Westfalen und Lippern herangereift", behauptete Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU) fest und erntete raunendes Schmunzeln. Der frühere Ministerpräsident und gebürtige Norddeutsche, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), drückte es so aus: "Nordrhein-Westfalen hat ein immer stärkeres Wir-Gefühl entwickelt - ohne Muff und ohne Mief, tolerant und weltoffen."

Großzügige Lipper?

Lachender Jürgen Rüttgers (l.) neben Angela Merkel (m.) und Regina von Dinther

Die Kanzlerin und der Ministerpräsident feiern mit

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) rühmte vor allem die Tatkraft und Herzenswärme seiner Landsleute, die "weite Herzen" und "feste Hände" hätten. NRW sei kein Land der Schlösser und der Großbesitzer. "Wir haben nichts ererbt, sondern alles erarbeitet." Als große Zukunftsaufgabe nannte Rüttgers die Integration zugewanderter und armer Menschen. "NRW braucht die Zuverlässigkeit der Westfalen, die Leichtigkeit der Rheinländer und die Großzügigkeit der Lipper", sagte er unter Beifall.

Mit den deutschen Worten "Alles Gute in der Zukunft" beschloss Birgitte Herzogin von Gloucester ihr Grußwort - sie vertrat das britische Königshaus, das damals die "Operation Marriage" mit eingefädelt hatte. Das Land war am 23. August 1946 gegründet worden. Die erste konstituierende Sitzung des Landtages fand am 2. Oktober statt.

Hunderttausende feierten Bürgerfest

Bürgerfest am Rheinufer in Düsseldorf

Volksfeststimmung am Rhein in Düsseldorf

Der Festakt, zu dem Landtag und Landesregierung gemeinsam geladen hatten, beendet die Feierlichkeiten zum Landesjubiläum. Im August hatten Hunderttausende auf dem zweitägigen Bürgerfest in Düsseldorf den 60. Geburtstag Nordrhein-Westfalens gefeiert. Auf der Festmeile an der Rheinpromenade präsentierten sich Vereine, Organisationen, Musikgruppen und Vertreter der Städte mit Kultur und Informationen.

Stand: 25.10.2006, 18:55