Größte Kultur-Baustelle braucht noch Zeit

Ein Baukran neben dem U-Turm, Mai 2010

Am Dortmunder U-Turm wird immer noch gebaut

Größte Kultur-Baustelle braucht noch Zeit

Von Katrin Schlusen

Dortmund ist ab heute "Local Hero" der Kulturhauptstadt - aber ohne das Vorzeigeprojekt. Denn am U-Turm wird immer noch gearbeitet. Das einstige Brauereigebäude soll bald für Schlagzeilen sorgen. Aber noch nicht sofort.

Heute kommen die Rolltreppen. Projektleiter Jens Haake klopft auf den Tisch in seinem Behelfs-Büro direkt an der Baustelle - er will damit wohl sichergehen, dass es wirklich klappt. Haake hat schon viele schwierige Bauvorhaben betreut. Seit 19 Jahren arbeitet er für das Architekturbüro Gerber. "Alle Projekte sind zeitlich unglaublich eng", sagt er. Aber nicht so eng wie das hier: Der U-Turm, das denkmalgeschützte ehemalige Brauereigebäude direkt am Dortmunder Hauptbahnhof. Auf dem Dach des Klotzes ist ein gigantisches "U" installiert. Das Gebäude wurde 1926 gebaut und ist heute das Wahrzeichen der Stadt - mitsamt dem "U", das erst in den 60er-Jahren als Werbe-Gag dazukam.

Startschuss fiel erst im März 2008

Und ausgerechnet dieses Wahrzeichen ist in Dortmunds Local-Hero-Woche immer noch die größte Baustelle der Kulturhauptstadt. Gründe dafür gibt es viele: "Wir konnten erst im März 2008 anfangen zu planen", erklärt Jens Haake. "Denn erst dann wurden die Fördergelder bewilligt." Das sind 37,5 Millionen Euro.

Alte Baupläne stimmten nicht

Bevor es mit dem Umbau richtig losgehen konnte, mussten abgehängte Decken und alte Gärbecken entfernt werden. Was dann zum Vorschein kam, konnte keiner vorhersehen: Fundamente, die zwar im Bauplan eingezeichnet waren, existierten gar nicht, der Boden im Erdgeschoss war zu schwach, die Kathedrale im siebten Stock war mit nur unzulänglichem Beton gesichert ... Kurzum: "Es ist nicht in der Qualität gebaut worden, in der es hätte gebaut werden sollen", bilanziert Haake. Dazu ein harter Winter.

U-Turm ohne Intendant

Zu den Verzögerungen auf dem Bau kamen auch noch die künstlerischen Rückschläge. Erst wollte das Museum am Ostwall - das in den U-Turm ziehen wird - mit einer Ausstellung des belgischen Malers René Magritte eröffnen, doch dann kam die Absage der Verleiher. Erst übernahm Regisseur Adolf Winkelmann die Intendanz des U-Turms, doch dann sagte er aber ab. Die Scherben darf nun Andreas Broeckmann auflesen, der den Titel Gründungsdirektor trägt.

"Eine Verschiebung von drei Wochen ist vertretbar"

"Als ich im August letzten Jahres angefangen habe, war mir direkt klar, dass der Eröffnungstag bestimmt nicht der 9. Mai ist", sagt Andreas Broeckmann. Jetzt soll es wenigstens eine vorläufige Eröffnung am 28. Mai geben. "Eine Verschiebung von drei Wochen halte ich für vertretbar." Trotzdem räumt er ein: "Man muss bescheiden sein, der U-Turm ist dann immer noch eine Baustelle." Einige Ausstellungen, etwa die des Hartware MedienKunstVereins (HKMV) und die der Technischen Universität sind dann schon zu sehen. Den großen Paukenschlag soll es jedoch erst am 8. Oktober geben. Das Museum am Ostwall eröffnet dann mit der Ausstellung "Bild für Bild".

Werbekampagne für 285.000 Euro

Die Marke U-Turm - die das Zentrum für Kunst- und Kreativität der Stadt werden soll - wird durch eine Werbekampagne begleitet, die 285.000 Euro kostet. Finanziers sind unter anderem der Regionalverband Ruhr, das Land und die Stadt.

"Im Moment müssen wir dafür sorgen, dass die Leute wissen, wo das U steht", so Broeckmann. Wenn die Museums-Ausstellung im Oktober eröffnet, dann müsse das in allen deutschen Zeitungen stehen. "Das ist aber zu schaffen", sagt der Gründungsdirektor. "Noch sind wir entspannt."

"Das hat noch keiner gesehen"

Trotz des offiziellen Optimismus ist die Stimmung auf der Baustelle gedrückt: "Niemand sagt: Wow, 90 Prozent sind schon fertig", ärgert sich Projektleiter Jens Haake. Als die britische Stadt Liverpool Kulturhauptstadt war, seien dort auch bloß Rohbauten eröffnet worden. Für die Bauarbeiter sei die Kritik am Eröffnungsdatum sehr demotivierend. "Dabei gehen die Leute hier an ihre Grenzen", so der Projektleiter. 12-14 Stunden Schichten, keine Wochenenden. Haake: "Die Geschwindigkeit und der Aufwand, der hier betrieben wird - das hat noch keiner gesehen."

Stand: 09.05.2010, 02:00