Die singende Kulturhauptstadt

Sängerin in der Gladbecker Stadthalle

Weltgrößtes mehrstimmiges Chor-Konzert

Die singende Kulturhauptstadt

Von Katja Goebel

Trällern, schmettern, mitsummen auf Straßen, Schiffen oder Plätzen: Tausende Sänger in 50 Ruhrgebietsstädten laden die Menschen ab Donnerstag (03.06.10) in Konzerthallen oder im Freien beim "Sing - Day of Song" zum Mitsingen ein.

Die einen singen im Chor, andere trällern lieber zuhause vor dem Radio oder schmettern allein unter der Dusche. Ob Volkslied, Arie oder den neusten Grand-Prix-Ohrwurm, fast jedem geht beizeiten ein Lied über die Lippen. Und genau da setzt das Gesangs-Spektakel "Sing - Day of Song" an.

"Jeder kann singen" - lautet die schlichte Botschaft des Kulturhauptstadt-Projektes. Dabei laden die Macher nicht nur zu Liederabenden, vernetzen Orchester, Chöre und Opernensembles, sie wollen vor allem die Menschen im Ruhrgebiet zum Mitsingen animieren - auf der Straße, in Parks, in Konzertsälen und Krankenhäusern, in Bussen oder auf Booten. Und am Ende werden sie das wohl "weltgrößte mehrstimmig gesungenen Konzert der heutigen Zeit" auf die Beine stellen. Seit Monaten schon laufen die Proben für das Abschlusskonzert in der Gelsenkirchener Veltins-Arena.

"Deutsche haben tolle Gesangskultur"

So kamen in Duisburg, Oberhausen und Gladbeck wenige Tage vor dem Großkonzert noch einmal tausende Sänger zusammen, um für den Abschlussauftritt in Gelsenkirchen zu proben. 8.000 Sänger aus rund 200 Chören studierten monatelang die Notenblätter vom Volkslied bis zur Verdi-Oper. Bei der letzen großen Probe in der Gladbecker Stadthalle dirigierte Jonathan Eaten höchstpersönlich rund 600 Sänger aus dem Ruhrgebiet. Der Engländer Eaton, Regisseur des "Day of Song", fasst den Sinn und Zweck des Riesenspektakels auf seine Weise zusammen: "Wenn man die Kraft zusammenrafft, Atem nimmt, die Stimme fordert, einen Ton herausbringt und dies alles gemeinsam macht, bringt das Menschen in Herz und Geist zusammen." Die Deutschen hätten eine tolle Gesangskultur, auch wenn manch einer behaupte, das Singen würde den Menschen hier langsam abhanden kommen.

"Den Jüngeren fehlt oft das Selbstbewusstsein um zu singen", sagt Guste Heethay, deren kräftiger Sopran bei den Proben in Gladbeck nicht zu überhören war. Für die 74-Jährige aus Dorsten ist es eine Selbstverständlichkeit, mit ihrem Musikschulchor bei dem Projekt dabei zu sein.

Spontan-Sänger willkommen

Den Auftakt der viertägigen Sing-Reihe übernehmen am Donnerstag (03.06.2010) die Chöre der Metropolen-Partnerstädte im Essener Aaltotheater. Bei einer Chorprobe im Grünen, im Essener Stadtgarten, sind bereits Spontan-Sänger willkommen, so verrät das Programm. Einen Tag später schwappt die Gesangswelle auch auf die anderen Revierstädte über. Kinder, Schüler und Studenten singen neben internationalen Gästen bei Begegnungs- und Wandelkonzerten von Duisburg bis Unna.

Grönemeyer-Hymne um 12 Uhr mittags

Am Samstag (05.06.2010) soll dann tatsächlich die gesamte Metropole singen - in 50 Städten gleichzeitig. Auf Straßen und Plätzen, in Parks und Fußgängerzonen, in Konzert- und Opernhäusern, in Kaufhäusern, Kindergärten oder Kirchen. Über 600 angemeldete Chöre mit mehr als 22.800 Sängerinnen und Sängern laden Passanten und Bewohner zum Mitsingen ein. Das erste Konzert beginnt bereits um 4.30 Uhr zum Sonnenaufgang im Gelsenkirchener Nordsternpark. Mittags um 12 Uhr geben die Kirchturmglocken das Startsignal für die "Sing-City". Nach dem Zwölf-Uhr-Läuten singen alle Chöre gemeinsam dasselbe Lied. Beim Steigerlied "Glück auf" und der Grönemeyer-Hymne "Komm zur Ruhr" sollen eine Million Menschen gleichzeitig singen.

Außerdem gibt es an dem Tag jede Menge origineller Schauplätze, an denen die Menschen mit einstimmen können. Ein singender Schiffskorso passiert mit "Heldengesängen" den Rhein-Herne-Kanal, Karaoke-Inseln tauchen in Gelsenkirchen auf, der Gasometer in Oberhausen wird besungen, Einkaufszentren werden zu Tonstudios, Gesangslehrer machen Hausbesuche, sogar ein Polizeichor fährt Streife.

Singen auf Schalke: Von Beatles bis Beethoven

Am Abend schließlich singt der größte mehrstimmige Chor beim gemeinsamen Abschlusskonzert in der Veltins-Arena auf Schalke - mit über 65.000 Sängerinnen und Sängern. Neben den singenden Konzertbesuchern (auf allen Plätzen werden Notenblätter liegen), versammeln sich allein auf dem Spielfeld der Arena 8.000 Chorsänger aus dem Ruhrgebiets. Das Repertoire reicht von den Beatles bis Beethoven. Dirigiert werden alle Sänger von Steven Sloane, dem Künstlerischen Direktor der Ruhr2010. Prominente Gäste wie Bobby McFerrin, die Wise Guys oder Operndiva Vesselina Kasarova werden ihre eigenen Stücke singen und das Publikum zum Mitsingen auffordern. "Nachdem wir Europa unsere schönsten Zechen gezeigt haben, bringen wir jetzt unsere schönsten Stimmen zum Klingen", so Ruhr2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt.

Stand: 02.06.2010, 02:00