A40: Wir sind das Ruhrgebiet

Besucher der A40

Es gibt noch Tischkarten für das Still-Leben-Projekt

A40: Wir sind das Ruhrgebiet

Von Katrin Schlusen

Wenn am 18. Juli 2010 die A40 für einen Tag lang gesperrt wird, präsentieren sich ungewöhnliche Gruppen entlang der Strecke. Wie etwa Feuerwehr-Frauen, Star Wars-Fans oder die Multi-Kulti-Clique "Bosporuhrus". Das Motto ist Alltags- statt Hochkultur.

Feierabend in Oberhausen, und Norbert Henze sitzt mit seinen Freunden am Wohnzimmertisch. Im Hintergrund läuft der Fernseher, es gibt Obst und Süßigkeiten und im Gespräch der Freunde geht es mal wieder um die A 40. "Weißt du, wo genau unser Tisch ist?", fragt Fatmanur Kalkan. Ja, bei Kilometer 46,7, gibt Henze zur Antwort. Das ist an der Ausfahrt Mülheim-Styrum. Es ist ein ungewöhnlicher Freundeskreis, richtig Multi-Kulti: ein Deutscher, Türken, Kurden, und sogar ein Grieche. Daher der selbstgewählte Gruppenname "Bosporuhrus". Die Verbindung ist das Ruhrgebiet, denn hier wohnen alle seit Jahrzehnten. "Ich würde hier auch nicht wegziehen wollen", sagt Hakan Keskinoglu.

Deutsch-türkische Esskultur

Am 18. Juli wollen sie dem Ruhrgebiet ein kleines Denkmal setzen. "Wir haben uns schon Gedanken gemacht", berichtet Keskinoglu. Das Thema ihres Tisches ist deutsch-türkische Esskultur. Im April waren sie zu Studienzwecken in der anderen Kulturhauptstadt, in Istanbul. "Wir sind darauf gekommen, weil es immer etwas zu Essen gibt, wenn wir uns treffen", sagt Henze. So soll es auch beim großen A40-Tag werden. "Wir wollen Essen mitbringen, besonders viele Süßspeisen", kündigt Fatmanur Kalkan an. Den türkischen Hirse-Salat, der so "brutal" lecker ist, und Ruhrgebiets-Klassiker. Nein, nicht die Curry-Wurst. Aber Nudelsalat und Frikadellen. "Natürlich aus Rind", setzt Henze hinzu und zwinkert seinen muslimischen Freunden zu.

Keine ironische Distanz, sondern Leidenschaft

Das Konzept von "Bosporuhrus" für den A40-Tag dürfte den Organisatoren der Ruhr 2010 GmbH gefallen: "Wir wollen, dass sich die Ruhrgebietler in all ihren Verrücktheiten präsentieren können", sagt Kulturhauptstadt-Sprecher Marc Oliver Hänig. "Es geht um Alltags- statt Hochkultur." Jeder, der einen Beitrag zum Programm beisteuern möchte, kann Karten für einen Tisch buchen. Es gibt sogar noch vereinzelt freie Plätze, etwa im Mülheimer, im Oberhausener oder im Bochumer Teil der Strecke. "Es geht nicht nur um eine heitere, ironische Distanz, sondern um Leidenschaft", so Hänig. Unter den bislang angemeldeten Gruppen sind schon viele Originale: Fußball-Fans, Feuerwehr-Frauen, Bastelgruppen, Familienverbände, Geburtstagsgruppen und sogar ein Star Wars-Club, der seinen Tisch an der Ausfahrt Bochum-Harpen hat.

Viele Regeln und Pflichten für Tischkarteninhaber

"Von denen hab ich schon gehört", sagt Hakan Keskinoglu. "Die werde ich mir auf jeden Fall ansehen". Wenn dazu die Zeit bleibt. Zusammen mit den Tischkarten bekam die Clique ein langes Schreiben mit Regeln und Pflichten zugeschickt. Beispielsweise darf nichts verkauft werden. Die Aktion geht von 11 bis 17 Uhr, liest Henze vor. Das bringt die Freunde auf ein ganz neues Problem: "Was ist, wenn das Essen zu schnell weggefuttert wird?", überlegt Henze. Gleich werden die Pläne konkreter: Das Essen muss in Schüben angeliefert werden. "Und vielleicht kann deine Mutter auch noch einen Salat machen", sagt er zu Fatmanur.

Stand: 15.06.2010, 08:50