Angeklagter beteuert seine Unschuld

Youssef El-H. schützt sein Gesicht mit einem Blatt

Eine Woche vor dem Urteil

Angeklagter beteuert seine Unschuld

Von Rainer Striewski

Der mutmaßliche "Kofferbomber" von Köln hat in Düsseldorf seine Unschuld beteuert. Es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden zu töten, erklärte der Libanese. Die Verteidigung beantragte erneut einen Freispruch.

"Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, dass es nie meine Absicht gewesen ist, jemanden zu töten", erklärte Youssef El H. am Dienstag (02.12.2008) in seinem Schlusswort vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG). "Ich wusste schon, als ich den Koffer in die Hand nahm, dass er nicht explodieren würde."

Der entscheidende Grund, vom Tatplan abzuweichen, sei der Tod seines Bruders Achmed gewesen. "Da habe ich angefangen, über die Tötung unschuldiger Menschen nachzudenken. Das hat mir die Augen geöffnet. Da hätten auch unschuldige Kinder umkommen können." Dennoch hätten sie die Bomben in die Züge gestellt: "Es wäre dumm gewesen, alles wieder auseinander zu bauen. Für uns war das einfach eine Mahnung und eine Warnung an die Öffentlichkeit. Wenn ich Menschen hätte töten wollen, hätte ich alle Spuren gelöscht und mit Handschuhen gearbeitet."

Lebenslange Haft gefordert

Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor erneut lebenslange Haft für Youssef El H. beantragt. Die noch aus dem Libanon aufgetauchten Vernehmungsprotokolle des dort inhaftierten mutmaßlichen Komplizen Jihad H. "haben an unserer bisherigen Bewertung nichts geändert", sagte Oberstaatsanwältin Duscha Gmel. Vor wenigen Wochen hatten Bundesanwaltschaft und Verteidigung schon einmal plädiert. Wegen neuer Beweisanträge der Rechtsanwälte war das Gericht wieder in das Verfahren eingestiegen.

Technischer Fehler verhinderte Explosion

Der Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, im Juli 2006 zusammen mit Jihad H. im Kölner Hauptbahnhof zwei in Koffern versteckte Bomben in Regionalzügen deponiert zu haben. Die Züge mit den Bomben waren nach Hamm und Koblenz gerollt. Die Sprengsätze hatten während der Fahrt gezündet, waren aber wegen eines technischen Fehlers nicht explodiert.

Die Verteidigung beantragte erneut einen Freispruch. Das Geständnis des im Libanon bereits verurteilten Jihad H. dürfe nicht verwertet werden, sagte Rechtsanwalt Bernd Rosenkranz. "Man hat ihn unter Druck gesetzt, wahrscheinlich auch geschlagen." Beide Libanesen hätten gewusst, dass die Bomben nicht explodieren würden, nachdem es ihnen nicht gelungen sei, das notwendige Gasgemisch herzustellen. Das Urteil soll am Dienstag (09.12.2008) verkündet werden.

Stand: 02.12.2008, 16:32