Augenzeugin: "Keiner hat uns gesagt, was los ist"

Tiger Altai im Kölner Zoo

Tiger tötet Pflegerin im Kölner Zoo

Augenzeugin: "Keiner hat uns gesagt, was los ist"

Ein Tiger im Kölner Zoo griff am Samstag (25.08.2012) eine Pflegerin an und verletzte sie tödlich. Die Frau hatte bei Reinigungsarbeiten ein Sicherheitstor im Gehege nicht geschlossen. Die Polizei ermittelt. Eine Augenzeugin ist verwundert, warum die Besucher nicht informiert wurden.

Ein sibirischer Tiger hat am Samstag (25.08.2012) im Kölner Zoo eine Pflegerin angegriffen und getötet. Nach Angaben des Kölner Zoos hatte sich die langjährige Mitarbeiterin des Kölner Zoos in einem Bereich aufgehalten, den sie in dem Moment nicht hätte betreten dürfen. Denn dieser Teil des Geheges war zu dem Zeitpunkt als die Pflegerin eintrat, für die gefährlichen Raubkatzen geöffnet.

Sibirischer Tiger

Der Sibirische Tiger gilt als einer der größten Katzen der Welt. Er kann eine Körperlänge von 2,80 Meter und ein Gewicht von über 250 Kilogramm erreichen und hat eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren. Wie alle Unterarten des Tigers ist auch der Sibirische Tiger in freier Wildbahn von der Ausrottung durch den Menschen bedroht. Nachdem sein Bestand im Jahre 1940 auf lediglich 20 bis 30 Tiere gesunken war, wurde er unter strengen Schutz gestellt. Heute überleben weniger als 500 Sibirische Tiger in einem einzigen Schutzreservat im Amur-Ussuri Gebiet in Sibirien. In Zoos sind Sibirische Tiger jedoch häufig vertreten. Durch gezielte Zuchtprogramme wird die Zoopopulation weiter aufgebaut. Die Zahl der in den Zoos der Welt gehaltenen Sibirischen Tiger übersteigt heute 1.000 Tiere.

Stand: 2020

Augenzeugin: "Keiner hat uns gesagt, was los ist"

Eine Augenzeugin berichtete WDR.de über die Zustände im Kölner Zoo. "Wir haben unweit des Tigergeheges gestanden, als der Notarztwagen eintraf . Da wussten wir aber immer noch nicht, was überhaupt los war. Uns kamen Besucher entgegen, die sagten, man solle den Zoo verlassen. Wir sind aber erst mal weiter Richtung Tigergehege gelaufen, bis uns ein Polizist mit Maschinengewehr entgegen kam. Es sah so aus, als suchte der irgendetwas. Der hat ganz konzentriert nach rechts und links geguckt, aber nichts zu uns gesagt." Ihr Mann habe sich ihren dreijährigen Sohn geschnappt und wollte sich schon mit einem Knüppel bewaffnen. "Auf dem Weg zum Ausgang haben wir noch gesehen, wie die Kamele in den Stall gebracht wurden. Da haben wir schon geahnt, dass da wohl ein Tier ausgebrochen war. Ich verstehe nicht, warum es keine Lautsprecherdurchsagen gab und warum die Polizei immer noch etwas gesucht hat, obwohl das Tier angeblich schon tot war."

Zoodirektor Theo Pagel gibt  vor dem Zoo in Köln ein Pressestatement

Zoodirektor Theo Pagel erschoss den Tiger

"Der Tiger war in dem Bereich, wo er hingehört", sagte Zoodirektor Theo Pagel am Samstag. Nach derzeitigem Kenntnisstand gehe er davon aus, dass die Frau es vor Beginn der täglichen routinemäßigen Reinigungsarbeiten versäumt habe, den Tiger auszusperren. "Vermutlich ist sie dann vom Tiger von hinten angefallen worden, der ihr einen tödlichen Biss in den Hals zufügte, danach aber von ihr abließ. Wir können uns derzeit nicht erklären, warum der erfahrenen Pflegerin ein derart verhängnisvolles Versehen unterlaufen konnte“, so Theo Pagel. "Der ganze Zoo steht unter Schock und trauert mit den Angehörigen."

Kurz nach 12 Uhr erhielt die Kölner Polizei einen Anruf und machte sich mit einem Großaufgebot auf den Weg zum Kölner Zoogelände. Eine Kollegin hatte die 43-jährige Pflegerin leblos neben dem Tiger entdeckt und daraufhin Alarm geschlagen. Obwohl der Notarztwagen der Feuerwehr schnell eintraf, erlag die Frau noch vor Ort ihren schweren Verletzungen. Die Polizei untersucht, ob möglicherweise eine Sicherheitsschleuse nicht ordnungsgemäß funktioniert hat. Sie hat Ermittlungen eingeleitet, um die genauen Umstände des tragischen Vorfalls zu klären. Ein endgültiges Ermittlungsergebnis wird erst in der kommenden Woche erwartet.

Zoogelände vorübergehend evakuiert

Polizisten und Besucher stehen vor dem Tigergehege im Zoo Köln

Ein Tiger im Kölner Zoo ist aus seinem Gehege ausgebrochen und hat eine Pflegerin getötet

Auf Anweisung der Einsatzleitung erschoss Zoodirektor Theo Pagel den Tiger schließlich mit einem Großkalibergewehr. Erst nachdem der Tiger tot war, konnte die Pflegerin aus dem Gehege geborgen werden. Obwohl Zoobesucher zu dem Zeitpunkt nicht in Gefahr waren, evakuierte der Zoo vorübergehend das Gelände.

Bei dem getöteten Tiger handelt es um den vierjährigen Tigerkater Altai, der erst 2011 in den Kölner Zoo kam und Vater der drei Jungtiere ist, die im November im Zoo zur Welt kamen. Der Sibirische Tiger gilt als einer der größten Katzen der Welt. Er kann eine Körperlänge von 2,80 Meter und ein Gewicht von über 250 Kilogramm erreichen.

Sommernacht im Zoo abgesagt

Eigentlich sollte im Kölner Zoo am Samstag (25.08.2012) die Sommernacht stattfinden, bei der der Tierpark bis Mitternacht geöffnet ist und Besuchern ein buntes Rahmenprogramm bietet. Die Veranstaltung fiel mit Rücksicht auf Angehörige und Beschäftigte aus. Karten konnten zurückgegeben werden.

Kritik von Tierschützern

Der Sprecher der Tierschutzorganisation WWF, Jörn Ehlers, sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, die in Zoos gehaltenen Tiger seien allesamt verhaltensgestört. Die Tierrechtsorganisation Peta forderte als Konsequenz, die Haltung von Großkatzen in Zoos zu verbieten. "Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen nutzen die Raubkatzen jede sich bietende Möglichkeit, ihrem Gefängnis zu entkommen», warnte Peta. "Ausbrüche und tödliche Unfälle sind daher vorprogrammiert."

Stand: 26.08.2012, 12:55

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