Flugbenzin im Grundwasser

Chemieindustrie in Wesseling vom Rhein aus betrachtet

Shell-Raffinerie in Wesseling

Flugbenzin im Grundwasser

Im Februar hat Shell bei einer Leitung in der Rheinland-Raffinerie in Wesseling bei Köln ein Leck festgestellt. Am Freitag (01.06.2012) gaben die Verantwortlichen bekannt: Dort sind insgesamt fast eine Million Liter Flugbenzin im Boden versickert und ins Grundwasser gelangt.

Betroffen ist eine unterirdisch verlaufende Verbindungsleitung zwischen dem Werk Wesseling bei Köln und einem Tanklager. Im Auftrag der Bezirksregierung Köln hat der TÜV-Rheinland die ausgetretene Menge Flugbenzin gemessen und auf 846 Tonnen beziffert - das sind rund eine Million Liter. Das teilte der Energiekonzern Shell am Mittwoch (30.05.2012) mit. Die Flüssigkeit verteilt sich laut Pressemitteilung auf ein Areal von rund 120 Quadratmeter. Sie sei bis zu sechs Meter tief in das Erdreich eingedrungen. Am Freitag (01.06.2012) bestätigte Shell-Sprecher Constantin von Hoensbroech auf Nachfrage von WDR.de: Ein weiterer Teil sei ins Grundwasser gelangt und "liegt wie ein fester Teppich auf dem Wasser auf". Der Sprecher der Kölner Bezirksregierung Oliver Moritz machte ebenfalls am Freitag klar: "Das Flugbenzin ist im Grundwasser drin und da muss es auch wieder raus." Konkretere Angaben zur möglichen Umweltverschmutzung machten weder von Hoensbroech noch Moritz.

Weitere Messungen sind nötig

Noch ist allerdings unklar, in welchem Bereich sich das Kerosin unter der Erde und im Grundwasser ausgedehnt hat. Um das genau lokalisieren zu können, wollen die Gutachter jetzt neben der bereits bestehenden Grundwassermessstelle vier weitere Messstellen einrichten. So soll die Qualität des Grundwassers geprüft und die Ausdehnung des Kerosinteppichs festgestellt werden. Erst nach diesen Messungen wird klar sein, wie groß die Gefahr für die Umwelt tatsächlich ist. Wann die Messungen abgeschlossen sein werden, konnten am Freitag weder von Hoensbroech noch Moritz sagen.

Presseberichte, nach denen das Kerosin bereits in den Rhein gelangt sein soll, wollten sowohl Shell als auch die Bezirksregierung am Freitag nicht bestätigen. Das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) widersprach jedoch den Meldungen: "Im Rhein ist bisher nichts nachweisbar", sagte LANUV-Sprecher Peter Schütz am Freitagnachmittag zu WDR.de

Das Grundwasser unter der Raffinerie wird nach Angaben von Shell "rund um die Uhr geprüft". Bisher seien keine besorgniserregenden Daten bei der Grundwasserprüfung aufgetreten.

Bezirksregierung: "Trinkwasser offenbar nicht gefährdet"

Der Shell-Sprecher sagte WDR.de, der Kerosinteppich könne zwar Mikroorganismen im Wasser schädigen, das Kerosin würde sich aber nicht mit dem Wasser vermischen. Bezirksregierungssprecher Moritz schließt eine Gefährdung des Trinkwassers aus. Wann es neue Informationen vom TÜV-Rheinland zum Grundwasser geben werde, darauf wollte der Sprecher der Bezirksregierung am Freitag nicht antworten. "Zurzeit ist nicht absehbar, wie lange das dauern wird", sagte er WDR.de.

TÜV soll Vorfall umfassend aufklären

Der Gutachter sei von der Bezirksregierung und Shell gemeinsam eingesetzt, Shell trage als Verursacher die Kosten des Verfahrens. Mit seiner Untersuchung stehe der TÜV-Rheinland erst am Anfang. Neben dem Schadensumfang, der am Mittwoch bekannt wurde, soll er auch die Schadensursache, die grundsätzliche technische Beschaffenheit des Werks sowie Vorschläge zur Schadensbehebung liefern. Die Sanierung des Gebietes sei in jedem Fall sehr aufwendig, kündigte der Shell-Sprecher im WDR an. Wie lange sie dauern werde, sei ebenfalls noch nicht absehbar.

Kreisbehörde: Keine Verseuchung des Rheins zu erwarten

Da die Vorfall im Rhein-Erft-Kreis passiert ist, sind auch die Umweltbehörden dort über den aktuellen Stand informiert. "Eine Gefährdung des Trinkwassers ist völlig auszuschließen", sagte Robert Bininda, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Kreisplanung, am Freitag zu WDR.de. Seine Begründung: "Die Fließrichtung des Grundwassers ist grundsätzlich in Richtung Betriebsgelände und Rhein gerichtet, nicht aber in Richtung der Wassergewinnungsanlage Urfeld."

Aber auch eine Gefährdung des Rheinwassers hält Bininda für unwahrscheinlich. Denn Shell entnehme viel Grundwasser aus dem Gelände in Wesseling, daher werde eher Wasser vom Rhein her in Richtung Raffinerie gesogen - und fließe nicht umgekehrt Grundwasser in Richtung Rhein.

Ursache des Lecks noch unklar

Shell hatte die Flugbenzinleitung nach eigenen Angaben am 25. Februar 2012 außer Betrieb genommen, nachdem Unregelmäßigkeiten aufgetreten waren. Über die Ursache der Undichtigkeit der Leitung liegen nach Angaben von Shell sowie der Bezirksregierung "noch keine gesicherten Erkenntnisse" vor.

Stand: 01.06.2012, 16:50

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