Wie der kleine René im Krieg zu schnell erwachsen wird

Wie der kleine René im Krieg zu schnell erwachsen wird

Von Kerstin Meyer

Der Erste Weltkrieg: lange her, weit weg - denken viele junge Menschen. Ein Autoren-Team wollte das ändern und hat nun einen Comic veröffentlicht, in dem junge Deutsche und Franzosen den Krieg hautnah miterleben. WDR.de zeigt die Macher und ihre Lieblingsfiguren.

Illustrator Jörg Mailliet an seinem Schreibtisch in Rennes

Der Illustrator Jörg Mailliet hat die vier Figuren zeichnerisch entwickelt. Der 44-Jährige ist in Frankreich geboren, hat aber von seinem 4. Lebensjahr an bis zum Abitur in Berlin gelebt. Heute wohnt der Absolvent der Illustratorenschule Emile Cohl in Rennes, zeichnet Comics oder Zeichentrickfilme und illustriert Kinderbücher. "Es gibt viele Projekte und auch viele Comics zum Ersten Weltkrieg. An unserem Projekt ist besonders spannend, dass es bisher keine Comics zum Krieg gibt, die auf Deutsch und Französisch erscheinen, es gibt keine mit Zivilisten oder mit Kindern", sagt Mailliet. Sein Lieblingsprotagonist ist der kleine René.

Der Illustrator Jörg Mailliet hat die vier Figuren zeichnerisch entwickelt. Der 44-Jährige ist in Frankreich geboren, hat aber von seinem 4. Lebensjahr an bis zum Abitur in Berlin gelebt. Heute wohnt der Absolvent der Illustratorenschule Emile Cohl in Rennes, zeichnet Comics oder Zeichentrickfilme und illustriert Kinderbücher. "Es gibt viele Projekte und auch viele Comics zum Ersten Weltkrieg. An unserem Projekt ist besonders spannend, dass es bisher keine Comics zum Krieg gibt, die auf Deutsch und Französisch erscheinen, es gibt keine mit Zivilisten oder mit Kindern", sagt Mailliet. Sein Lieblingsprotagonist ist der kleine René.

René Lucot ist bei Kriegsausbruch sechs Jahre alt, der jüngste Protagonist in dem historischen Comic. Er hat zehn Jahre nach Kriegsende seine Memoiren geschrieben, aus denen seine Geschichte entwickelt wurde. Er verliert während des Krieges seine Mutter, muss fliehen und merkt nach einiger Zeit, dass der Krieg nicht nur ein Spiel ist.

Der Kölner Historiker Alexander Hogh ist Drehbuchautor und hat schon zahlreiche Dokumentationen mit historischem Inhalt verfasst und realisiert. Hogh hat die Aufzeichnungen der deutschen Zeitzeugen gefunden, historische und militärische Bilder aus dem Ersten Weltkrieg für den Illustrator Jörg Mailliet besorgt. "Den Ersten Weltkrieg aus der Sicht von zwei Nationen, von der Front und vom Hinterland aus zu erzählen, war besonders spannend," sagt Alexander Hogh. Nessi ist seine Lieblingsfigur.

Agnes Zenker wird Nessi gerufen und ist 13 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Sie beginnt im August 1914 mit ihrem Tagebuch. Damit folgt sie dem - eher unbekannten - kaiserlichem Aufruf, ein Kriegstagebuch zu führen. Ihre anfängliche Euphorie schlägt nach und nach in Frustration um. Besonders der Hunger und die vielen Toten auf beiden Seiten quälen das Mädchen gegen Ende des Krieges.

Die Fäden für das deutsch-französische Comic-Projekt laufen bei der französischen Politologin Julie Cazier zusammen, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Sie hat die Tagebücher in beide Richtungen übersetzt, hat ihren Verlag Tintentrinker gegründet, damit das Comic erscheinen kann. Auch die Finanzierung lag in ihrer Hand. "Das erste Geld kam vom Deutsch-Französischen Jugendwerk. Die Summe war zwar überschaubar, aber sehr ermutigend", sagt Julie Cazier. Auch die Bundeszentrale und einige Landeszentralen für politische Bildung sagten Unterstützung zu. Einen Lieblingsprotagonisten hat Julie Cazier nicht, aber die 350 Seiten Tagebuch von Lucien haben sie sehr bewegt.

Lucien Laby ist der älteste Protagonist und bei Kriegsausbruch 22 Jahre alt und Medizinstudent. Er beschreibt den Krieg sehr intensiv und genau, erlebt den Krieg mit allen Grausamkeiten hautnah an der Front. Er geht mit dem Ziel in den Krieg, einen Deutschen zu töten. Als Arzt darf er nicht in den Krieg ziehen, entledigt sich aber irgendwann seiner Rot-Kreuz-Binde und erschießt einen deutschen Soldaten. Er dokumentiert das mit den Worten: "Ich habe meine Pflicht als Franzose getan." Bis zum Ende des Krieges wartet er auf einen Orden, den er aus seiner Sicht eher verdient, als die Militärführer, die im Hinterland ein gemütliches Leben führen. Er hat seinen Orden erhalten.

Die Authentizität der erzählten Geschichten war dem deutsch-französischen Team sehr wichtig. Sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite hat sich Julie Cazier zwei Experten ins Boot geholt. Bevor das Comic in Druck ging, haben der deutsche Historiker Gerd Krumeich, Heinrich Heine Universität Düsseldorf, und sein französischer Kollege Nicolas Beaupré, Université Blaise Pascal Clermont-Ferrand, Inhalt und Zeichnungen genau geprüft.

Der Kölner Journalist Martin Block ist Mitherausgeber des Comics. "Ich habe viel über die Epoche gelernt während der Entstehung des Tagebuchs", sagt Block. "Ich wusste relativ wenig über den Ersten Weltkrieg und heute denke ich, dass es nicht zwei Weltkriege sondern nur einen mit einer längeren Pause gegeben hat." Außerdem können historische oder politische Inhalte in Comics für Jugendliche sehr interessant aufbereitet werden, so Block weiter. Sein Lieblingsprotagonist ist Walter.

Walter Bärthel ist zu Kriegsbeginn 16 Jahre alt. Er brennt darauf in den Krieg zu ziehen, wird aber schwer verletzt. Zeit seines Lebens wird er kriegsversehrt bleiben, deshalb muss er auch im Zweiten Weltkrieg nicht mehr an die Front. Schon vor Kriegsbeginn fängt der ambitionierte Schüler ein Tagebuch an, in dem er politische Ereignisse festhält und seine Umgebung und seine Eindrücke auch zeichnet.

Auf 120 Seiten werden die Geschichten der vier Protagonisten erzählt. Im Anhang gibt es noch mehr Eindrücke von Walter, René, Nessi und Lucien. Originalfotos, Skizzen, die Tagebücher und ein kurzer Lebenslauf erzählen vom Ersten Weltkrieg und wie es den vier jungen Menschen danach erging. Das Comic "Tagebuch 14-18" ist in Deutschland im Verlag Tintentrinker erschienen.

Stand: 26.06.2014, 06:30 Uhr