Auf Fotopirsch in der Eifel

Auf Fotopirsch in der Eifel

In Dahlem im Kreis Euskirchen hat jedes Haus einen eigenen Namen. Der ist sogar wichtiger als die Familiennamen seiner Bewohner, erzählt Frieda Müller. Sie hat aus ihrem Foto-Hobby ein Projekt gemacht – und ihr Heimatdorf dokumentiert.

Aufgeschlagenes Fotoalbum mit Bildern vom ehemaligen Gasthof Müller

Typisch für diese Eifelregion ist, dass die Häuser Namen haben. Müllers Elternhaus heißt "Wingerts". Dieser Name ist sogar wichtiger als der Familienname der Bewohner. So ist unter den Älteren im Dorf die Fotografin heute noch als "Wingerts Frieda" bekannt.

Typisch für diese Eifelregion ist, dass die Häuser Namen haben. Müllers Elternhaus heißt "Wingerts". Dieser Name ist sogar wichtiger als der Familienname der Bewohner. So ist unter den Älteren im Dorf die Fotografin heute noch als "Wingerts Frieda" bekannt.

Fotografiert hat Frieda Müller schon immer gerne. Ausgiebig dokumentierte sie zum Beispiel ihre Wanderungen, die sie mit dem Eifelverein machte. Doch vor gut zehn Jahren fing sie mit einem Fotoprojekt an, das sie mehrere Jahre beschäftigte: Systematisch hat sie alle Häuser in ihrem Geburtsort Dahlem fotografiert, Hintergründe recherchiert und alles in zwei großen Fotoalben dokumentiert.

Bereits in den 1950er Jahren war Frieda Müller mit ihrem Mann ins knapp zehn Kilometer entfernte Jünkerath gezogen, wo sie auch heute noch lebt. Doch ihre vier Kinder hat sie alle in Dahlem zur Welt gebracht. Tochter Renate und Schwiegersohn Holger haben mit ihren Fragen zum damaligen Dahlem das Fotoprojekt angestoßen.

Mit dem Zug fuhr Frieda Müller zwischen 2002 und 2009 immer wieder nach Dahlem: Mal hatte das Wetter nicht gepasst, mal hatte sie beim Zusammenstellen ihres persönlichen Fotobuchs gemerkt, dass Bilder fehlen.

Stets dabei: Ihre analoge Spiegelreflexkamera, die Canon F-1. Eine robuste, aber auch schwere Kamera, an der sie alles manuell einstellen musste.

Auch wenn ihr Ehemann zunächst nicht von dem Fotoprojekt überzeugt war, so ermunterte er seine Frau doch, sich eine neue Kamera zuzulegen. Mit Hilfe ihres Schwiegersohnes Holger fand sie eine leichtere, vollautomatische analoge Spiegelreflexkamera.

Hier ist sie als kleines Mädchen in den 1930er Jahren zu sehen. Seitdem hatte sich viel verändert. Bei ihren Fototouren musste sie oft an ihren Onkel Hans denken.

Wichtigste Quelle für ihre Recherchen war dieses Buch aus dem Jahr 1967, herausgegeben vom Eifelverein Dahlem. Für die Bildunterschriften in ihrem Fotobuch ergänzte sie diese Informationen um das, was sie selbst wusste oder in Gesprächen mit Alteingesessenen erfahren hatte.

Gerne hätte Frieda Müller in ihren beiden Dahlemfotobüchern auch Bilder von früher und heute verglichen. Aber es war zu aufwändig, die alten Bilder zusammenzutragen.

Ein Gebäude ist jedoch sehr gut über viele Jahrzehnte dokumentiert: Ihr Elternhaus, in dem früher eine Kneipe mit Pension war. Ihre Mutter führte den "Gasthof Müller", der Ende 1944 von einer Weltkriegsbombe zerstört wurde. Da der Vater von Frieda Müller bereits 1936 verstorben war, musste die Mutter den Gasthof wieder aufbauen, um ein Auskommen zu haben.

Schließlich verpachtete die Mutter die Gastwirtschaft. In den 1970er Jahren wurde sie unter dem Namen "Die Schildkröte" geführt. Nicht mit allen Pächtern hatte sie Glück, so wurde das Gebäude verkauft und verkam.

Heute befindet sich das Haus wieder in Familienbesitz, weil ein Sohn von Frieda Müller es kaufte und restaurierte. Statt einem Klaren wird dort heute Klarsicht serviert, denn ein Optiker und ein Augenarzt sind dort als Mieter eingezogen.

Dass dieses Haus eigentlich "Wingerts" heißt, wissen die Jüngeren in Dahlem nicht mehr, musste Frieda Müller feststellen. Überhaupt sei heute auch das Leben im Dorf anonymer geworden, bedauert sie.

Fortsetzen kann Frieda Müller ihr Fotoprojekt leider nicht: "Ich bin dreimal an den Beinen operiert worden, dafür bin ich jetzt zu alt." Aber sie denkt gerne daran zurück, denn es habe ihr sehr viel Spaß gemacht.

Stand: 07.08.2013, 06:00 Uhr