Funkhausgespräch zum RAF-Prozess in Stammheim

Funkhausgespräch zum RAF-Prozess in Stammheim

Von Dominik Reinle

Mehr als 30 Jahre nach dem RAF-Prozess in Stammheim hat WDR5 erstmals Passagen aus den wiederentdeckten Tonbänder der Verhandlung in einer Dokumentation veröffentlicht. Im Anschluss diskutierte WDR-Chefredakteurin Helga Kirchner mit Prozessbeteiligten.

Funkhausgesprächsrunde am 08.10.2007 (v.l.): Rupert von Plottnitz, Eberhard Foth, Klaus Jünschke, Helga Kirchner

Über das Stammheimer Verfahren gegen die RAF-Spitze diskutierte WDR-Hörfunk-Chefredakteurin Helga Kirchner beim WDR5-Funkhausgespräch am 8. Oktober 2007 mit drei Prozessbeteiligten (von links): Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz, Richter a.D. Eberhard Foth und Ex-RAF-Mitglied Klaus Jünschke.

Über das Stammheimer Verfahren gegen die RAF-Spitze diskutierte WDR-Hörfunk-Chefredakteurin Helga Kirchner beim WDR5-Funkhausgespräch am 8. Oktober 2007 mit drei Prozessbeteiligten (von links): Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz, Richter a.D. Eberhard Foth und Ex-RAF-Mitglied Klaus Jünschke.

Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz war im Stammheim-Prozess der Wahlverteidiger von RAF-Mitglied Jan-Carl Raspe. Am 40. Verhandlungstag, dem 30. September 1975, kommentierte von Plottnitz den Beschluss des Vorsitzenden Richter Theodor Prinzing, die Verhandlung ohne Angeklagte fortzusetzen, mit den Worten "Heil Dr. Prinzing". In den 1990er Jahren war von Plottnitz für die Grünen in Hessen zunächst Umwelt- und danach Justizminister.

Eberhard Foth war im Stammheim-Prozess zunächst Beisitzender Richter. Nachdem der Vorsitzende Richter, Theodor Prinzing, wegen Befangenheit im Januar 1977 ausgeschlossen wurde, übernahm Foth dessen Funktion. Er verkündete am 28. April 1977 das Urteil und dessen Begründung - fast drei Stunden lang vor leerer Anklagebank. Drei Jahre später wurde Foth zum Bundesgerichtshof gewählt und war dort als Strafrichter bis zu seiner Pensionierung tätig.

Ex-RAF-Mitglied Klaus Jünschke war im Stammheim-Verfahren als Zeuge geladen. Bei seiner Befragung stürzte er sich am 28. Juli 1976 auf den Vorsitzenden Richter Theodor Prinzing. Jünschke gehörte zusammen mit Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin zur ersten RAF-Generation. Er saß 16 Jahre lang im Gefängnis, davon sieben Jahre in Isolationshaft. Er wurde 1988 entlassen.

Helga Kirchner ist Chefredakteurin des WDR-Hörfunks und Leiterin des Programmbereichs Politik. Sie war 1995 Mitbegründerin des WDR5-Diskussionsforums "Funkhausgespräche". Sie moderierte die Sendung vom 8. Oktober 2007 (Dokumentation: Maximilian Schönherr; Regie: Nikolai von Koslowski; Redaktion: Thomas Nachtigall).

Stand: 18.10.2007, 15:30 Uhr