"Clement macht den Lafontaine"

Interview mit Edgar Moron zum Clement-Austritt

"Clement macht den Lafontaine"

Wolfgang Clements Austritt aus der SPD schockt seine Parteifreunde. Aber was bezweckt der ehemalige Ministerpräsident NRWs mit seinem Schritt? WDR.de hat den Vizepräsidenten des NRW-Landtags, Edgar Moron (SPD), gefragt.

WDR.de: Herr Moron, was bedeutet der Austritt von Wolfgang Clement für die SPD?

Edgar Moron: Das ist ein großer Verlust. Ich bin über die Entscheidung überrascht, enttäuscht aber auch wütend. Denn das ist nicht die Reaktion, die ich von Wolfgang Clement erwartet habe.

WDR.de: Sie sind ein alter Weggefährte Clements und kennen ihn gut. War diese Reaktion abzusehen?

Edgar Moron, Vizw-Landtagspräsident

Landtagspräsident Edgar Moron

Moron: Eigentlich ja nicht: Denn Wolfgang Clement hat ja immer wieder betont, dass er dafür kämpfen wird, in der SPD zu bleiben. Dass er jetzt den Lafontaine macht - das hätte ich ihm niemals zugetraut. Er vertritt sicherlich im Augenblick innerhalb der SPD eine Meinung, die nicht von allen geteilt wird. Aber von vielen. Und wenn man eine politische Meinung hat, dann kämpft man für seine Überzeugungen. Und nimmt nicht einfach seinen Hut und geht.

WDR.de: Also kommt der Schritt nun auch für Sie völlig überraschend?

Moron: Wir haben uns in der Vergangenheit öfter über diese Frage unterhalten. Alle haben ihm gesagt: Wolfgang, Du hast in dieser Partei zu bleiben! Und zusammen mit dieser Partei die Entscheidungen in die richtige Richtung zu lenken. Und jetzt haut er einfach ab. Damit nimmt ihn in der SPD auch keiner mehr ernst.

WDR.de: Clement sagt, er sei zu diesem Schritt gezwungen worden. Ist das so?

Moron: Das kann ich nicht nachvollziehen. Er hat eine Rüge bekommen - na und? Jeder hat schon mal etwas getan, das unter Umständen hätte gerügt werden können. Jetzt arbeitet er nur denjenigen in die Hände, die völlig anderer politischer Meinung sind als er selbst. Seiner Sache nützt er damit kein bisschen.

WDR.de: Clement begründet seinen Schritt auch damit, dass die SPD-Spitze keinen klaren Trennungsstrich zur Linkspartei ziehe. Hat er Recht?

Moron: Diese Zusammenarbeit gibt es doch längst. Als Clement Wirtschaftsminister war, hat die SPD in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin Koalitionen mit der PDS gehabt. Außerdem gab es die Tolerierung einer Regierung in Sachsen-Anhalt durch die PDS. Da ist er doch auch nicht aus der Partei ausgetreten. Warum jetzt? Und warum dieses Getue? Das kann ich einfach nicht verstehen.

WDR.de: Sie klingen wütend. Sind Sie auch menschlich enttäuscht?

Moron: Wir werden immer noch ein Bier trinken können. Man muss ja nicht alles in die persönlichen Beziehungen einbringen. Aber politisch ist das grundfalsch. Und ich bin in der Tat ziemlich sauer auf ihn.

WDR.de: Welche direkten oder indirekten Auswirkungen könnte der Fall Clement auf die kommenden Wahlen haben?

Moron: Das wird überhaupt keine Auswirkungen haben! Der bildet sich ein, dass das wasweißich für Reaktionen hervorruft! Das ist eine Meldung von heute. Und morgen ist das vergessen. Und was hat er erreicht? Gar nichts. Nichts!

Das Gespräch führte Andreas Poulakos.

Stand: 25.11.2008, 12:06