Arcandor: Kampf um jeden Arbeitsplatz

Karstadt-Kunden gehen an einem Display für eine Unterschriftenaktion vorbei

Drohende Schließung treibt Karstadt-Mitarbeiter auf die Straße

Arcandor: Kampf um jeden Arbeitsplatz

Jetzt erst recht: Trotz der Absage aus Berlin geben die Karstadt-Mitarbeiter nicht auf. In Köln sammelten sie Unterschriften, in Essen zogen sie durch die Stadt. Vor der dortigen Arcandor-Zentrale schwor Konzernchef Eick die Belegschaft auf einen Kampf um jeden Job ein.

Erst legte er Krawatte und Jackett ab, dann griff er sich ein Megaphon und stieg auf eine rote Leiter: Hans-Gerhard Eick, Chef des Arcandor-Konzerns, wollte selbst zur Belegschaft sprechen, die sich vor der Zentrale in Essen versammelt hatte. Die hatte die schlechten Nachrichten aus Berlin schon vernommen: Eine Staatsbürgschaft für den Konzern würde es nicht geben, die Insolvenz damit wieder wahrscheinlicher. Eick verbreitete trotzdem Zuversicht: Die Absage aus Berlin bedeute keineswegs die Insolvenz. Erst wenn auch der Rettungskredit abgelehnt werde, sei sie unausweichlich. Eick: "Wir kämpfen bis zur letzten Minute."

Eick, der das Unternehmen erst seit März leitet, dankte der Belegschaft für ihre "großartige Unterstützung"; die quittierte den Auftritt mit lautem Applaus. "Das war ein sehr positiver und kämpferischer Auftritt", kommentierte Betriebsrätin Gabriele Schuster anschließend.

"Wir sind hier, wir sind laut"

Anschließend formierte sich ein Autokonvoi, der zum Karstadt- Haus in der Ínnenstadt fuhr - eine der rund 90 Filialen, die geschlossen werden, sollte der Mutter-Konzern Arcandor tatsächlich in die Pleite rutschen. Dort hatten seit dem frühen Morgen 1.500 Mitarbeiter ausgeharrt und auf die Entscheidung aus Berlin gewartet. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Arbeit klaut", skandierten sie und hielten dabei Schilder hoch mit der Aufschrift "Es geht um 56.000 Arbeitsplätze".

Die Mitarbeiter trugen Schwarz

Auch in anderen Städten meldeten die Karstadt-Mitarbeiter Protest an und führten der Kundschaft vor Augen, was eine Schließung bedeuten würde. In Iserlohn verhüllten sie kurzerhand die Schaufenster und zeigten nur ein Schild mit der Aufschrift: "Ohne Karstadt fehlt ein Stück Iserlohn". Ähnlich der Protest in Köln: Statt der neuesten Mode gab es in den Schaufenstern nur dunkle Tücher zu sehen, die Mitarbeiter trugen Schwarz und Transparente. Die Stimmung schwankte zwischen und Hoffen und Bangen: "Die Stimmung könnte schlechter nicht sein", beschreibt es Markus Linden,. "Wir versuchen weiter, lächelnd zu verkaufen, aber in unserem Inneren sieht es düster aus, wird sind alle sehr bedrückt." Eine Auszubildende: "Es stehen ja tausende Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze auf dem Spiel, und ich habe natürlich auch Sorge, dass ich hier nicht zu Ende lernen kann."

Tränen vor der Kaufhaustür

Wie geht es weiter mit Arcandor? Aktuelle Stunde 10.06.2009 Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Die Kölner Mitarbeiter hofften am Morgen auf die Politik: "Wir brauchen staatliche Hilfen. Ein Zusammengehen mit Kaufhof wäre auch wieder keine langfristige Lösung." Um die Politiker zu beeindrucken, sammelten sie seit Tagen Unterschriften für den Erhalt ihrer Filiale. Auch am Montag unterschrieben die Kunden, viele bekundeten auch ihre Betroffenheit, einige brachen sogar in Tränen aus. "Wer so etwas platt macht, gehört bestraft", sagte eine Kundin.

Stand: 08.06.2009, 16:24