Stichtag

12. März 1914 – George Westinghouse stirbt in New York

1866 kommt George Westinghouse nicht weiter. Mehrere Stunden sitzt er im stehenden Zug, weil zwei kollidierte Güterzüge die Strecke blockieren. Deren Bremser haben es nicht geschafft, per Hand rechtzeitig zu bremsen. Wenn diese "die Möglichkeit gehabt hätten, alle Räder ihres Zuges gleichzeitig zu bremsen, dann hätte sich der Unfall vielleicht vermeiden lassen", lautet Westinghouses Schlussfolgerung. "Das hätte meinen Mitreisenden und mir eine Menge Zeit erspart."

Sofort macht sich der 20-jährige daran, eine solche Möglichkeit zu entwickeln. Hierzu verbindet er die Lokomotive über ein Druckluftleitsystem mit den folgenden Waggons. Darüber kann der Lokführer alle Bremsen des Zuges gleichzeitig betätigen. Die Folge: Züge können gefahrlos schneller fahren und auch länger werden; die Gefahr der Entgleisung ist geringer. Innerhalb kürzester Zeit bremsen zahlreiche Züge in den USA und in Europa mit Bremsen von Westinghouse. Der Erfinder, der zu dieser Zeit schon mehrere Eisenbahnpatente besitzt, verdient ein Vermögen. Bis heute werden Züge mit Dampfdruckbremsen zum Stehen gebracht.

Kampf gegen Edison

Geboren wird Westinghouse 1846 in Central Bridge im US-Bundesstaat New York. Sein Vater produziert landwirtschaftliche Maschinen und vererbt seinem Sohn den Erfindergeist. Sein erstes Patent erhält Westinghouse 1865 für eine "rotierende Dampfmaschine". 1893 wird seine Dampfdruckbremse in den USA für Züge Pflicht. Westinghouse verbessert Waggonkupplungen und erfindet automatische Signale. Nach der erfolgreichen Weiterentwicklung der Telefonie durch Alexander Graham Bell erfindet er ein Umverteilungssystem, das den Verdrahtungsaufwand in den zentralen Schaltstellen der Telefongesellschaften erheblich senkt.

Über die Telefonie findet Westinghouse zur Stromversorgung, die dank Thomas Alva Edison vor allem auf Gleichstrom basiert. Westinghouse erkennt, dass sich mit Wechselstromanlagen Energie über weitaus größere Distanzen mit weitaus geringerem Verlust transportieren ließe. Edisons lärmende, dreckige und übel riechende Kraftwerke hingegen müssen in unmittelbarer Nähe elektronischer Geräte – also vor allem in den Vierteln der Reichen – stehen. Dank Westinghouses Technik können sie direkt am Hafen errichtet werden, wo die Kohle für ihren Betrieb auch angeliefert wird.

Ein wahrhaft mörderischer Plan

Seine Idee vom Wechselstrom durchzusetzen ist nicht einfach. Edison erweist sich als starker Gegner, der auch vor unfairen Mitteln nicht zurückschreckt. Über Flugblätter lässt er verbreiten, dass der auf Hochspannung basierende Wechselstrom lebensgefährlich sei. Als die US-Regierung den Allround-Erfinder Edison um eine humanere Tötungsmethode als den Strang für Verbrecher bittet, schlägt er listig Wechselstromschläge vor. Ein über Mittelsmänner beschaffter Westinghouse-Generator tötet 1890 den ersten Menschen auf dem Elektrischen Stuhl. Dass dieser zwei Mal betätigt werden muss, bis der verkokelte Verurteilte stirbt, ist keine gute Presse.

Trotzdem ist der Sieg des Wechselstroms nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Glühbirnen erstrahlen in den USA mit Westinghouses Technik. Der Unternehmer schafft dies durch eine souveräne, stets freundliche Überzeugungsarbeit – und dadurch, dass es ihm gelingt, geniale Ingenieure wie den Serben Nikola Tesla um sich zu versammeln. 1893 erringt Westinghouse durch die Beleuchtung der Weltausstellung in Chicago einen weiteren Sieg über Edison. Als zur Jahrhundertwende ein Kraftwerk an den Niagarafällen für Wechselstrom ausgerichtet wird, ist der Stromkrieg zwischen den Unternehmern endgültig entschieden.

1905 kann Westinghouse seine beiden Leidenschaften für den Strom und die Eisenbahn verbinden und präsentiert eine Elektrolok. Er stirbt am 12. März 1914 in New York. Da arbeiten in seinen Firmen bereits rund 50.000 Menschen. Er hinterlässt mehr als 300 eigene Patente - und einen Privatzug, mit dem er zu seinen Fabriken fuhr.

Stand: 12.03.2014

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