Stichtag

27. Februar 1978 - Vorstellung des Umweltzeichens "Blauer Engel"

Grünes Bio-Siegel, Euroblume, FSC-Siegel und Öko-Tex – beim Einkaufen stoßen Verbraucher auf zahlreiche Gütezeichen, die Produkte und Dienstleistungen als besonders umweltschonend ausweisen. Eine besondere Stellung im dichten Dschungel der Umweltzeichen nimmt der "Blaue Engel" ein: Initiiert vom deutschen Bundesinnenministerium und den für Umweltschutz zuständigen Länderministerien, ist er das älteste Öko-Label der Welt.

Das blaue Signet mit der stilisierten Gestalt in einem Ährenkranz, ursprünglich das Umwelt-Emblem der Vereinten Nationen, wird im Februar 1978 der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten mit dem "Blauen Engel" ausgezeichneten Waren sind Spraydosen ohne Ozon schädigendes FCKW, Mehrwegflaschen und Recycling-Papier. Das bundesrepublikanische Öko-Siegel erweist sich bald als Exportschlager und wird in ähnlicher Form von vielen anderen Ländern übernommen.

Bis zu 6.000 Euro Gebühr

Beantragt ein Unternehmen das Umweltzeichen, prüfen das Umweltbundesamt und das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, ob das Produkt grundlegende Voraussetzungen erfüllt. Dann entscheidet eine unabhängige Jury aus Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden sowie Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kirchen über die Vergabe des "Blauen Engels". Gegen eine jährliche Gebühr von bis zu 6.000 Euro darf sich das Produkt dann mit dem werbewirksamen Zeichen schmücken. Nach rund vier Jahren muss es der Hersteller aber zur erneuten Prüfung vorlegen.

Allerdings bescheinigt der "Blaue Engel" den Verbrauchern keine umfassende ökologische Unbedenklichkeit. Das Zeichen attestiert lediglich bestimmte umweltschonende Eigenschaften, die das Prüfgut im Gegensatz zu ähnlichen auf dem Markt befindlichen Produkten besitzt. Käufer erkennen dies am Zusatz im Logo, wo es dann heißt "…weil Mehrweg", "emissionsarm" oder "aus 100 % Altpapier". Angesichts dieser Einschränkungen sowie der Kosten des Prüfverfahrens stößt der Engel anfangs auf wenig Gegenliebe. Unternehmen wie Medien bezweifeln dessen erhoffte Signalwirkung für ein grünes Bewusstsein der Verbraucher.

"Blauer Engel" auch für Frachtschiffe

Kritik am "Blauen Engel" kommt auch von den Umweltschützern selbst. Gerd Billen, heute Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen und ehemals Mitglied der Prüfjury, bemängelt 1987 im WDR Fernsehen: "Es werden viele Produkte ausgezeichnet, die nicht umweltfreundlich sind. Dieser Umweltengel wird inflationär gebraucht." Doch mit einer Verschärfung der Auflagen, die Billen und seine Mitstreiter durchsetzen, wächst das Vertrauen der Kunden in das Öko-Siegel - und damit auch dessen Werbewirksamkeit.

Prangte der Engel zwei Jahre nach seiner Einführung erst auf 80 Produkten, so steigt die Zahl bis 1990 auf 3.600. Gegenwärtig tragen nach offiziellen Angaben insgesamt mehr als 11.000 Artikel das blaue Zeichen. Auch umweltfreundlich und energiesparend betriebene Dienstleister wie Carsharing-Firmen und Frachtschiffe, Rechenzentren oder Waschsalons locken heute mit dem "Blauen Engel" umweltbewusste Kundschaft an.

Stand: 27.02.2013

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