27. Oktober 1910 - Patent für Aluminium-Walzverfahren angemeldet

Stand: 27.10.2020, 00:00 Uhr

Im Juli 1969 betreten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Noch bevor die Astronauten die US-Flagge hissen, rammen sie einen Pfahl mit Aluminiumfolie in den Mondboden. Diese soll kleinste Partikel einfangen, die von der Sonne ausgestrahlt wurden.

Auf der Erde ist das dünn gewalzte Leichtmetall omnipräsent. Etwa drei Viertel der Weltproduktion wird für Verpackungen und im Haushalt genutzt. Aluminium lässt weder Sauerstoff noch Licht durch und ist deshalb für Lebensmittelverpackungen und -beschichtungen unverzichtbar.

Patent für Massenproduktion von Alufolie (am 27.10.1910) WDR 2 Stichtag 27.10.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 25.10.2030 WDR 2

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Vielfach dünner als menschliches Haar

Und wer hat's erfunden? Ein Schweizer. Am 27. Oktober 1910 meldet der Schaffhauser Robert Victor Neher ein Verfahren zum Patent an, mit dem Aluminium zu dünnen Endlosfolien ausgewalzt werden kann. Nehers erster Kunde ist die Berner Schokoladenfirma Tobler.

Eines der heute weltgrößten Walzwerke steht in Grevenbroich am Niederrhein. Das zum norwegischen Konzern Norsk Hydro gehörende Unternehmen walzt noch immer nach der von Neher erfunden Methode, nur wesentlich schneller, breiter und dünner. "Wir erreichen eine Dicke um sechs My", sagt der Produktentwickler Nils Bauerschlag. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar misst 20 bis 30 My.

Das Geheimnis der Glanz- und Mattseite

Ausgangsstoff für das silbrige Leichtmetall ist Bauxit. Daraus wird flüssiges Aluminium gewonnen und zu acht Meter langen und etwa 600 Millimeter dicken Barren gegossen. Die Herstellung verbraucht enorme Energiemengen; als Abfallprodukt entsteht hochgiftiger, umweltschädlicher Rotschlamm.

Walzmaschinen im Hydro-Aluminiumwerk Grevenbroich | Bildquelle: REUTERS

Die Barren durchlaufen sechs Walzvorgänge. Beim letzten ist das Aluminium so dünn, dass zwei Folien aufeinandergelegt werden müssen. "Deshalb hat Haushaltsfolie immer eine Glanz- und eine Mattseite", erklärt Nils Bauerschlag. "Die Mattseiten sind die Innenflächen dieser übereinander gelegten Folien."

Gesundheitsrisiken möglich

Wegen der umweltschädlichen Produktion ist Recycling von Aluminium besonders wichtig. Es kann immer wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt und ohne Qualitätsverlust im Endprodukt eingeschmolzen werden. Bei Verpackungen ist Aluminium im Kontakt mit sauren und salzigen Flüssigkeiten besonders gut löslich und kann so in den menschlichen Körper gelangen.

In geringen Mengen sei das unproblematisch, urteilt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Über einen langen Zeitraum in höheren Dosen aufgenommen, kann Aluminium allerdings zu Entwicklungsstörungen führen und Schäden am Nervensystem, dem Knochenaufbau und vor allem an den Nieren auslösen.

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