4. April 1865 – "Max und Moritz" erscheint

Stand: 04.04.2020, 00:00 Uhr

"Ich schicke Ihnen nun hier die Geschichte von Max und Moritz, die ich zu Nutz und eigenem Plaisier auch gar schön in Farbe gesetzt habe", schreibt der 32-jährige Wilhelm Busch an den Verleger Casper Braun. Der Autor bittet den Empfänger noch, er möge sein Werk recht freundlich in die Hand zu nehmen.

Denn Wilhelm Busch geht es schlecht. Die Geschichte von den bösen Buben hat bereits ein anderer Verleger abgelehnt. Die Frau, die er liebt, darf er nicht heiraten.

Sein Vater dringt darauf, er möge endlich auf eigenen Füßen stehen. Und das Kunst-Studium in Düsseldorf, München und Antwerpen hat nicht den erhofften Durchbruch gebracht.

Das Buch "Max und Moritz" erscheint (am 04.04.1865) WDR 2 Stichtag 04.04.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 02.04.2030 WDR 2

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Biederes Leben auf dem Land

Stattdessen muss Wilhelm Busch wieder in seiner Heimatstadt Wiedensahl Zeit verbringen. In der niedersächsischen Provinz gilt er als verschrobener Sonderling.

Dank seines Maltalents und seinem feinen Sprachgefühl rächt sich der Eigenbrötler auf seine Art: Er zeichnet die arme Witwe, den Orgel spielenden Lehrer, den wohlanständigen Onkel, den Schneider samt Müller, Bäcker und Bauer und setzt sie den Streichen von Max und Moritz aus.

Und was machen die Erwachsenen? Die Witwe Bolte geht mit dem Kochlöffel auf den Spitz los, der Schneider kommt direkt mit der Elle raus, weil die Jungs ihn mit Worten necken und der Müller bringt die Buben um.

Spiegelbild der Fehler und Marotten

Bieder und gefühllos, so entlarvt Wilhelm Busch die Dorfbewohner, deckt ihre Fehler und Marotten auf. Mitgefühl, Empathie oder gar Humor sucht man in der Erwachsenenwelt von Max und Moritz vergeblich. "Und woher sollen die Kinder das lernen?", fragt die Kölner Psychologin Elisabeth Raffauf.

Allerdings wird "Max und Moritz" lange nicht als Kritik an den Erwachsenen interpretiert. Vielmehr fürchtet man, die frechen Streiche könnten zum Nachahmen animieren, das Werk gilt bis ins 20. Jahrhundert als jugendgefährdend.

Erfinder der Comics

Verleger Braun macht sich um die Moral indes wenig Sorgen und erkennt das Potenzial der Verse. Braun kauft dem noch unerfahrenen Autor Wilhelm Busch für 1.000 Gulden sämtliche Rechte ab. Die ersten Exemplare gelangen 1865 in den Handel.

Als Wilhelm Busch 1908 stirbt, ist "Max und Moritz" in Deutschland bereits eine halbe Million Mal verkauft worden und in elf weiteren Sprachen erschienen, darunter auf Japanisch und Hebräisch.

Auch die Übersetzungen sind eine große Leistung, denn ganz nebenbei hat Wilhelm Busch die Sprache des Comics erfunden: "Schwuppdiwupp – Ritzeratze – kritze kratze – knusper knasper."

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