21. November 1916 - Untergang der "Britannic"

Stand: 21.11.2016, 00:00 Uhr

Mit ihren luxuriösen Flaggschiffen, die den Konkurrenten Cunard auf der Atlantikpassage ausstechen sollen, hat die Reederei "White Star Line" offenbar kein Glück. Zwar hat die "Olympic" ihren ersten Einsatz gerade erfolgreich hinter sich gebracht, doch verunglückt die "Titanic" 1912 bereits bei ihrer Jungfernfahrt. Bei deren Havarie mit einem Eisberg ist die "Britannic" gerade erst auf Kiel gelegt.

Sofort gibt es Gerüchte, dass Projekt könne abgeblasen werden. Aber die "White Star Line" braucht das neue Schiff, um wirtschaftlich überleben zu können. Und setzt deshalb gegenüber den zwei älteren Schwesterschiffen auf noch mehr Luxus: Die Zahl der Kabinen mit eigenem Bad soll vervierfacht, der Rauchersalon mit Zedernholz aus dem Libanon verkleidet werden. Für das Treppenhaus wird in Deutschland eine Orgel bestellt, die die "Britannic" aber nie erreicht: Heute steht sie in einem Musikautomatenmuseum in der Schweiz.

Der Luxusliner wird Lazarettschiff

Um das Vertrauen der Reisenden nach dem Untergang der "Titanic" zurückzuerlangen, setzt die Reederei auf mehr Sicherheit. Statt vier zu flutenden Abteilungen bekommt die "Britannic" im Vorderbereich gleich sechs, die Trennwände werden höher gezogen, entlang der Kesselräume erhält das Schiff eine doppelte Außenwand. Auch die Anzahl der Rettungsboote wird deutlich aufgestockt. Riesige Kräne sollen dafür sorgen, dass sie im Notfall sicher ausgesetzt werden können.

Im Frühjahr 1914 läuft die "Britannic" vom Stapel, für das darauf folgende Frühjahr kündigt die "White Star Line" die Jungfernfahrt an. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs macht der Reederei aber einen Strich durch die Rechnung. Der luxuriöse Ausbau der Innenräume wird gestoppt. Dann braucht die britische Armee nach der verlustreichen Offensive auf den Dardanellen 1915 dringend Lazarettschiffe, um die vielen Verletzten von der griechischen Insel Limnos zu evakuieren. Innerhalb nur eines Monats wird die "Britannic" im Sinne ihres neuen Verwendungszweckes umgebaut. Sie wird weiß angestrichen und erhält ein von roten Kreuzen unterbrochenes grünes Band.

Schuld ist eine Mine

Auch als Lazarettschiff hat die "Britannic" den Charme eines Luxusdampfers nicht ganz verloren. Krankenschwestern und Verwundete scheinen dies während mehrerer Einsätze zu genießen. Im November 1916 bricht das Schiff dann abermals nach Limnos auf. Nach einem Zwischenstopp in Neapel, wo frisches Wasser und Kohle an Bord kommen, erreicht die "Britannic" am 21. November 1916 den Kanal von Kea, einer vor Attika liegenden Kykladeninsel. Dann ertönt an Bord ein lauter Knall.

Wie bei der "Titanic" scheint dies die Passagiere zunächst nicht zu kümmern. Im Frühstückssaal äußert man sich bedauernd über das arme Schiff, das offenbar mit der gewaltigen "Britannic" kollidiert sei. Aber dann macht die Nachricht von einer schweren Explosion die Runde, der ein riesiges Loch gerissen hat. Offenbar ist die "Britannic" auf eine Mine aufgefahren. Bei der Rettungsaktion werden mehrere Rettungsboote von den Schiffsschrauben zermalmt. So sterben von den 1.066 Menschen an Bord 30. Der Rest kann gerettet werden. Mehrere Schiffe eilen zur Unglücksstelle und nehmen die Schiffbrüchigen auf. Die "Britannic" versinkt in 120 Meter Tiefe.

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