28. August 1957 - Der Künstler Ai Weiwei wird in Peking geboren

Als Konzeptkünstler, Filmemacher und Menschenrechtler ist Ai Weiwei voll produktiver Unruhe. Haft und Gewalt in China haben ihn nicht brechen können. Seine Kunst ist politisch, mischt sich ein, klärt auf.

"Ich bin ein sehr gut ausgebildeter Künstler mit bestimmten Fertigkeiten", sagt Ai Weiwei und diese Fertigkeiten müssten sich "auf die Menschen beziehen, auf ihren Existenzkampf" und "auf Chinas Wirklichkeit". Das ist der Anspruch, dem er seit Jahrzehnten folgt.

Ai Weiwei, chinesischer Künstler (Geburtstag, 28.08.1957) WDR ZeitZeichen 28.08.2022 14:50 Min. Verfügbar bis 28.08.2099 WDR 5

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Das Erdbeben von Sichuan

Aus seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan am 12. Mai 2008 wird eine fundierte Recherche und Anklage. Unter den schätzungsweise 70.000 Toten sind viele Kinder. Sie starben in Schulen, die wie Kartenhäuser zusammenfielen, während umliegende Gebäude standhielten. Korruption und Pfusch am Bau sind die Gründe.

Mit 30 Freiwilligen geht Ai Weiwei in die entlegenen Dörfer. Sie tragen die Namen der toten Kinder zusammen, entreißen sie dem Vergessen. "Remembering" - so heißt die Installation, die Ai Weiwei 2009 in München zeigt: Tausende Schulrucksäcke bilden den chinesischen Satz: "Sieben Jahre lebte sie glücklich in dieser Welt." Worte einer trauernden Mutter.

Mit dem Vater in die Verbannung

Den Mut, sich gegen einen autoritären Staat aufzulehnen, hatte schon Ai Weiweis Vater, der Dichter und Regimekritiker Ai Qing. Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes am 28. August 1957 in Peking wird der Vater in die Mandschurei und nach Uigurien verbannt, muss dort öffentliche Toiletten putzen. 20 Jahre nach seiner Verbannung wird er rehabilitiert.

Ai Weiwei studiert mit Anfang 20 zunächst in Peking an der Filmakademie, wechselt dann in die USA, nach New York. Dort lernt er Popart, Dadaismus und Konzeptkunst kennen.

Exil in Deutschland

Als sein Vater schwer erkrankt, kehrt Ai Weiwei 1993 nach China zurück - und opponiert gegen das Regime. Auch eine lebensgefährliche Hirnblutung nach Schlägen von Sicherheitskräften in Sichuan im Jahr 2009 hält ihn nicht davon ab. Ebenso wenig eine 81-tägige Haft mit Folter in Peking 2011. Erst 2015 kann er ins Exil nach Berlin gehen.

Enttäuscht kehrt er nach einigen Jahren Deutschland den Rücken und spart nicht mit deftiger Kritik: Berlin sei "sehr hässlich und schmutzig", die Menschen "ignorant, unhöflich und ängstlich". Ai Weiwei geht zunächst nach Großbritannien und dann nach Portugal, wo er heute lebt.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Claudia Belemann
Redaktion: David Rother

Programmtipps:

ZeitZeichen auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 28. August 2022 an den Geburtstag des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Das ZeitZeichen gibt es auch als Podcast.

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