19. Februar 2008 - Kubas Staatschef Fidel Castro gibt seinen Rücktritt bekannt

Fast 50 Jahre lang bestimmt Fidel Castro Kubas Politik: Als Revolutionär stürzt er 1958 Diktator Batista und führt den Sozialismus ein. Kommunist ist der "Máximo líder" aber nicht von Anfang an.

Fidel Castros Vorbild ist José Marti. Der kubanische Dichter schreibt Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Unterdrückung des Landes durch die Kolonialmacht Spanien an. Neben dem Wort greift er auch zur Waffe. 1895 stirbt er auf dem Schlachtfeld des zweiten kubanischen Unabhängigkeitskrieges und wird auf einem Friedhof in Santiago de Cuba begraben. Er gilt als Nationalheld.

Castro sieht sich als revolutionärer Erbe des Dichters: "Während des Unabhängigkeitskampfes hat Marti gezeigt, dass es unter Umständen auch notwendig sein kann, in den Krieg zu ziehen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt." Das liege also in der politischen Tradition Kubas.

Sohn eines Großgrundbesitzers

Zu Beginn von Fidel Castros Leben gibt es keine Anzeichen, dass er ein Revolutionär werden könnte. Der Sohn eines Großgrundbesitzers wird - vermutlich - 1926 im Osten Kubas geboren und besucht die besten Schulen. Er studiert Jura und Sozialwissenschaften. Als Mitglied einer liberalen bürgerlichen Partei lässt er sich für die Parlamentswahl aufstellen. Doch dann vereitelt ein Staatsstreich seine Pläne: Der Politiker Fulgencio Batista putscht 1952 und errichtet eine brutale Diktatur.

Castro klagt erfolglos gegen die Absage der Wahl und greift am 26. Juli 1953 mit rund 100 Gleichgesinnten die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba an. Die Rebellen wollen Waffen für einen Volksaufstand erbeuten. Doch der Angriff scheitert. Castro wird festgenommen und verteidigt sich als junger Anwalt selbst:

"Verurteilt mich, das hat nichts zu bedeuten, die Geschichte wird mich freisprechen." Fidel Castro, Plädoyer von 1953

Sieg über Diktator Batista

Das Urteil lautet: 15 Jahre Haft. Castro kommt aber 1955 nach einer Generalamnestie frei: "Als wir aus der Haft entlassen wurden, hatten wir schon eine andere Kampfstrategie entwickelt." Zusammen mit seinen Getreuen lässt er sich in Mexiko militärisch ausbilden. Im Sommer 1958 besteht die Guerilla aus rund 300 Männern. Sie schlägt überraschend die Armee von Batista, dessen Regime von den USA unterstützt wird.

Während einige Guerilla-Verbände Anfang Januar 1959 in die Hauptstadt Havanna im Westen einziehen, startet Castro vom Osten Kubas zu einem einwöchigen Triumphzug über die Insel nach Havanna. Die meisten Kubaner unterstützen die Revolution, viele von ihnen flüchten jedoch auch in die USA.

Fidel Castro gibt seinen Rücktritt bekannt (am 19.02.2008) WDR ZeitZeichen 19.02.2023 14:56 Min. Verfügbar bis 19.02.2099 WDR 5

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Vom Liberalen zum Kommunisten

1960 bringt Castro Kuba auf die Bühne der Weltpolitik und spricht vor der UN-Vollversammlung in New York. Er wirbt anfangs auch bei den USA für die kubanische Revolution: "Ich sage Ihnen sehr deutlich, wir sind keine Kommunisten." Doch das ändert sich: Aus dem Liberalen Fidel wird nach und nach ein überzeugter Kommunist. Er enteignet Großgrundbesitzer und verstaatlicht Betriebe, die mehrheitlich in US-amerikanischer Hand sind.

Politisch sucht Castro die Nähe der Sowjetunion und legt sich mit den USA immer wieder an. Auch kein Embargo zwingt Kuba in die Knie. Zur offenen Konfrontation kommt es im Frühjahr 1961: Exilkubaner versuchen von der Schweinebucht aus, Kuba militärisch anzugreifen. Die USA unterstützen die Invasion - diese scheitert aber.

Ziel von Attentaten

1962 spitzt sich die Lage erneut zu, als die Sowjetunion versucht, auf Kuba Mittelstreckenraketen zu stationieren. US-Präsident John F. Kennedy verkündet als Reaktion eine Seeblockade der Karibikinsel. Die Welt steht am Rande eines Atomkriegs. Dann drehen die sowjetischen Schiffe kurz vor dem US-Sperrgürtel um die Insel ab.

In den 49 Jahren seiner Regierungszeit soll es nach Angaben des kubanischen Geheimdienstes mehr als 600 versuchte Attentate auf Castro gegeben haben. Die meisten angeblich geplant von der CIA. Doch der Staatschef überlebte sie alle. Er revanchiert sich auf seine Weise. Als er 1980 mehr als 100.000 Regimegegner vom kleinen Hafen Mariel in die USA ausreisen lässt, sind darunter auch Menschen, die aus Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten stammen.

Gemischte Bilanz

Nach dem Zerfall der Sowjetunion gerät das Land in eine tiefe Krise. Als Castro im Alter krank wird, überträgt er 2006 die Amtsgeschäfte zunächst an seinen Bruder Raúl. Am 19. Februar 2008 erklärt der "Máximo líder" schließlich seinen Rücktritt. Die Bilanz seiner Regierungszeit ist gemischt: Castro hat den unteren Schichten Kubas den sozialen Aufstieg ermöglicht und für soziale Leistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich gesorgt. Auf der anderen Seite steht ein Staat ohne Meinungsfreiheit und freie Wahlen, stattdessen mit Einheitspartei und politischen Gefangenen.

Fidel Castro stirbt am 25. November 2016 in Havanna - nach offiziellen Angaben mit 90 Jahren. Der Trauerzug mit seiner Urne nimmt den Weg, auf dem er als junger Revolutionär nach Havanna gezogen ist, in umgekehrter Richtung. Seine Asche wird auf jenem Friedhof in Santiago de Cuba bestattet, wo sich auch das Grab von José Marti befindet.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Andrea Kath
Redaktion: Matti Hesse

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