11. Juli 1946 - Erster Spatenstich für die erste Hochhaussiedlung Deutschlands

Stand: 11.07.2021, 10:20 Uhr

Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Briten suchen nach einer Hauptstadt für ihre Besatzungszone. Die Wahl fällt auf Hamburg. Weil das Verwaltungspersonal Büros und Wohnungen braucht, sollen ursprünglich Häuser beschlagnahmt werden. Aber etwaige Unruhen will man vermeiden.

Also muss eine andere Lösung her. So entsteht die Idee für die erste Hochhaussiedlung Deutschlands.

Erster Spatenstich für erste dt. Hochhaussiedlung (am 11.07.1946) WDR ZeitZeichen 11.07.2021 14:53 Min. Verfügbar bis 12.07.2099 WDR 5

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Mindestens eine Sonnenstunde täglich

Als Standort wählt die britische Militärregierung den Grindelberg am Rande des feinen Stadtteils Harvestehude. Von den einstigen über tausend Wohnungen sind dort nur noch etwas mehr als 100 intakt.

Im April 1946 erhält eine Gruppe politisch unbelasteter Architekten den Auftrag, für den Standort Wohnungen für etwa 3.000 Offiziere und Unteroffiziere zu entwerfen. Inspiriert von der modernen Bauweise der 20er Jahre planen die Architekten in die Höhe: nicht zuletzt auch, weil man den damals international als Ziel erklärten Standard von mindestens einer Stunde Sonne am Tag umsetzen will.

So entsteht der Plan zu zwölf langen, schmalen Hochhausscheiben, die alle an der Nord-Süd-Achse ausgerichtet sind und ihre Fenster im Osten und Westen haben.

Symbol des Wiederaufbaus

Am 11. Juli 1946 erfolgt der erste Spatenstich. Aber schon wenige Monate später wird das Projekt gestoppt: Geplant ist nun Frankfurt am Main als Hauptstadt einer gemeinsamen britisch-amerikanischen Besatzungszone. Die zwölf Fundamente werden noch gegossen, dann ist erstmal Schluss.

Erst im Januar 1949 beschließt die Hamburger Bürgerschaft den Weiterbau. Das Richtfest für die gelb verklinkerten Grindelhochhäuser im Sommer 1955 wird zur großen Feier; ein Symbol auch für den Wiederaufbau Deutschlands. Und für die Zukunft: Einen modernen Lift, einen Müllschlucker, Balkone und einen eingebauten Kühlschrank haben im Land nur wenige. Sogar ein Waschsalon ist vorhanden.

Die rund 50 Quadratmeter großen Wohnungen wirken durch gute Schnitte geräumiger. Unten gibt es Geschäfte, und im 14 Stock befinden sich Atelierwohnungen für Künstler. Ansonsten ist jeder Block anders gegliedert, mit bis zu vier Eingängen: Die unmittelbare Nachbarschaft soll überschaubar bleiben. Anonymität gehört nicht zum Konzept der Planergruppe.

Von Anfang an sind die Grindelhochhäuser eine auch von Architekten bewunderte Touristenattraktion. Wegen ihrer zentralen Lage im feinen Havestehude sind sie bis heute als Wohnraum sehr beliebt.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Heide Soltau
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 11. Juli 2021 an die erste deutsche Hochhaussiedlung. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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