Stichtag

7. August 1984 - Sängerin Esther Phillips stirbt in Los Angeles

Sie gilt als eine der größten Stimmen des Rhythm-and-Blues: Esther Phillips wird mit ihrer Version von "What a Difference a Day makes" 1975 weltweit populär. "Das ist ein sehr altes Lied aus den 1920er Jahren", sagt die US-Amerikanerin. Es stamme ursprünglich aus Spanien. "Wenn ich ein Lied aufnehme, dann gucke ich mir zuerst den Text an", so Phillips. "Wenn das Stück keine Geschichte erzählt, ist es kein Lied für mich."

Die Karriere von Phillips, die am 23. Dezember 1935 als Esther May Jones in Galveston im US-Bundesstaat Texas geboren wird, beginnt schon in ihrer Kindheit. Sie lebt damals mit ihrer Familie in Watts, einem Ort in der Nähe von Los Angeles, und singt im Kirchenchor. 1949 gewinnt sie einen Talentwettbewerb in Johnny Otis' "Barrelhouse Club". Ihm gehört neben dem Musikclub auch eine Hühnerfarm: "Klein-Esther wohnte in der Nachbarschaft und half mir immer dabei, Hühner zu fangen, wenn Leute kamen, um welche zu kaufen." Otis beschäftigt das Mädchen in seinen Bands und nimmt mit ihr den Song "Double Crossing Blues" auf: "Es wurde der Nummer-eins-Hit von 1950 und machte Little-Esther berühmt."

Immer wieder in Entzugskliniken

Little-Esther ist bereits mit 14 Jahren ein Star der afro-amerikanischen Rhythm-and-Blues-Szene. Sie bekommt erste Plattenverträge und hat einen Hit nach dem anderen. Ihre Idole sind die Sänger Dinah Washington, Sarah Vaughn und Billy Eckstine. In den USA herrscht damals noch "Rassentrennung". "Einmal, als wir an einer Tankstelle anhielten, sprang meine kleine Sängerin Little-Esther aus dem Bus und rannte zur Toilette", erzählt Otis. Daraufhin habe ihn ein Mann mit einer Waffe bedroht. "Er war fürchterlich wütend, dass das kleine schwarze Mädchen in den Waschraum für weiße Frauen ging." Ähnliche Vorfälle habe es immer wieder gegeben.

Little-Esthers Leben ist unstet: Sie tingelt durch Amerika und streitet mit Plattenfirmen um höhere Honorare. Schon mit Anfang 20 konsumiert sie Heroin, immer wieder muss sie in Entzugskliniken. Schließlich singt sie nur noch in kleinen Clubs. Durch Zufall entdeckt Countrysänger Kenny Rogers sie 1962 in einem Nachtclub in Houston wieder und verhilft ihr zu einem neuen Plattenvertrag. Little-Esther, die sich nun Esther Phillips nennt, gelingt mit dem Titel "Release me" ein Comeback.

"Ich wäre gern finanziell unabhängig"

1972 erscheint die Platte "From a Whisper to a Scream", die für einen Grammy nominiert wird. Schließlich setzt sich im Jahr darauf zwar Aretha Franklin als beste Rhythm-and-Blues-Sängerin durch, sie widmet die Auszeichnung bei der Preisverleihung aber Esther Phillips. Auf dem Album besingt diese im Lied "Home is where the hatred ist" ihre eigene Geschichte. Es geht um Drogensucht. Neben Heroin greift sie mittlerweile auch exzessiv zu Alkohol.

Auf die Frage nach ihren Zukunftsträumen antwortet Esther Phillips in einem ihrer seltenen Interviews Mitte der 1970er Jahre: "Ich will nicht wirklich reich werden, aber ich wäre gerne finanziell unabhängig in diesem Geschäft." Sie sei schon so lange dabei. "In ein paar Jahren würde ich gerne nur noch dann arbeiten, wenn ich Lust dazu habe, und nicht, weil ich es muss." Nach "What a Difference a Day makes" gelingen ihr noch einige kleinere Hits. Der große Erfolg aber bleibt aus. Esther Phillips ist körperlich am Ende: Am 7. August 1984 versagen Leber und Nieren aufgrund der jahrelangen Drogensucht. Die Sängerin stirbt im Alter von 48 Jahren in Los Angeles.

Stand: 07.08.2014

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.