Stichtag

22. Juli 1914 - Geburtstag von Charles Regnier

Seine Schauspielkarriere beginnt schleppend. "Es ist kein Geheimnis, dass Charles Regnier 1934 wegen des Vorwurfs der Homosexualität ein halbes Jahr im Konzentrationslager saß", sagt sein Sohn Anatol Regnier, der eine Familienbiografie geschrieben hat. Drei Mal lehnt die Prüfungskommission der Reichstheaterkammer den überschlanken und intellektuell wirkenden Regnier ab. Breitschultrige Heldendarsteller sind gefragt, sein Typ nicht. Er nimmt etwas Privatunterricht und erhält Mitte der 30er-Jahre mit viel Glück ein Engagement am Stadttheater Greifswald. Und lernt dort seine spätere Frau Pamela Wedekind kennen, die als Tochter des Dramatikers Frank Wedekind über hilfreiche Kontakte verfügt, um Regniers Schauspielkarriere voranzubringen.

Der Tod des Vaters beschäftigt ihn ein Leben lang

Geboren wurde Charles Regnier als Sohn eines Arztes am 22. Juli 1914 in Freiburg im Breisgau. Dass sein Vater sich umbrachte, als er zehn Jahre alt war, traf ihn schwer. Der Tod des Vaters beschäftigte ihn ein Leben lang. "Wenn ich zurückdenke, sehe ich, dass Charles bei aller Ruhe, die er hatte, selten richtig fröhlich war. Es lag ein Schatten der Traurigkeit und der Melancholie über ihm", erinnert sich sein Sohn Anatol Regnier.

Während der Kriegszeit sind Männer auch am Theater knapp. Regnier ist gut beschäftigt, obwohl er dem Ideal der Zeit wenig entspricht. In München arbeitet er mit großen Regisseuren wie Heinz Hilpert, Hans Schweikart und Fritz Kortner. Er spielt Lessing und Schiller und die Klassiker der Moderne. "Und nach dem Krieg war sein Typ auf einmal gefragt. Im Nachkriegstheater inszenierte man Jean-Paul Sartre, Thornton Wilder und Jean Anouilh. Da passte er hin mit seiner leisen, ironischen, auch zynischen Ansprache", sagt sein Sohn Anatol.

Regnier fühlt sich als Vollblut-Theaterschauspieler

Zwischendurch nimmt er wahllos Filmrollen an, von "Das Testament des Dr. Mabuse" (1962) bis zur Edgar-Wallace-Verfilmung "Der schwarze Abt" (1964). Obwohl er in mehr als hundert Filmen zu sehen ist, fühlt sich Regnier immer als Vollblut-Theaterschauspieler. Er arbeitet mit großen Regisseuren an großen Häusern in München, Zürich, Wien, Berlin. Doch er bleibt die Besetzung für einen sehr speziellen Charakter und spielt deswegen oft die Nebenrolle.

Charles Regnier stirbt am 13. September 2001. "In einem Nachruf hat jemand geschrieben: Er hatte die Fähigkeit, auf leise Weise die Nebenrolle zur Hauptrolle zu machen", sagt sein Sohn Anatol.

Stand: 22.07.2014

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