Stichtag

5. Juli 1929 - Todestag des Kilimandscharo-Erstbesteigers Hans Meyer

Bis zum Ersten Weltkrieg lag der höchste Berg des Deutschen Reiches offiziell in Afrika, in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Hans Meyer, Spross der Meyers-Lexikon-Dynastie und leidenschaftlicher Geograph, hatte Ende des 19. Jahrhunderts als erster Europäer den höchsten Gipfel im Massiv des Kilimandscharos erklettert.

"Im Leben der Meyers spielte Geld keine Rolle"

Am Kraterrand des Kibo stauen sich heute Sportler in wetterfester Funktionskleidung, die Bilder ihrer Wanderung über Twitter in die Welt schicken. Der Fast-Sechstausender und höchste Berg Afrikas wird fälschlicherweise als Kilimandscharo bezeichnet – so heißt aber das gesamte Bergmassiv. Am 6. Oktober 1889 sind es nur zwei Europäer, die auf der eisbedeckten höchsten Erhebung des Kibo stehen: der österreichische Bergsteiger Ludwig Purtscheller und der deutsche Geograph Hans Meyer.

Drei Wochen zuvor hatte der in sein Reisetagebuch geschrieben: "Herr Purtscheller sammelt eifrig Flechten, während ich die Tageskarte zeichne. Er fühlt sich in seinem alpinen Kostüm mit "Gamsledernen" und Kniestrümpfen sehr wohl; vermutlich das erste hochalpine Adjustement, welches Ostafrika sieht." Drei Wochen später erreichen sie in 5.895 Metern Höhe den Gipfel und Meyer notiert: "Mit dem Recht des ersten Ersteigers taufe ich diese bisher unbekannte, namenlose Spitze des Kibo, den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde: Kaiser-Wilhelm-Spitze!" Rund 30.000 Mark hat die aufwändige Expedition gekostet - sie war bereits Meyers dritter Versuch, den Kibo zu erklimmen. "Im Leben der Meyers spielte Geld sicher keine entscheidende Rolle", sagt Heinz Peter Brogiato, Leiter des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig. Zu diesem Zeitpunkt steht Meyers Konversationslexikon in fast jedem deutschen Bücherregal.

Hans Meyer sieht sein Lebenswerk zerstört

Hans Meyer, geboren am 22. März 1858 in Hildburghausen in Thüringen, stammt aus dieser wohlhabenden Verlegerfamilie. Er studiert Verschiedenes und promoviert in Wirtschaftsgeschichte. Ihn interessieren jedoch die Erdkunde und vor allem die Gebiete des überseeischen Deutschlands. "Er war felsenfest davon überzeugt, dass Deutschland Kolonien braucht, wenn es als Weltmacht bestehen will", erklärt Heinz Peter Brogiato vom Leibniz-Institut. Acht Mal geht er auf Forschungsreisen: nach Teneriffa, Ecuador und immer wieder nach Afrika. Er spezialisiert sich auf Vulkane und Gletscher, sammelt akribisch Daten, die bis heute wertvoll sind.

Ab 1915 wird Hans Meyer Hochschullehrer für Kolonialpolitik und Kolonialgeographie an der Universität Leipzig. Als Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg seine sogenannten Schutzgebiete aufgeben muss, ist sein Lebenswerk zerstört. "Es ist daher zu verstehen, dass ich, wie die Mehrzahl meiner einstigen Arbeitskameraden, den Raub unserer Kolonie als die Vernichtung des besten Stückes meiner Lebensarbeit empfinde", schreibt er damals. Er stirbt am 5. Juli 1929 im Alter von 71 Jahren. Uhuru heißt die Kaiser-Wilhelm-Spitze seit der Unabhängigkeit Tansanias im Jahr 1961. Auf Swahili bedeutet das Freiheit.

Stand: 05.07.2014

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